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Wilkommen im Krieg 'Inhalte' gegen 'Infrastruktur'


27.05.2006 20:35 - Gestartet von chrispiac
Jetzt ist es soweit. Mit der Zulassung von Arena-TV gibt es nun einen Inhalteanbieter (Fussball) in Deutschland der zu einem Infrastrukturdienstleister (Unity Media/Kabelnetzanbieter Netzebene 3) gehört. Schon werden andere Zugänge als zu Unity Media gehörende diskriminiert. Warum kostet wohl ein Abo über Satellit 5 Euro mehr im Monat? Bisher war es ja so, dass die Grenzen klar waren. Entweder man Betrieb einen Sender oder eine Sendergruppe (Öffentlich Rechtliche/Private / Pay-TV/Radio) oder man war an der Verbreitung der Signale beteiligt (Kabelnetzbereiber/Satellitenbetreiber/Terristrische Funkanlagen/Verbreitung über Internet).

Schlim genug ist es, das es beherschende Unternehmen in der Infrastruktur gab, die nach wie vor einen großen Einfluß auf diese haben. Als die jetztige Telekom noch Bundespost hieß, besaß sie monopolartig Kabelnetze, die gesammte Terristik (Lang-, Mittel-, Kurzwellen-, UKW und Fernsehsender), war an einem Satellitensystem beteiligt. Das Internet gab es zu der Zeit noch nicht in der jetztigen Form, aber der dazu nötige Übertragungsweg „Telefonleitung“ gehörte ebenfalls der Bundespost. Zwar musste die Telekom mit aufkommender Marktliberalisierung das Kabelnetz abgeben (nicht, das sie es wollten - es wurde ja lange genug herausgezögert auch um Investitionen in eine Infrastruktur zu verhindern, die schon damals als Konkurenz zum Telefon genutzt werden konnte) aber an den anderen Übertragungswegen ist sie immer noch beteiligt (mit ein Grund warum z.B. die DVB-T Ausstrahlung in Deutschland vielfach teurer ist als in der übrigen EU). Aber, bis auf Testsendungen war und ist die Telekom, samt ihrer Tochterunternehmen stets Infrastrukturanbieter gewesen, die "Inhalte" oder „Content“ wie der Fachbegriff heißt, haben immer andere Unternehmen beigesteuert.

Mitlerweile ist es aber so, das es eine starke Konkurenz bei den Infrastrukturanbietern gibt (Schließlich gibt es die Möglichkeit über einen Kabelanschluß auch Telefon und Internet laufen zu lassen, mit dem Telefonanschluß kommt auch Internet und mit DSL ist auch Radio und Fernsehn möglich, über Mobiltelefonnetze sind auch Datenübertragungen möglich und aktuelle Handys empfangen auch UKW-Radio, erprobt ist auch schon Fernsehen sei es per UMTS oder DAB/DVB-H). Also kommt es mehr und mehr darauf an, was der Kunde für ein Nutzen sich von einem bestimmten „Universalzugangsweg“ erhoft und damit kommen die Inhalteanbieter ins Spiel.

Wer einen möglichst aktraktiven Inhalt möglichst Exklusiv anbieten kann, wird in Zukunft den Kunden gewinnen. Darum haben die Infrastrukturanbieter zur Zeit interesse daran auch als Inhalteanbieter aufzutreten, um möglichst günstig diesen seinen Kundenkreis anbieten zu können und damit der Konkurenz Kunden abzujagen. Was wir zur Zeit mitbekommen ist zum Einen, das die bisher scharfe Trennung zwischen Inhalteanbieter und Infrastrukturanbieter fällt (Arena-TV) und zum Anderen das sich Allianzen von Infrastruktur- und Inhalteanbietern bilden um neue Märkte zu erschließen (Primiere/T-Com - IP-TV via VDSL).

Ich halte diese Entwicklung nicht für gut. Ich hätte mir lieber einen unabhängigen Pay-TV Veranstalter neben Premiere gewünscht, der alle Infrastrukturanbieter mit Content versorgen möchte. Das würde die Preise für Pay-TV in einem vernünftigen Rahmen halten und vielleicht neue Sender hervorbringen, die kleinere Zielgruppen erschließen könnten - zu einem angemessenen Preis.