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Reseller werden klar bevorteilt


14.05.2008 10:17 - Gestartet von kamischke
3x geändert, zuletzt am 14.05.2008 16:16
Mit der gestrigen Entscheidung wird leider eines überdeutlich: Investitionen in den Ausbau eines eigenen Netzes lohnen sich für Wettbewerbsunternehmen kaum noch.
Mit der Festlegung eines IP-Bitstreamspreises von lediglich 8,55 Euro (beantragt waren hier 14,26 Euro) für einen DSL-Zugang inklusive eines Datentransports von 50kbit/s [9,55 Euro mit 75kbit/s] werden die bislang getätigten Investitionen der Wettbewerbsunternehmen auf einen Schlag erheblich entwertet.
Man muß leider eher den Eindruck gewinnen, das die BnetzA hier dem zurückgehenden Resellergeschäft der Telekom wieder stärker unter die Arme greifen wollte, denn nur wer nicht in eigene Infrastruktur investiert, profitiert von dieser Entscheidung und das sind nun mal nur die reinen Reseller.

Versteht einer noch die Preisgestaltung der BNetzA?
Es ist noch keine 2 Jahre her, als sie den Net-Rental-Vertrag der Telekom "aus Gründen der Wettbewerbsverzerrung zu Lasten mittlerer und kleinerer DSL-Anbieter" untersagt hatte:
https://www.teltarif.de/arch/2006/kw21/...

Mit der nun getroffenen Entscheidung, den Resellereinkaufspreis für einen einfachen DSL-Anschluß von 11,71 Euro
https://www.teltarif.de/arch/2006/kw23/...
auf 8,55 Euro abzusenken, führt sie ihre damalige Entscheidung ad absurdum.

"Der IP-Bitstream für 14,26 Euro [Anm.: durch BNetzA jetzt erstmals mit 9,55 Euro festgelegt] beinhaltet den DSL-Zugang für den Endkunden inklusive eines Datentransports von 75kbit/s.
Im europäischen Vergleich liegt dieser Vorleistungspreis am unteren Rand: Im Durchschnitt werden in Frankreich 18,40 Euro, in Spanien 26,49 Euro und in Großbritannien sogar 34,63 Euro für eine vergleichbare Vorleistung berechnet.
Die für IP-Bitstream beantragten Entgelte werden angesichts steigender Netznutzung für ein stabiles Preisniveau im Markt sorgen.
Seit 2004 hat die Deutsche Telekom ihren Wettbewerbern rund 3,5 Mio. Resale-Anschlüsse bereitgestellt.
Mit der Regulie­rungsverfügung zu IP-BSA wird das Entgelt für DSL-Vorleistungen erstmals einer Regulierung unterzogen." [www.portel.de]

Quelle: http://tinyurl.com/55qync

Für die Wettbewerbsverbände Breko und VATM gab es mit dieser Entscheidung eine schallende Ohrfeige von der BNetzA für ihr eingereichtes Gutachten von 23 Euro pro Monat für den Bitstrom-Zugang:
http://tinyurl.com/4ztl53

"TELEKOM-KONKURRENTEN AUCH UNZUFRIEDEN

Der Präsident des Bundesverbands Breitbandkommunikation BREKO, Peer Knauer, hatte gesagt, ein zu niedriges Entgelt für den Bitstrom-Zugang würde die Reseller ein weiteres Mal bevorzugen. Ein Gutachten im Auftrag von Telekom-Wettbewerbern hatte einen Preis von 23 Euro pro Monat für den Bitstrom-Zugang ergeben.
Die Wiederverkäufer wollen deutlich geringere Entgelte sehen. United-Internet-Chef Ralph Dommermuth hatte gesagt: "Wir haben Interesse an Bitstream-Access. Aber der Preis muss stimmen. Er müsste unseres Erachtens nach bei rund 16 Euro liegen." Auch Freenet-Chef Eckhard Spoerr hatte den Angebotspreis der Telekom als indiskutabel bezeichnet." [http://de.reuters.com]

Damit stehen die Profiteure eindeutig fest: Reseller wie United Internet,Freenet und auch Congstar dürften sich erfreut zeigen.
Und nicht zuletzt auch die Telekom selbst dürfte sich über eine erhöhte Nachfrage ihrer Resaleprodukte freuen, wenn auch mit einem weinenden Auge, da sie sich mit ihrer Forderung nach einem höheren Resalepreis bislang nicht durchsetzen konnte.
Jetzt muß wieder einmal ein Gericht entscheiden:

"Ein Telekom-Sprecher erläuterte, der Konzern habe den Antrag vergangene Woche zurückgenommen, um Änderungen zu berücksichtigen, die der Regulierer erst nach der Antragsstellung angeordnet habe.
"Wir werden gerichtlich überprüfen lassen, ob Herr Kurth das Recht hatte zu entscheiden, obwohl wir als Antragsteller einen überarbeiteten Entgeltantrag angekündigt hatten."[http://de.reuters.com]

Gruß Kamischke
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[1] BnetzA erhöht Preise für IP-BSA
kamischke antwortet auf kamischke
18.07.2008 20:36

einmal geändert am 19.07.2008 10:58
Die Bundesnetzagentur hat auf ihren Seiten jetzt geänderte Preise für den IP-BSA veröffentlicht:

Entgelte für den IP-Bitstrom-Zugang (IP-Bitstream-Access, „IP-BSA“)

1.1 Standardleistung IP-BSA-ADSL

Überlassung, monatlich (Grundpreis incl. eines Traffic-Anteils von 50 kbit/s für den IP-BSA-Transport)
=> 8,65 €

Überlassung, monatlich (Grundpreis incl. eines Traffic-Anteils von 75 kbit/s für den IP-BSA-Transport)
=> 9,70 €


1.2 Standardleistung IP-BSA-ADSL-SA (Stand alone)

Überlassung, monatlich (Grundpreis incl. eines Traffic-Anteils von 50 kbit/s für den IP-BSA-Transport)
=> 19,15 €

Überlassung, monatlich (Grundpreis incl. eines Traffic-Anteils von 75 kbit/s für den IP-BSA-Transport)
=> 20,20 €



1.3 IP-BSA-Transport

Nutzungsabhängiger Preis (Überlaufmodell über alle IP-BSA-Anschlüsse), monatlich je angefangenen 10 kbit/s oberhalb einer durchschnittlichen Bandbreite von 50 kbit/s
=> 0,42 €

Quelle: http://tinyurl.com/5tvxf2


Ursprünglich wurden im Vorfeld noch niedrigere Preise veröffentlicht:
https://www.teltarif.de/arch/2008/kw20/...
Demnach hat die Bundesnetzagentur die veranschlagten Kosten jetzt noch einmal nachgerechnet und festgestellt, das sich das so für Wettbewerber nicht rechnet.
Oder sollte hier die Entrüstung der Wettbewerber etwa doch noch zum Erfolg geführt haben?
https://www.teltarif.de/arch/2008/kw20/...

Vielleicht lag es aber auch nur an den beiden Mißerfolgen vor dem EuGH und dem BverwG, das man nun seine Entscheidung noch mal überdacht hat:
https://www.teltarif.de/arch/2008/kw29/...
https://www.teltarif.de/forum/s15509/6-1.html

Herr Kurth kann einem echt schon leid tun.

Gruß Kamischke