Fernseh-Nutzung

Videostreaming schlägt Videotheken - aber viele streamen illegal

Für gutes Fernsehen sind immer mehr Deutsche bereit, Geld auszugeben - aber möglichst nicht mehr als 10 Euro monatlich. Für einen Boom beim Bezahlfernsehen sorgen vor allem Streaming-Dienste im Internet.
Von Marie-Anne Winter
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Die Deutschen sind zunehmend bereit, freiwillig für gutes Fernsehen zu zahlen, meldet heute das Handelsblatt - trotz des ungeliebten Rundfunkbeitrags. Das zeige die neueste Prognose des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), die dem Handelsblatt vorliegt. "Die Leute sind immer öfter bereit, für professionelle Inhalte zu bezahlen", sagt Frank Giersberg, Leiter Marktentwicklung im VPRT. "Die Umsätze werden in den nächsten Jahren weiter steigen."

Erwartet wird ein Anstieg der Pay-TV-Erlöse um zwölf Prozent in diesem Jahr. Für Video-on-Demand geben die Zuschauer sogar 18 Prozent mehr aus. Insgesamt klettern die Einnahmen des Bezahlfernsehens in diesem Jahr auf 2,3 Milliarden Euro.

Online-Videotheken werden immer beliebter.Online-Videotheken werden immer beliebter. Den klassischen Fernsehstationen wie RTL oder ProSiebenSat1 schade das bislang aber nicht. Ihre Haupteinnahmequelle sprudelt weiterhin: Die Umsätze aus der TV-Werbung werden dem VPRT zufolge im laufenden Jahr um fast drei Prozent auf 4,2 Milliarden Euro steigen. Das entspricht einem Plus von 110 Millionen Euro. Schon 2013 sind die Werbeerlöse um gut zwei Prozent geklettert. "Im Vergleich mit vielen anderen europäischen Ländern stehen wir sehr gut da", meint Tobias Schmid, Vorstandsvorsitzender des VPRT.

Einen ähnlichen Trend bestätigt auch eine aktuelle Umfrage des Gutschein- und Rabatt-Portals deals.com [Link entfernt] . Danach sind vor allem kostenfreies Videostreaming und bezahlte Online-Videotheken unter den deals.com-Nutzern bereits beliebter als eigene Blu-rays, DVDs aus der Videothek oder klassisches Pay-TV. Allerdings machen die neuen Online-Dienste dem klassischen TV Konkurrenz: Jeder fünfte Umfrageteilnehmer ist davon überzeugt, dass VoD-Angebote in zehn Jahren das lineare Fernsehen ersetzt haben werden.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Mit Netflix ist aktuell ein weiterer Videostreaming-Anbieter auf dem deutschen Markt zu Konkurrenten wie Watchever, Amazon Instant Video und maxdome hinzugekommen. Das wachsende Inhalte-Angebot und zeitliche Flexibilität überzeugen zunehmend die Kunden.

Bis zu zehn Euro wollen die VoD-Nutzer monatlich für einen Streaming-Dienst auszugeben - sofern er alle ihre Ansprüche erfüllt. Allerdings finden drei von zehn Konsumenten die aktuellen Angebote noch zu teuer. Die Konsequenz: Mehr als jeder dritte Film- und Serienfan (37 Prozent) nutzt regelmäßig kostenlose, häufig illegale Videostreams und -Downloads.

Top 10: Welche Angebote nutzen Deutsche regelmäßig, um Filme oder Serien zu schauen?

  1. Fernsehen (per Kabel, Satellit, DVB-T etc.) - 86 Prozent
  2. Eigene DVD - 66 Prozent
  3. Unbezahlter Online-Videostream/-Download - 37 Prozent
  4. Video-on-Demand- oder Streaming-Dienste (kostenpflichtig, Online oder per TV-App, z. B. Watchever, maxdome, Netflix) - 28 Prozent
  5. Eigene Blu-ray - 28 Prozent
  6. DVD aus der Videothek - 28 Prozent
  7. Pay-TV (z. B. Sky)- 24 Prozent
  8. Eigene Videokassette (VHS) - 16 Prozent
  9. Blu-ray aus der Videothek - 15 Prozent
  10. Videokassette (VHS) aus der Videothek - 5 Prozent

Die Vorteile von Streaming-Diensten liegen auf der Hand: Eine große Film- und Serienauswahl - und das bequemm von der Couch aus. VoD vereint das Beste von TV und Videothek: Jeder Dritte (31 Prozent) sieht in der Flexibilität der Programmwahl den entscheidenden Vorteil von Videostreaming gegenüber dem linearen Fernsehen. Jeden Vierten überzeugt zudem der Komfort, das Haus im Unterschied zu Kino- oder Videothekbesuch nicht verlassen zu müssen.

Bei der Wahl eines Anbieters ist für VoD-Fans insbesondere eine große Auswahl an Filmen (83 Prozent) und Serien (63 Prozent) sowie eine hohe Bild- und Tonqualität (76 Prozent) ausschlaggebend. Die Verfügbarkeit der eigenen Lieblingsserien (59 Prozent) ist Streaming-Dienst-Nutzern wichtiger als Erstausstrahlungen (51 Prozent) oder die Option, die Sendungen mobil anzuschauen (41 Prozent). Die Möglichkeit, die Originalstimmen der Lieblingscharaktere genießen zu können, ist für mehr als die Hälfte der Nutzer ein entscheidendes Kriterium (52 Prozent).

Serien-Erfolge beflügeln Streaming-Dienste

Als Bezahlmodell ist die Flatrate mit monatlicher Grundgebühr und Kündigungsfrist am beliebtesten (52 Prozent) - Pay-per-View und Jahresabos liegen mit 23 respektive 13 Prozent deutlich dahinter.

Interessant ist auch, was nach Ansicht der Streaming-Nutzer für den Boom der VoD-Angebote verantwortlich ist: Mehr als jeder dritte Streaming-Nutzer (38 Prozent) führt den rasanten Aufstieg von VoD auf den Erfolg von TV-Serien wie Breaking Bad, Mad Men oder Game of Thrones zurück, die immer beliebter werden, aber in Deutschland im klassischen Fernsehen oft erst Jahre nach Erstausstrahlung gezeigt werden. Jeder Vierte (28 Prozent) wünscht sich außerdem, dass Streaming-Dienste auch Live- und Sportereignisse übertragen - dann wäre wohl auch die letzte Bastion des klassischen Fernsehens gefallen.

Mehr zum Thema Video-on-Demand finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

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