FERNSEHEN

DVB-T2: Der neue Standard für TV per Antenne

DVB-T2 bezeichnet die aktuellste Version des klassischen Antennen-Fernsehens. Mit der Weiterentwicklung des Übertragungs­standards wird das Fernsehprogramm seit 2017 auch terrestrisch in HD-Qualität gesendet. Für Ver­brau­cher aller­dings geht die Umstel­lung mit zusätz­lichen Kosten einher.
Kommentare (1017)
AAA
Teilen (94)

Das "Digital Video Broadcasting-Terrestrial" der zweiten Generation löst bis 2019 das zuvor verwendete DVB-T ab. Hierbei hat sich am Grundkonzept seit Einführung des terrestrischen Fernsehens nichts geändert. Über speziell dafür reservierte Funk-Frequenzbänder wird das TV-Signal von stationären Sende-Anlagen ausgestrahlt, über dafür ausgerichtete Antennen aufgefangen und an die Empfangsgeräte übertragen. Wie auch bei Kabel- oder Satelliten-Fernsehen wird das TV-Programm bei DVB-T2 als Multicast ausgestrahlt. Im Gegensatz bei­spiels­weise zu Video-on-Demand-Angeboten wird bei einer Multicast-Übertragung ein und dasselbe Signal für alle Empfänger gleichermaßen von der Sende-Anlage ausgestrahlt. Jedoch ist die von DVB-T2 verwendete Technologie nicht mit dem Vorgänger kompatibel, weswegen sowohl die Sende-Anlagen als auch die Empfangsgeräte angepasst werden mussten. Alle Details zur Umstellung von DVB-T auf DVB-T2 finden sich auch in einem eigenen Artikel zusammengefasst.

Anschaffungskosten und monatliche Gebühren

DVB-T2: Der neue Standard für AntennenfernsehenDVB-T2: Der neue Standard für Antennenfernsehen

Um das digital codierte DVB-T2-Signal in Bild und Ton zu übertragen, ist ein DVB-T2-Receiver (Tuner) notwendig, der den Videocodierungs­standard HEVC (H.265) unterstützt. Neuere TV-Geräte, die mit einem entsprechenden Logo versehen sind, besitzen einen integrierten DVB-T2-Tuner und sind somit auch ohne zusätzlichen Receiver in der Lage, das terrestrische Fernsehen zu empfangen. Da die DVB-T-Technologie nicht aufwärtskompatibel ist, sind ältere DVB-T fähige Empfangsgeräte nicht in der Lage, das Signal umzuwandeln. Hier muss ein externer DVB-T2-Receiver angeschafft werden, falls nicht gleich das gesamte Empfangsgerät ausgetauscht werden soll. Auch ausländische DVB-T2 Empfangsgeräte unterstützen nicht unbedingt die in Deutschland verwendete HEVC-Codierung. Eine Lösung, die Smartphones den Empfang von DVB-T2 ermöglichen würde, ist nach wie vor nicht geplant, da Telekommu­ni­kations­anbieter über angebotene Apps und Dienste vorrangig den Verkauf von Highspeed-Volumen ankurbeln - kostenloses HD-Fernsehen steht da nicht im Fokus des Interesses.

DVB-T2: Beim Kauf von Fernsehern und Receivern auf dieses Logo achten!DVB-T2: Beim Kauf von Fernsehern und Receivern auf dieses Logo achten! Grundsätzlich ist der Empfang von DVB-T2 neben der Anschaffung mit keinen weiteren Kosten verbunden. So können nach dem Anschluss die öffentlich-rechtlichen Programme umgehend empfangen werden. Im Gegensatz zum Vorgänger stellen die privaten Sender unter DVB-T2 Ihr Programm jedoch ausschließlich verschlüsselt als Pay-TV zur Verfügung. Der Empfang muss daher gegen eine monatliche Gebühr freigeschaltet werden, die über eine gesonderte Chipkarte im DVB-T2-Receiver erfolgt.

Full HD und mobiler Empfang

Das Sendeangebot umfasst ca. 40 bis 45 Programme, einige sind bundesweit, andere regional spezifisch zu empfangen. Zahlreiche Sendergruppen gingen mit der Einführung von DVB-T2 dazu über, ihr Angebot in HD-Qualität auszustrahlen. So senden auch ARD und ZDF ihre Programme (überwiegend) in Full HD mit der Auflösung von 1080p und darüber hinaus rund um die Uhr. Mit dem Standard HbbTV können Hybrid-Fernsehgeräte über das Internet auch für DVB-T2 ergänzende Inhalte abrufen. Verantwortlich für die Programmbelegung ist neben den Sendeanstalten der ARD und ZDF (mit eigenen Kanälen und Plattformen) der Netz- und Plattform-Betreiber Media Broadcast - unter Berücksichtigung von Vorgaben der Landes­medien­anstalten.

Da DVB-T2 im Vergleich zu den Alternativen wie TV-Kabel oder Satelliten-Fernsehen mit einer relativ einfachen Installation verbunden ist, liegt der Vorteil des terrestrischen TVs weiterhin in seinen mobilen Einsatzmöglichkeiten. Per USB-Empfänger wird so der Laptop oder das Tablet auch ohne Internetempfang zum tragbaren Fernseher und selbst bei Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h ist eine konstante Signalübertragung prinzipiell möglich. Allerdings sind hierfür spezielle Antennen notwendig, da es sonst zu häufigen Bildausfällen kommen kann. Dank des Multicast-Übertragungsprinzips ist es möglich, auch unterwegs das Fernseh-Programm zu empfangen, ohne wie beim Internet-TV auf ein beschränktes Datenvolumen zurückgreifen zu müssen. Außerdem ist der Verbraucher so nicht von der Netzabdeckung des Mobilfunkanbieters abhängig, sondern von der Signalqualität der eigens dafür vorgesehenen DVB-T2-Sende-Anlage.

Effiziente Codierung führt zur Frequenzumverteilung

Bereits 2009 wurde vom Europäischen Institut für Telekommunikations­normen (ETSI) DVB-T2 als Nachfolger für DVB-T bestimmt. Die relativ späte Umsetzung der europäischen Vorgabe in Deutschland ermöglicht den Sprung auf das Datenreduktionsverfahren H.265, ohne im Zwischenschritt auf die Version H.264 zurückzugreifen. Dieser Sprung erklärt auch, warum das Deutsche DVB-T2 nicht kompatibel ist mit Ländern, in denen die Technologie bereits früher eingeführt wurde. So lassen sich auf dem gleichen Frequenzspektrum von DVB-T mit DVB-T2 die bis zu achtfache Anzahl an Informationen versenden. Einerseits wird dieser Effizienzgewinn in der Verbesserung der Bildqualität umgesetzt. Es ist daher prinzipiell möglich, dass neben HD-Inhalten in Zukunft auch Ultra-HD-Programme über DVB-T2 ausgestrahlt werden.

Auf der anderen Seite wurde bereits im Jahre 2012 auf der Weltfunkkonferenz beschlossen, dass abermals Frequenzen von der Fernseh-Übertragung zum Einsatz für mobile Internet-Anwendungen umverteilt werden sollten. Durch Vorgaben des Bundes wurde im Juni 2015 schließlich das Frequenz-Spektrum für Rundfunk und Fernsehen - und damit auch für DVB-T2 - zugunsten des Mobilfunks weiter eingeschränkt (Digitale Dividende II). Somit ist mittlerweile die Umverteilung des 700-MHz-Bands vom Multicast des DVB-T zum Unicast durch LTE geplant. Für eine "weiche" Übergangs­phase mit einem zeitweisen Doppelbetrieb der Ausstrahlung in DVB-T und DVB-T2 waren daher nicht mehr genug freie Frequenzblöcke verfügbar.

Bedeutung des terrestrischen TVs in den kommenden Jahren

Die Stärken des digitalen, terrestrischen TVs liegen vor allem in der mobilen Einsatzmöglichkeit. Auch bleibt der Einsatz für Zweitgeräte im Haushalt weiterhin denkbar. Durch die Einführung des Pay-TV-Konzepts für Privatsender bei DVB-T2 bleibt jedoch fraglich, ob die Übertragungsart darüber hinaus eine weitreichende Verbreitung findet, oder ihm nur noch eine ergänzende Bedeutung zukommen wird. DVB-T2 wird mindestens über ein Jahrzehnt nach seiner Einführung als Standard des terrestrischen Fernsehens bestehen bleiben. Durch die langwierige Umstellung der Technologie wird es einige Zeit brauchen bis aussagekräftige Prognosen über dessen Relevanz getroffen werden können.

DVB-T2 wird teuer: Privat­sender kosten bald 69 Euro pro Jahr

Die Privatsender werden im DVB-T2-Standard unter der Marke freenet TV angeboten. Leider ist der Name in diesem Fall nicht Programm. Während die rund 20 Öffent­lich-Recht­lichen weiter­hin un­ver­schlüs­selt bleiben und somit im Rahmen des Rund­funk­bei­trags kosten­los sind, beträgt der Preis für den zusätz­lichen Empfang aller Privat­sender über DVB-T2 bei freenet TV 69 Euro jähr­lich. Das ent­spricht 5,75 Euro pro Monat.

Zuschauer, die per Antenne fern­sehen wollen, müssen also nicht nur die Kosten für ein neues Empfangs­gerät einberechnen, sondern auch zusätzliche Abo-Gebüh­ren. Es sei denn sie weichen auf eine der Alter­nativen Kabel, Satel­lit oder IPTV aus, wo auch der Empfang von Privat­sendern weiter­hin ohne zusätz­lichen Auf­preis möglich sein wird - dann aller­dings nicht in HD.

Teilen (94)