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Am Ende liegt die Wahrheit


28.06.2009 17:07 - Gestartet von mungojerrie
In den letzten Abschnitten des Editorials liegt wohl die Wahrheit: ein digitales Rundfunkradio bietet keine Vorteile, ganz anders sieht es aber bei IP basierten Radios aus.

In Kaiserslautern habe ich die Umstellung des Fernsehens auf DVB-T miterlebt. Eine entsprechende DVB-T Karte steckt bis heute in meinem Rechner. Die Bildqualität war jedoch schlechter als beim analogen Fernsehen. So sind Laufbänder nicht zu lesen gewesen, Aufnahmen von Gewässern waren Pixelwüsten.

Ob die Karte jetzt noch tun würde, weiß ich gar nicht. Wahrscheinlich brauche ich heute einen anderen Standard und die Karte wäre Elektronikschrott. Nein, eine neue würde ich mir aber nicht kaufen. Dafür läuft zuviel Müll im Fernsehen.

Beim Radio erlebe ich nun eine andere Geschichte. Bin ich unterwegs, dann brauche ich etwas Musik und Verkehrsfunk. Beides bietet Analogradio. Hier würde ein neues System einfach keinen Vorteil bringen. Frequenzen umstellen musste ich noch nie, das erledigt das Radio automatisch. Einige Zusatzfunktionen wie Themenwahl über PTY habe ich noch nie gebraucht, wobei selbst mein Radiowecker das beherrschen würde ;)

Sitze ich zuhause vor dem Rechner, sieht die Welt aber etwas anders aus. Da ich nun im Ausland wohne, habe ich mir ein Webradio gekauft. Das steht auf einem Regal und empfängt theoretisch zehntausende Sender. Davon brauche ich etwa fünf - meine ehemaligen Heimatkanäle. Die kommen per MP3 Stream so ins Wohnzimmer. Das Radio verbindet sich via WLAN oder Ethernetkabel ins Netz. Das ist sozusagen ein moderner Weltempfänger. Es macht sogar Spass, mal in die Welt rauszuhören. Na, was läuft in Mikronesien im Radio? Sowas geht, wenn auch noch etwas kompliziert.

Im Auto benötige ich das Spiel jedoch nicht. Da ist eine lokale Radiostation erheblich sinnvoller. Langfristig macht aber auch dort IP Radio Sinn. Verkehrsmeldungen via GPRS Update gibt es schon, auch könnten sich die Radios via UMTS oder anderen Standards mit dem Netz verbinden.

Es gibt noch ein "aber": ein Auto lebt über 10 Jahre. Es ist unmöglich, alle zwei Jahre den Standard zu ändern. Wenn also ein digitales Radio kommt, dann muss dieses über Jahrzehnte stabil bleiben. Es gibt auch grundsätzlich keinen Grund, warum dies nicht so sein sollte. Heute könnte eine CD unkomprimiert gestreamt werden. Eine höhere Qualität braucht es nicht. Dolby Surround im Auto ist unnötig - zumindest, wenn man mit dem Wagen fährt. Von daher gibt es also grundsätzlich nichts, was gegen stabile Standards sprechen würde.

Endet es aber so, dass alle zwei Jahre das Autoradio gewechselt werden müsste und _genau das_ erleben wir nun mit DAB und DAB+, dann ist das eine Totgeburt - und sollte meiner Meinung nach auch tot bleiben.