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bis auf den Schlußsatz ...


10.07.2006 11:37 - Gestartet von Kai Petzke
Benutzer wesserbisser schrieb:
"...weiterhin die Masse der Kleinverbraucher die Traffic-Kosten bezahlen soll. Das ist aber auch nicht sonderlich demokratisch."

Wenn man als "Kleinverbraucher" nur 5 Euro mtl. für eine Flatrate bezahlt, so finde ich das besser, als wenn man 4 Euro zahlt, aber für alle möglichen jetzt noch kostenlosen Dienste zusätzlich zur Kasse gebeten wird.

Es ist nicht zu erwarten, dass beispielsweise "google" plötzlich kostenpflichtig wird, nur, weil diese im Gegenzug zu bisher (wo sie aufgrund Ihres Riesen-Traffics kostenlos "peeren" können) nun doch gewisse Traffic-Gebühren bezahlen müssen. Auch bei anderen Diensten ("Skype out", Video on demand etc.) sind nur minimale Steigerungen zu erwarten. Zudem erlaubt das von mir vorgeschlagene Modell allen Anbietern ja weiterhin, nur die "Basis-Qualität" zu buchen, und damit auch die bisherigen, günstigen Traffic-Kosten zu nutzen. Kostensteigerungen gibt es dann aber auch nicht.

Um mein Argument mit den "Kleinverbrauchern" vielleicht noch etwas klarer darzustellen: Mittelgroße Site-Betreiber oder Suchmaschinen zahlen derzeit teilweise überproportional viel für Ihren Traffic. Das sind die Anbieter, die oberhalb der von den Hostern derzeit angeobtenen Inklusiv-Volumina (meist ca. 1 Terabyte/Monat) liegen, aber noch nicht so hoch, dass es sich für sie lohnt, selber am DE-CIX oder anderen Peering-Points anzuschließen.

Ansonsten kostet ein DSL-Internet-Zugang inklusive Flatrate derzeit nicht 5 Euro, sondern gut 20 Euro monatlich. Dabei habe ich Zahlen gehört (leider nicht schriftlich), dass die Kosten für einen DSL-Port bei den Telekom-Firmen inzwischen unter 100 Euro liegen. Rechnet man noch eine Techniker-Stunde à 50 Euro für das Aufschalten von DSL hinzu, kommt man bei zweijähriger Laufzeit auf lediglich 6,25 Euro, die der Anschluss wirklich kostet. Bei längerer Laufzeit (laut ALLEN Marktstudien wächst DSL rasant weiter, so dass alle heute geschalteten Ports auch in drei bis fünf Jahren noch aktiv sein dürften) sinken die Kosten pro Monat sogar noch weiter. Und so verwundert es gar nicht, dass die Telekom im Rahmen von "net.rental" ihren bevorzugten Resellern über 50% Rabatt auf den DSL-Anschlusspreis gibt. Diesen Rabatt nutzen wiederum die Provider, um die eigentlich nicht kostendeckenden Flatrates querzusuventionieren. Kleine Provider, die nicht die Umsätze für net.rental bringen, und nur geringe Resale-Rabatte bekommen, stöhnen regelmäßig darüber, dass sie deswegen nicht mehr konkurrieren können. Deswegen gab es auch erheblich Zoff um net.rental, siehe auch Meldungen wie https://www.teltarif.de/arch/2006/kw16/... oder https://www.teltarif.de/arch/2006/kw21/...

Langer Rede, kurzer Sinn: Die realen Traffic-Kosten sind höher, als sie derzeit in der Werbung ausgewiesen werden, die realen DSL-Anschlusskosten hinegen deutlich niedriger.


Kai