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Fernsehbeitrag der ARD


08.08.2003 10:46 - Gestartet von Nik3
Nachdem ich mich gestern durch die 45 Minuten Fernsehbeitrag "Bei Anruf, Smog?" in der ARD gequält hatte, war ich doch etwas enttäuscht. Die meiste Zeit wurden irgendwelche Interessensgruppen ohne Hintergrundwissen interviewt, die keinerlei Fakten bringen konnten. Die wenigen wissenschaftlichen Studien, die gezeigt wurden, wurden entweder umgehend als nutzlos dargestellt (Keine Einwirkung auf Nerven und Muskeln) oder nur unzureichend erklärt. Insbesondere die EU-Studie "Reflex", wegen der ich mir das überhaupt angesehen habe, wurde deutlich zu kurz behandelt (damit meine ich die Fakten und nicht die Diskussion darüber).
Es wurde also herausgefunden, dass gewisse Zellen durch Bestrahlung mit Mobilfunkwellen in einem bestimmten Rhytmus Schäden erfahren können. Kommt dieser Rhytmus bei aktuellen Geräten vor? Um welche Strahlung handelt es sich genau (900Mhz, 1800Mhz oder UMTS??) und das allerwichtigste: mit welcher Intensität. Ich glaube nach wie vor nicht, dass dort mit den normal-üblichen Feldstärken eines Handys bestrahlt wurde, sondern mit deutlich höherer Intensität. In diesem Fall ist die Studie meiner Meinung nach relativ wertlos.
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[1] omo antwortet auf Nik3
08.08.2003 13:19
Ich glaube nach wie vor nicht, dass dort mit den normal-üblichen Feldstärken eines Handys bestrahlt wurde, sondern mit deutlich höherer Intensität.

Richtig, das wäre ein zentral wichtiger Punkt gewesen. Bislang macht das ganze für mich den Eindruck von Aussagen wie "Sonnenstrahlen sind gefährlich und verursachen Hautkrebs". Tun sie natürlich nur dann, wenn man sich ohne Sonnenschutz, regelmäßig, Solarium, zu lange etc.

Mir will einfach nicht in den Sinn kommen, warum das alles so schwer festzustellen ist. Ich möchte gerne eine Empfehlung haben (und letztlich wird es irgendwann in ein paar Jahren darauf hinauslaufen): Mehr als 2 Stunden täglich sollte man nicht mit dem Handy telefonieren. Oder: Mit aktuellen Handys zu telefonieren ist ungefährlich. Anders formuliert: Wenn man mir sagt, dass mein Gehirn kocht, wenn man mich lange genug mit 5000 W gepulster oder nicht gepulster Strahlung beschießt, mag mir einleuchten. Die Frage ist: Kocht es auch, wenn ich so und so lange mit max. 2 W bestrahle?

Ich bin jemand ohne Ahnung; in besagtem Beitrag sehe ich aber (fast) auch nur Menschen ohne Ahnung, aber ich sehe ganz viel Esoterik. Jedem seine Esoterik, ich würde mir aber gerne selbst ein Bild machen. Und warum ausgerechnet eine Studie, zu der ja selbst die Autoren noch (zu recht) Vorbehalte haben, gerade jetzt mal wieder aufgekocht wird, ist natürlich ein wenig rätselhaft.
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[1.1] m_maier antwortet auf omo
08.08.2003 13:37
Benutzer omo schrieb:
Wenn man mir sagt, dass mein Gehirn kocht, wenn man mich lange genug mit 5000 W gepulster oder nicht gepulster Strahlung beschießt, mag mir einleuchten. Die Frage ist: Kocht es auch, wenn ich so und so lange mit max. 2 W bestrahle?

Nun, das waere so, als wolltest du einen Topf Wasser mit ein paar Litern Inhalt mit einer Waermequelle von 2 Watt erhitzen. Eigentlich ist es sogar nur 1/4 Watt, da das Handy ja gepulst arbeitet und die 2 Watt nur die Spitzenleistung sind. Das Wasser wuerde nicht mal lauwarm, da das bisschen Waerme, die in das Wasser hineingeht, sofort wieder an die Umgebung abgegeben wird. Bei Lebewesen kommt noch ein zusaetlicher Kuehlungseffekt durch das zirkulierende Blut hinzu.
Aber diese Betrachtung gilt nur fuer *thermische* Wirkungen von elektromagnetischen Feldern.
(Andere Wirkungen sind aus Sicht der "konvervativen Wissenschaft" bisher nicht bekannt.)

Bei ionisierender Strahlung wie Roentgenstrahlung oder Radioaktivitaet gilt die Rechnung 1 Stunde mit dem zehnfachen der Leistung = 10 Stunden mit dem einfachen der Leistung schon eher. Da wird aber nichts erhitzt, sondern da werden Molekuelstrukturen "zerschossen".
(Zu einer Erhitzung kommt es auch, aber nur wenn die Strahlung sehr stark ist und dann ist es auch vollends egal.)

Zwischen sichtbarem Licht und UV-Strahlung ist die Grenze zwischen nicht-ionisierender und ionisierender Strahlung. Die konservative Wissenschaft sagt: Bei nicht-ionisierender Strahlung gibt es nur eine thermische Wirkung, d.h. Gewebe kann sich durch die Strahlung (ggf. zu sehr) erwaermen.

UV-Strahlung, Roentgenstrahlung, Radioaktivitaet und kosmische Strahlung sind ionisierend und daher gefaehrlich, auch bei kleinen Intensitaeten. Funkwellen, Waermestrahlung und sichtbares Licht sind hingegen ungefaehrlich, wenn das Gewebe dadurch nicht allzu stark erhitzt wird. Dies ist durch die geltenden Grenzwerte mehr als sichergestellt.

Marcus
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[1.2] leider gibts bei diesem Thema nichts zu klären
webmaster antwortet auf omo
09.08.2003 02:31
...denn es wird ähnlich wie beim Rauchen sein...für die einen ists extrem schädlich und sie sterben mit 40 und andere leben bis sie 90 sind.
SELBSTVERSTÄNDLICH snd elektromagnetische Strahlen schädlich, aber man sollte bedenken, dass es nicht nur die Mobilfunkstrahlen sind, aondern viel mehr noch die Strahlen der ganzen DECT-Telefone, also der "harmlosen" Schnurlos-Telefone...dies wird viel zu sehr missachtet.
Hier ist die Gefahr noch viel größer, da diese Geräte die !ganze! Zeit (auch i.d.Ladestation) Strahlen senden...und das im Umkreis von ca. 10m in extremer Weise, so muss man sich sogar vor den Nachbarn schützen.

Achja, bevor der Eindruck entsteht ich sei ein "Öko-Typ". Nein, auch ich habe seit über 3 Jahren ein handy und benutze es täglich...nur habe ichs nicht den ganzen Tag in der Hosentasche....
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[1.2.1] rumgucker antwortet auf webmaster
10.08.2003 03:56
"Selbstverständlich" (dieses Wort wirkt auch in korrekter Schreibtweise mit Kleinbuchstaben) ist die Sache eben nicht. Im Gegenteil, die Wirkung elektromagnetischer Strahlung ist sehr schwer verständlich, das zeigt ja die Diskussion. Gefährlich sind sie - das wird nach längerem Studium der Materie klar - für den Menschen nicht. Davon bin ich fest überzeugt, aber ein Mobiltelefon habe ich trotzdem nicht. Es geht mir da wie fast allen Menschen: Ich brauch's einfach nicht. Ein DECT-Telefon hab' ich aber schon, das ist extrem praktisch, und ebenso ungefährlich!
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[1.2.1.1] beccon antwortet auf rumgucker
08.08.2005 14:40
>Davon bin ich fest überzeugt, aber ein Mobiltelefon habe ich >trotzdem nicht. Es geht mir da wie fast allen Menschen: Ich >brauch's einfach nicht.
Das laß sie mal bitte selber entscheiden. Ich brauche das Handy und für mich ist es ein großer Gewinn an Freiheit, den ich ungern missen würde.

Immerhin: Jeder 4. Mensch auf der Erde hat mittlerweile ein Handy - Tendenz steigend.

Conrad
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[2] teleatlas antwortet auf Nik3
08.08.2003 18:22
Was mich gestört hat war, dass die Dame vom Selbsthilfeverein für Elektrosensible e.V. Ihren Nachbarn empfohlen hat, statt eines DECT-Telefons ein CT1+-Telefon zu verwenden.
Wenn ich schon Angst vor elektromagnetischen Strahlen habe und alle Hebel in Bewegung setze, um Mobilfunkmasten zu verhindern, verzichte ich doch auf jedes Funktelefon (und generell -gerät) und telefoniere nur mit Schnur.
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[2.1] tcsmoers antwortet auf teleatlas
08.08.2003 18:29
Benutzer teleatlas schrieb:
Was mich gestört hat war, dass die Dame vom Selbsthilfeverein für Elektrosensible e.V. Ihren Nachbarn empfohlen hat, statt eines DECT-Telefons ein CT1+-Telefon zu verwenden. Wenn ich schon Angst vor elektromagnetischen Strahlen habe und alle Hebel in Bewegung setze, um Mobilfunkmasten zu verhindern, verzichte ich doch auf jedes Funktelefon (und generell -gerät) und telefoniere nur mit Schnur.

Hast Du nicht die Beule an der Stirn gesehen ? Über die Schnur ist sie gestolpert.

peso
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[2.2] koelli antwortet auf teleatlas
10.08.2003 18:40
Benutzer teleatlas schrieb:
Was mich gestört hat war, dass die Dame vom Selbsthilfeverein für Elektrosensible e.V. Ihren Nachbarn empfohlen hat, statt eines DECT-Telefons ein CT1+-Telefon zu verwenden. Wenn ich schon Angst vor elektromagnetischen Strahlen habe und alle Hebel in Bewegung setze, um Mobilfunkmasten zu verhindern, verzichte ich doch auf jedes Funktelefon (und generell -gerät) und telefoniere nur mit Schnur.

Sie selber telefoniert wohl auch nur noch mit Schnur. Aber die Nachbarin will halt ein Schnurloses. Dann ist CT1+ allemal strahlungsärmer als DECT.
Optischer Beweis: Eine DECT-Basisstation stört den Fernsehempfang, wenn sie direkt daneben steht. Eine CT1+ Station nicht.
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[2.2.1] c-o-m antwortet auf koelli
12.08.2003 14:21
Benutzer koelli schrieb:
Optischer Beweis: Eine DECT-Basisstation stört den Fernsehempfang, wenn sie direkt daneben steht. Eine CT1+ Station nicht.

So so. Und ein ein UKW-Sender auf 100 MHz strahlt auch stärker als der mit 98 MHz, weil mein Radio, das zufällig auf 100 MHz eingestellt ist, dann mehr empfängt?!
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[2.2.1.1] m_maier antwortet auf c-o-m
12.08.2003 14:56
Benutzer koelli schrieb:
Optischer Beweis: Eine DECT-Basisstation stört den Fernsehempfang, wenn sie direkt daneben steht. Eine CT1+ Station nicht.

Benutzer c-o-m schrieb:
So so. Und ein ein UKW-Sender auf 100 MHz strahlt auch stärker als der mit 98 MHz, weil mein Radio, das zufällig auf 100 MHz eingestellt ist, dann mehr empfängt?!

CT1+ ist frequenzmoduliert, DECT durch die Pulsung quasi amplitudenmoduliert (mit der AM ist nicht die Nutzinformation innerhalb der Impulse gemeint). Eine Amplitudenmodulation erzeugt aus Sicht der elektromagnetischen Vertraeglichkeit wesentlich mehr Stoerungen.

Es *koennte* also durchaus sein, dass biologische Systeme auf amplitudenmodulierte Felder empfindlicher reagieren als auf konstante Traeger oder frequenzmodulierte Signale. Aber: Seit Jahrzehnten stehen AM-Sender (Lang-, Mittel-, Kurzwelle; terrestrisches (Analog-)Fernsehen) am Rand von Wohngebieten, ohne dass es (offenbar) zu Wirkungen gekommen ist.

Es waere denkbar, dass AM-Signale an irgendwelchen "Nichtlinearitaeten" im menschlichen Koerper demoduliert werden und dann der Niederfrequenzanteil (also beim DECT der 100 Hz- und bei GSM der 217 Hz-Brummton) irgendwelche Wirkungen hat. Aber: Solange (gepulste!) Reizstroeme in der Medizin zur Muskelstimulation, die viele Groessenordnungen staerker sind als diejenigen, die durch Funkwellen verursacht werden, keine bekannten Nebenwirkungen haben, ist auch hier (meiner Meinung nach) nichts zu befuerchten.

Fazit: Gepulste Funkwellen sind letztlich nichts neues. Eine staerkere Stoerung anderer elektronischer Geraete durch gepulste Wellen ist bekannt und erklaerbar, laesst sich aber nicht einfach auf eine staerkere "Belastung" von Lebewesen uebertragen.

Marcus
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[2.2.1.2] teleatlas antwortet auf c-o-m
12.08.2003 15:42
Benutzer c-o-m schrieb:
Benutzer koelli schrieb:
Optischer Beweis: Eine DECT-Basisstation stört den Fernsehempfang, wenn sie direkt daneben steht. Eine CT1+ Station nicht.

So so. Und ein ein UKW-Sender auf 100 MHz strahlt auch stärker als der mit 98 MHz, weil mein Radio, das zufällig auf 100 MHz eingestellt ist, dann mehr empfängt?!

Nein. Dein Radio empfängt 100 MHz, weil es auf 100 MHz eingestellt ist.
Genauso kann es sein, dass ein Fernseher auf DECT (1880-1900 MHz) reagiert, weil er in diesem Frequenzbereich empfindlich ist, im CT1+-Bereich (885 - 887 MHz und 930 - 932 MHz) ist er weniger empfindlich und wird deshalb nicht gestört.
Ich hatte da Probleme mit einem DECT und einem SAT-Empfänger.
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[2.2.1.3] VariusC antwortet auf c-o-m
13.08.2003 01:53
Benutzer c-o-m schrieb:
Benutzer koelli schrieb:
Optischer Beweis: Eine DECT-Basisstation stört den Fernsehempfang, wenn sie direkt daneben steht. Eine CT1+ Station nicht.

So so. Und ein ein UKW-Sender auf 100 MHz strahlt auch stärker als der mit 98 MHz, weil mein Radio, das zufällig auf 100 MHz eingestellt ist, dann mehr empfängt?!

Kommt drauf an. Wenn Du dazu noch den 100 Hz Fernseher anschaltest, kannst Du das durchaus miteinander verrechnen ;-)


Just jokin´
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[3] volkeru antwortet auf Nik3
08.08.2005 04:03
Benutzer Nik3 schrieb:
Es wurde also herausgefunden, dass gewisse Zellen durch Bestrahlung mit Mobilfunkwellen in einem bestimmten Rhytmus Schäden erfahren können. Kommt dieser Rhytmus bei aktuellen Geräten vor? Um welche Strahlung handelt es sich genau (900Mhz, 1800Mhz oder UMTS??) und das allerwichtigste: mit welcher Intensität. Ich glaube nach wie vor nicht, dass dort mit den normal-üblichen Feldstärken eines Handys bestrahlt wurde, sondern mit deutlich höherer Intensität. In diesem Fall ist die Studie meiner Meinung nach relativ wertlos.

Exaktement! Das ist es, was ich auch dazu sagen würde. Wenn nämlich tatsächlich mit zu hoher Leistung bestrahlt wurde, kommt es zu thermischen Effekten und die Energie dieser thermischen Effekte reicht dann auch aus, um chemische Reaktionen hervorzurufen. Was wurde getan, um den Blutkreislauf zu simulieren, der einer zu starken Erhitzung von lebendem Gewebe entgegenwirkt? Denn in vitro wird Bestrahlung zu stärkeren, thermischen Effekten führen, als am lebenden Objekt!

Am Ende hat diese Studie dann wohl nur bewiesen, was jeder weiß: Mit der Mikrowelle kann man Schweinebraten gar kochen ;-).

Gruß, Volker