Quo vadis

Das Festnetz ist tot - es lebe das Festnetz: Warum es ohne nicht geht

Totgesagte leben länger: Während Verbraucher zunehmend auf "das Festnetz" verzichten, nutzen sie es in Wahrheit doch immer intensiver - ohne es zu merken.
AAA
Teilen (59)

Immer wieder ist es im privaten Umfeld zu hören: "Festnetz? Brauch ich nicht mehr. Ich mach alles übers Handy." Doch ist das wirklich so? Denn viele Internetdienste machen über einen Mobilfunkanschluss nur bedingt Spaß: Streaming scheitert an der Datendrossel und hohe und stabile Bandbreiten sind nicht immer gewährleistet. Gerade, wer Streaming-Angebote nutzt, kommt also kaum an einer Festnetzleitung vorbei. Und auch wer Mobilfunkanbieter bevorzugt nutzt: Ohne Festnetz würde auch hier nichts laufen. Ist das Festnetz also wirklich so tot, wie manche behaupten? Oder steht es mit dem zunehmendem Ausbau von Glasfaserleitungen eher vor einer Renaissance? Quo vadis, Festnetz?

Telefonminuten im Festnetz nehmen ab - aber auch im Mobilfunk

Was wird aus dem klassischen Festnetz?Was wird aus dem klassischen Festnetz? Eins ist klar: Telefonieren im Festnetz ist ein Dienst, der für viele überflüssig geworden ist. Vor allem bei jenen Handykunden, die eine Flatrate für Gespräche gebucht haben, ist der Griff zum Handy in der Regel schneller als die Suche nach dem Festnetz-Funktelefon in der Sofaritze. Das zeigt sich auch an den Telefonminuten: Im Festnetz gingen sie nach Schätzungen des VATM und Dialog Consult vom Herbst vergangenen Jahres von 405 Millionen Minuten pro Tag im Jahr 2015 auf nur noch 388 Millionen Minuten im Jahr 2016 zurück.

Aber auch im Mobilfunk gab es Verluste: Statt 311 Millionen wurden nur noch 302 Millionen Minuten pro Tag telefoniert. Großer Gewinner sind die OTT-Anbieter, also Skype, Facetime und WhatsApp Call, die von 231 auf 250 Millionen Minuten pro Tag zulegten. Diese "Telefon"-Gespräche setzen aber allesamt Datenverbindungen voraus - entweder per WLAN oder per Mobilfunk.

Das WLAN zu Hause braucht das Festnetz

Hinter nahezu jedem WLAN-Netz steht aber in klassischen Haushalten ein echter festnetzbasierter Internetanschluss. Gerade bei Nutzern, die sich nicht regelmäßig mit der dahinter stehenden Technik beschäftigen, wird das gerne vergessen. Sicher gibt es Ausnahmen wie Richtfunklösungen in ländlichen Regionen oder reine Mobilfunk-WLANs wie Call & Surf via Funk von der Telekom. Doch entgegen allen Unkenrufen, das Festnetz sei tot, nimmt die Anzahl der Breitbandanschlüsse in Deutschland weiter zu. Nach 30,7 Millionen Anschlüssen 2015 waren es 2016 schon 31,2 Millionen.

Auch wird im Festnetzmarkt nach Schätzungen von Dialog Consult mehr Umsatz generiert als im Mobilfunk. In einem im Jahresvergleich um 100 Millionen Euro Umsatz gestiegenen Markt von 60,5 Milliarden Euro Umsatz bekam das Festnetz im vergangenen Jahr einen großen Teil des Kuchens ab: 34,1 Milliarden Euro wurden hier umgesetzt. Im Mobilfunk waren es nur 26,4 Milliarden Euro, was sogar einem Rückgang von 100 Millionen Euro entsprach. Den größten Teil des Festnetzmarktes Teilen sich übrigens die Telekom (43,4 Prozent) und die Wettbewerber (40,8 Prozent). Die Kabel-Wettbewerber konnten 15,8 Prozent des Umsatzes auf sich verbuchen.

Auch für die Nutzung der Mobilfunknetze ist das Festnetz unabdingbar. Warum letztlich jede Aktion mit dem Handy ein Festnetz voraussetzt und warum die Mobilfunknetze für die Glasfaser-Anbieter wichtig sind, lesen Sie auf der nächsten Seite.

1 2 vorletzte
Teilen (59)

Mehr zum Thema Vollanschluss