Fernsehen

DVB-T: Hintergründe zur Fernseh-Technologie

Durch DVB-T ergaben sich gegenüber dem früheren analogen Fernsehen sowohl für den mobilen als auch den stationären Empfang neue Einsatzmöglichkeiten. Mit DVB-T2 gibt es einen Nachfolge-Standard, der die bisherige Technik bis 2019 ablösen wird.
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DVB-T: Details zur TechnikDVB-T: Details zur Technik DVB-T ist neben Kabel und Satellit die dritte Möglichkeit, das TV-Programm als Multicast zu empfangen. Während sich beispielsweise beim Fernsehen übers Internet die Übertragung als Unicast individuell von Anschluss zu Anschluss unterscheidet, wird beim Multicast ein und dasselbe Signal von der Sende-Anlage ausgestrahlt und bei jedem Empfangsgerät gleichermaßen aufgefangen. Einige private Sender haben versucht, im Antennenfernsehen ein Pay-TV-Konzept zu etablieren. Während dies bei DVB-T gescheitert ist, wurde das Bezahlfernsehen im Nachfolge-Standard DVB-T2 durchgesetzt. In gesonderten Artikeln finden sich die wesentlichen Details der Umstellung, sowie alles Wissenswerte über DVB-T2 und zum Bezahlfernsehen freenet TV.

DVB-T: Die Technik

Per DVB-T werden, je nach Region, zwischen acht und über 30 Fernseh-Programme ausgestrahlt. Die Übertragungs­frequenzen von DVB-T entsprechen den vom analogen Rundfunk bekannten UHF- und VHF-Kanälen. Mit der digitalen Ausstrahlungs­technik lassen sich diese Kanäle effizient ausnutzen, da mehrere Sender pro Kanal übertragen werden können. Möglich wird dies durch das Modulations­verfahren COFDM, das die Bandbreite in mehrere tausend Einzelträger aufteilt. Jeder dieser Einzelträger wird dann per QPSK, 16-QAM oder 64-QAM moduliert. Dabei wird generell als Kompressions­standard MPEG-2 verwen­det. In einigen Regionen und für das Pay-TV-Konzept wurde zusätzlich das Format H.264/MPEG-4 eingesetzt. Neben einer besseren Bild- und Tonqualität wurde die Effizienzsteigerung genutzt, um Teile des Frequenzbandes als Digitale Dividende für die Mobilfunknetze freizugeben. Diese nutzten die zusätzlichen Frequenzen, um schnelles Breitband-Internet auszubauen. Somit fand quasi eine Umverteilung der Bandbreiten vom Multicast des DVB-T zum Unicast durch LTE statt. Im Jahr 2010 wurde die Umwidmung des 800-Mhz-Bandes durchgeführt und 2015 mit der geplanten Einführung von DVB-T2 die Verwendung des 700-MHz-Bands an die Mobilfunk-Anbieter verkauft.

Auf Seiten des Zuschauers ist in der Regel eine Zimmer- oder Dachantenne notwendig um das Funksignal aufzufangen sowie ein digitaler DVB-T-Receiver (Tuner), welcher die codierten Daten in Bild und Ton überträgt. Nahezu alle neu verkauften Fernseher besitzen heute einen integrierten DVB-T-Tuner. Mit dem ebenfalls weit verbreiteten HbbTV-Standard in neueren Fernsehgeräten lässt sich das digital-terrestrische TV-Signal durch ein vielfältiges und stetig erweiterbares Online-Angebot, wie Mediatheken, Apps, Programm-Guides, Livestreams etc. erweitern.

DVB-T2: Die aktuelle Technik

Per DVB-T2 werden, je nach Region, 40 bis 45 Programme empfangen. Wie beim Vor­gänger wird das Modulations­verfahren COFDM genutzt. Die Einzel­träger können nun aller­dings mit 256-Quam moduliert werden. Auch beim Kompressions­standard gibt es Änderungen: Mittler­weile wird das Daten­reduktions­verfahren H. 265 genutzt. Da die meisten anderen Länder früher auf DVB-T2 umge­stiegen sind als Deutschland, nutzen sie ältere Standards. Daher können im Aus­land gekaufte Receiver, selbst wenn sie DVB-T2-fähig sind, in Deutschland nicht genutzt werden.

DVB-T2 kann im Vergleich zu seinem Vor­gänger auf dem gleichen Frequenz­spektrum die achtfache Menge an Informationen versenden. Dieser Vorteil wurde für zwei Neuerungen genutzt: Einer­seits zur Ver­besserung der Bild­qualität, sodass der Groß­teil der Sender ihr Programm in Full HD ausstrahlt. Anderer­seits wurden zahl­reiche Frequenzen im Zuge der Digitalen Dividende II an das Mobil­funk­netz ver­äußert. Dies ist auch der Haupt­grund, weshalb es in der Übergangs­phase der DVB-T-Abschaltung keinen Doppel­betrieb gibt: Es fehlen schlicht die Frequenz­blöcke dafür.

DVB-T2: Beim Kauf von Fernsehern und Receivern auf dieses Logo achten!DVB-T2: Beim Kauf von Fernsehern und Receivern auf dieses Logo achten! Wie auch für DVB-T werden für den Empfang von DVB-T2 Receiver und Antenne benötigt. Während es bei den Antennen keine Ein­schränk­ungen gibt, sodass jede DVB-T-fähige Antenne weiterhin genutzt werden kann, sind DVB-T-Receiver mit dem neuen Standard inkompatibel. Geeignete Geräte zeichnen sich durch ein grünes Logo aus. Für den Empfang privater Sender sollte der Receiver zusätzlich über ein integriertes Irdeto-Zugangs­kontroll­system verfügen. Ob dies der Fall ist, zeigt ein weiteres Logo: Diesmal das von freenet. Über ein eigens von freenet ver­triebenes CI-Plus-Modul kann jedoch nachger­gerüstet werden. Dieses setzt jedoch einen CI-Plus-Schacht am Receiver oder auf der Rück­seite des Fern­sehers voraus.

Mobiler TV-Empfang mit DVB-T

Die Einführung von DVB-T hat den TV-Empfang auch unterwegs möglich gemacht. Tragbare Mini-DVD-Player mit integriertem Bildschirm und DVB-T-Empfangsteil sind ebenso zu bekommen wie USB-Empfänger, die Laptop oder Tablet zum tragbaren Fernseher und Videorekorder machen. Einige Tablets bringen auch einen integrierten DVB-T-Empfänger mit - Handys mit DVB-T konnten sich dagegen auf dem Markt nicht etablieren. Eine konstante Signalübertragung ist prinzipiell auch bei höheren Geschwindigkeiten möglich und sorgt so für eine mobile Nutzung bei der Autofahrt. Allerdings sind hierfür spezielle Antennen notwendig, da es sonst zu häufigeren Bildausfällen kommen kann. Dies hat sich auch bei DVB-T2 nicht geändert.

Pay-TV-Vorhaben über DVB-T gescheitert

Heinrich-Hertz-Turm in HamburgNeue Sende-Anlagen für die Umstellung auf DVB-T. Dies wird auch für DVB-T2 erforderlich sein.

Zahlen und Fakten rund um die Digitalisierung
Durch die Einführung von DVB-T ist es möglich geworden, Programme verschlüsselt zu übertragen, was beim analogen Antennenfernsehen in der Form nicht möglich war. Verschlüsselte Pay-TV-Programme gab es daher zuvor nur via TV-Kabel oder Satellit. Einige Privatsender wollten die Einführung von DVB-T nutzen, um Pay-TV via DVB-T zu verbreiten. In den Regionen Stuttgart und Halle/Leipzig übertrug der Anbieter Viseo+ daher Programme der RTL-Gruppe (RTL, Vox, Super RTL und RTL II) grundverschlüsselt, so dass für deren Empfang ein besonderer Receiver notwendig war. Mit einem kostenpflichtigen Abonnement wurden weitere Programme verfügbar. Dieses Vertriebs­modell konnte allerdings nur wenige Kunden an sich binden, insbesondere da die öffentlich-rechtlichen Programme weiterhin mit herkömmlichen DVB-T-Geräten empfang­bar waren. Nach einer fünfjährigen Laufzeit wurde dieser Verbreitungs­weg daher Ende 2014 eingestellt. Allerdings wurde mit der Umstellung auf DVB-T2 das Pay-TV-Konzept der Privatsender abermals eingeführt.

Unter den Multicast TV-Technologien spielt DVB-T eher eine untergeordnete, ergänzende Rolle. Vor allem durch den kostenlosen Empfang, wie auch durch die mobile Nutzung abseits des TV via Internet, findet DVB-T seine Daseinsberechtigung. Noch ist nicht abzusehen, ob die Verbesserung der Bildqualität bei DVB-T2 genug Anreize für die Verbraucher bieten wird, um für unbegrenztes Full-HD-Fernsehen auch den entsprechenden Preis zu zahlen.

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