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DVB-T verschlüsseln? Die Hintergründe


17.05.2006 12:02 - Gestartet von chrispiac
Wahrscheinlich reifen die Pläne dafür nicht nur bei RTL. Die Sachlage scheint noch etwas komplexer. Angefangen hat es mit der Übernahme des digitalen Playout-Centers (vom Pleitier Leo Kirch), das bereits für Premiere tätig ist durch ASTRA, einen Satellitenbetreiber (der einen der drei Verbreitungswege [Sat, Kabel, Terristik] für den deutschen Markt kontrolliert). Mit dem Playout-Center übernahmen sie auch die Lizenz eines Codierungsverfahrens, was Premiere in abgewandelter Form bisher nutzte. Das Problem für ASTRA ist, das mit der Digitalisierung der Verbreitungswege sich die Kosten für die Verbreitung von Programmen über Satellit verringern, da mehrere Programme über einen Transponder abgestrahlt werden können. So viel weitere Programme, die diesen Verlust kompensieren könnten, können gar nicht wirtschaftlich betrieben werden, wenn sie allein werbefinanziert werden. Wachstum bei ASTRA ist also nur möglich, wenn sie andere Mitbewerber übernehmen (ist schon geschehen, ASTRA ist schon größter privater Sat-Betreiber, weitere Übernahmen dürften die Kartell- und Regulierungsbehörden nicht genehmigen) oder sich ergänzenden Geschäftsfeldern aneignen. ASTRA ist also an die deutschsprachigen Programmanbieter herangetreten und hat sie von der Verschlüsselung überzeugen wollen, hauptsächlich mit dem Argument Kosten einzusparen, die für die Ausstrahlung per Satellit aufzubringen sind (es geht dabei um Senderechte, die auch für andere Länder als Deutschland gezahlt werden müssen, wenn sie in deutscher Sprache über Satellit ausgestrahlt werden). Diese Kosten könnten sinken, wenn geeignete Maßnahmen ergriffen werden die den Empfang im Ausland verhindern (andere Länder ergreifen diese Maßnahmen schon: Österreich und Niederländer haben fast nur verschlüsselte Digitalsender über Satellit). Natürlich wollen die Sender die Kosten für die Umstellung minimieren, d. h. die "einmal Gebühr" (sofern es dabei bleibt) soll die Kosten der Sender für die Umstellung tragen. Allerdings macht es nur Sinn, wenn möglichst alle deutschen Sender bei dieser Verschlüsselung mitmachen. Die öffentlich-rechtlichen Sender (also das deutsche Zwangs-Pay-TV) hat sich schon dagegen ausgesprochen. Auch einige Senderneugründungen (NBC - das Vierte) sieht keinen Vorteil darin, wohl aber das Oligopol der deutschen Privatsender: RTL-Group und ProSiebenSat1 Media. Diese Sender sind am Ende ihres Wachstums angelangt, da sie bereits alle Werbemöglichkeiten die sie nutzen dürfen ausnutzen und keine Sender mehr kaufen dürfen. Da die Besitzer jedoch weiter wachsende Gewinne fordern, greifen natürlich Argumente, die weitere Kostenvorteile bringen könnten. Eine Grundverschlüsselung per Satellit (wie sie auch viele Kabelnetzbetreiber bereits einführen - auch hier geht es ums Geldverdienen) nützt den Sendern aber nur wirklich was, wenn alle digitalen Wege gleichbehandelt werden, also auch DVB-T. ASTRA reibt sich die Hände (sie verdienn durch die Lizensierung des Verschlüsselungssystems, je mehr Wege verschlüsselt werden, umso höher die zu erwarteten Gewinne), die Sender freuen sich (über die verschlüsselten Wege sind Kosten einzusparen und es sind über die auszugebenden Karten mehr Informationen über die Kunden möglich, somit sind weitere Geschäftsfelder möglich über Marketing, Sehgewohnheiten und Adressenhandel etc. . Schließlich sind Kunden anhand der Kartennummer direkt idendifizierbar und über Rückkanalmeldungen, ob der Dekoder eingeschatet ist oder nicht lassen sich genauere Marktdaten ermitteln.) Die Decoderhersteller freuen sich, es werden neue Receiver gebraucht (auch hier fallen Lizenzkosten an), der Handel freut sich, aus dem gleichen Grund und das sie bessere Marktdaten von den Sendern erhalten. Nur der Fernsehzuschauer in Deutschland ist der Dumme. Er braucht viele neue Geräte und Decoderkarten, denn in der Regel muss ja nicht nur der Fernseher, sondern auch der Videorecorder (oder Festplattenrecorder) der/die Zweitfernseher etc. mit entsprechenden Material versorgt werden.

Aber: Man muss das alles nicht mitmachen! Eine zeitlang kann ich gerne auf den Mist verzichten, den die "großen Privaten" so unter das Volk bringen (es wird doch alles wiederholt!). Es ist nur die Frage wer länger durchhält, die "Unterschichtensender" die neben Werbung nun auch noch direkt in die Tasche der Zuschauer greifen wollen oder der aufgeklärte Konsument (eine seltene Spezies, die vom Aussterben bedroht ist) der sich diesem vorgehen widerDVB-T verschlüsseln? Die Hintergründe
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[1] 7VAMPIR antwortet auf chrispiac
17.05.2006 12:21
DANKE!
Für diese aufschlussreichen Einblicke.
Wenn es so kommt, wie Du plausibel ausführst, werden diese Herrschaften an mir keine Freude haben. Ich werde keine Schikanecodierung mitmachen.

Typisch ist aber wieder, dass die GEZ Erpresser einem weiterhin ihren Schrott aufnötigen um dann von jedem Gerätebesitzer € eintreiben zu können.

Die sollten VERPFLICHTET WERDEN nur Geld von freiwilligen Kunden zu nehmen und zur Abgrenzung ihrer zahlenden Kundschaft die Verschlüsselung benutzen.


CU 7VAMPIR



Ps.
Ich bevorzuge Kundenkontakt mit fairen Einwahlnummern.
Hotlines sollten einfache Rufnummern ohne Sonderkosten sein.
Die Kommunikation zwischen Vertragspartnern sollte nicht Ausschüttungen für den einen zu Lasten des anderen beinhalten.
Es gibt bessere Wege für Service zu bezahlen.

Meine Kaufentscheidungen berücksichtigen den Service.


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[2] Alexda antwortet auf chrispiac
17.05.2006 14:21

einmal geändert am 18.05.2006 08:22
Klar hat Astra ein Interesse, dass DVB-T verschlüsselt wird. Denn sonst würden bei DVB-S-Verschlüsselung viele auf Astra verzichten.

Aber welchen Vorteil haben die Sender?! Bei DVB-S-Verschlüsselung sparen sie jede Menge Lizenzgebühren (Europaweit Sport und für deutschsprachige Ausländer die Filme). Aber DVB-T wird ja ohnehin nur in Deutschland empfangen.

RTL und Pro7SAT1 wären doch blöd, einen Einbruch der Werbeeinnahmen zu riskieren, wenn die DVB-T-Zuschauer nicht wie erhofft abonnieren.

Die Idee kommt meiner Ansicht nach zu spät, DVB-T ist (bald) schon zu weit verbreitet und viele Zuschauer sind nicht bereit schon wieder was neues zu kaufen.

Bei den ASTRA-Zuschauern sieht das sicher anders aus, die haben ihre Kisten schon lange. Und wer DVB-S hat, ist eh schon fast ein Junky.
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[2.1] chrispiac antwortet auf Alexda
17.05.2006 19:16
Die Privatsender sind bei den weiteren DVB-T Ausbau nicht mehr dabei! Weitere Gebiete werden nur noch von den öffentlich-rechtlichen Sendern erschlossen. Das liegt daran, das ein EU-Urteil Zahlungen, die für den Ausbau der Sender zum Ausbau von DVB-T als illegale subventionen ansehen. In den noch nicht erschlossenen DVB-T Gebieten wird es die Privatsender auf absehbare Zeit nur über Satellit oder Kabel geben.
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[2.1.1] DVB-T vs. ASTRA
Alexda antwortet auf chrispiac
18.05.2006 08:30
Benutzer chrispiac schrieb:
Die Privatsender sind bei den weiteren DVB-T Ausbau nicht mehr dabei! Weitere Gebiete werden nur noch von den öffentlich-rechtlichen Sendern erschlossen. Das liegt daran, das ein EU-Urteil Zahlungen, die für den Ausbau der Sender zum Ausbau von DVB-T als illegale subventionen ansehen. In den noch nicht erschlossenen DVB-T Gebieten wird es die Privatsender auf absehbare Zeit nur über Satellit oder Kabel geben.

?!? Dann ist es doch erst recht unverständlich, warum sie DVB-T verschlüsseln wollen!

Was anderes: Wer hat denn dieses EU-Urteil bewirkt? Doch bestimmt ASTRA, oder?! ;-)
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[2.1.1.1] chrispiac antwortet auf Alexda
18.05.2006 11:01
Nein, meines Wissens waren es die Kabelnetzbetreiber! Die sehen bei DVB-T schlecht aus. Wer will den schon mindestens 30 Euro pro Monat für ca. 30 bis 40 digitale Kabelprogramme ausgeben, wenn er über DVB-T mit einer einmaligen Anschaffung um 80 bis 100 Euro bis zu 28 Diensten/Sender frei empfangen kann? Daher sahen sie in der DVB-T Förderung für die Privatsender eine illegale Quersubventionierung und haben dieses EU-Urteil erkämpft (dabei gab es weiterreichende Subventionierungen z.B. in Italien).