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Versteh' ich da jetzt was nicht?!


09.02.2010 01:06 - Gestartet von GrößterNehmer
In dem Bericht geht es darum, dass Telefónica Suchmaschinen Geld für die Nutzung des eigenen Netzes berechnen will. Stehe ich jetzt völlig auf dem Schlauch, oder geht es darum, dass ein Kunde einen Internetzugang bei Telefónica hat und eine Suchmaschine über diesen Zugang nutzt?

Wenn dem tatsächlich so ist: was will Telefónica dann von Google (oder anderen Anbietern von Web-Services)? Wenn ein Kunde von Telefónica einen Web-Service, wie jene von Google, über deren Netz nutzt, dann kassiert Telefónica doch schon vom Kunden. Wollen die jetzt auch noch vom Anbieter der angesurften Seite kassieren, damit sie den Traffic durchlassen? Das wäre ja, wie bei einem Telefonat, bei dem der Anbieter des Anrufers zusätzlich noch vom Angerufenen kassiert, damit das Gespräch durchgestellt wird.

Mache ich da jetzt einen gravierenden Denkfehler oder will Telefónica von zwei Parteien kassieren, um ihren Netzzugang anzubieten?!

Gruß
GrößterNehmer
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[1] inmado antwortet auf GrößterNehmer
09.02.2010 21:35
Ja, Du machst einen Denkfehler, wenn Du die Abrechnung bei Telefonaten mit der Abrechnung im Internet vergleichst. Dort gilt das "Bill&Keep"-Prinzip, d.h., jeder Netzbetreiber stellt den Service seinen Kunden in Rechnung und behält den eingenommenen Betrag vollständig. (Bei der Telefonie ist "Calling Party Pays" üblich, d.h., ein Netzbetreiber kassiert einerseits von seinen Kunden, zahlt aber einen Teil des Betrages an den Betreiber des Netzes, wo der Anruf terminiert. Das nennt man Terminierungsgebühr). Tatsächlich bezahlt im Internet nicht nur der Endkunde für seinen Internet-Zugang, sondern auch Google. Und zwar jeder an seinen Betreiber.
Der Verkehr zwischen Netzwerkbetreibern wird durch sog. Peerings ermöglicht, bei denen zwei dadurch zusammengeschaltete Netzwerkbetreiber gegenseitig freien und kostenlosen Transport ins jeweils andere Netz gewähren. (Im Gegensatz dazu fallen für Transits (entspricht einem Verbindungsnetzbetreiber) i.a. Kosten an).

Die Behauptung, Google zahle nichts für den Verkehr ist also falsch und irreführend. Nur zahlt Google eben nicht notwendiger Weise an die Telefonica. Und vor allem zahlt Google eben nur für Bandbreite, Bits und Bytes. Nicht für die Dienstleistung, die damit transportiert wird.

Im Grunde geht es den Telkos allein darum, an den Gewinnen, die einige Nutzer - wie etwa Google - erzielen, wenn sie im Netz dienstleistungen anbieten, zu partizipieren. Sie wollen nicht nur "Daten" transportieren, sondern wieder (mehr) Kontrolle über die über ihr Netz angebotenen "Dienstleistungen" haben und daran mitverdienen. Aber das würde wohl ein Ende des Internets bedeuten, wie wir es heute kennen...

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[1.1] GrößterNehmer antwortet auf inmado
09.02.2010 21:53
Benutzer inmado schrieb:
Im Grunde geht es den Telkos allein darum, an den Gewinnen, die einige Nutzer - wie etwa Google - erzielen, wenn sie im Netz dienstleistungen anbieten, zu partizipieren. Sie wollen nicht nur "Daten" transportieren, sondern wieder (mehr) Kontrolle über die über ihr Netz angebotenen "Dienstleistungen" haben und daran mitverdienen.
Die Zugangsanbieter verdienen ja schon an den angebotenen Diensten im Internet. Denn nur dadurch, dass es im Internet Dienste (Webseiten und Web 2.0-Angebote) gibt, können sie den Zugang anbieten, bzw. sind Kunden dazu bereit für ihren Dienst, nämlich die Durchleitung von Daten, zu zahlen. Wenn die Bit-Verschieber an Web-Diensten verdienen wollen, dann sollen sie gefälligst selbst welche anbieten. Ich bezahle dafür, dass ich meine Daten zu Google senden kann und von Google Daten zurück erhalte. Wenn dann mein Internetzugangsanbieter meint, er könne die Datenübertragung zu gewissen Diensten verlangsamen, weil der Anbieter dieser Dienste keinen Wegezoll entrichtet, dann suche ich mir einen anderen Zugangsanbieter. Letztendlich würde der Nutzer ja sowieso doppelt zahlen, da die Kosten, die ein Diensteanbieter an den Netzbetreiber zahlt natürlich wieder auf den Kunden umgelegt werden müssen.

Gruß
GrößterNehmer
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[1.2] cdrewing antwortet auf inmado
05.08.2010 14:21
Sie wollen winfach abkassieren. Das ist so als wenn RWE etwas vom Gewinn von Siemens haben will, denn die brauchen ja Strom um ihre Maschinen herzustellen.

Dabei zahlt doch Google für den Netzzugang. Und ein Teil davon kommt auch bei Verizon an. Denn auch die peeren mit irgendjemand. Der kleinere (Netzbetreiber) zahlt an den Größeren. Somit kommt das Geld nicht unbedingt direkt von Google, aber von irgendwelchen Providern, die die Peerings *zu* Google herstellen. Oder von denen die das Peering zu denen herstellen, die das Peering zu Google herstellen.

Also irgendwie bekommt jeder etwas vom Kuchen ab. Genauso zahlen die Kunden für den Internetzugang. Das Geld darf ja Verizon auch nicht alleine behalten, sondern sie geben einen Teil an weitere Peeringpartner weiter (weil sie z.B. kein eigenes Netz zum De-Cix haben, es aber brauchen).

Es gibt also keinen Grund, um von Google direkt Geld haben zu wollen. Es sei denn, man will extra absahnen!

Würde mich mal wundern was passieren würde, wenn Google denen den Stinkefinger zeigen würde und Verizon google.com aus dem DNS nimmt. Schauen wir mal wie lange Verizon noch Kunden hat.