Digitaler Geburtstag

Freenet TV: Von Null auf 2,5 Millionen Kunden in einem Jahr

Zur Erfolgsstory wurde der Umstieg auf DVB-T2, obwohl Konkurrenten vorher "gelacht" hatten.
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Das digitale Fernsehen über Antenne nach dem DVB-T2 Standard feiert seinen ersten Geburtstag. Die Sender werden von der Media Broadcast betrieben, die seit zwei Jahren zum Freenet Konzern gehört.

Wissen Zuschauer, was sie technisch sehen?

Die stolzen Gewinner eines Freenet TV Preisausschreibens
Die stolzen Gewinner eines Freenet TV Preisausschreibens
Bei einer Pressekonferenz zum einjährigen Geburtstag zeigte sich der Vorstands­vorsitzende Christoph Vilanek überrascht, wie „träge“ die für ihn anfangs neue Medienbranche sein könne. 47 Prozent der Haushalte schauen aktuell über Satellit, davon 15 Prozent in hochauflösender Bildqualität (HD). Die Zahlen waren schwierig zu ermitteln. Auf die Frage „Haben Sie schon HD?“ hätten viele Kunden ehrlich geantwortet: „Wir wissen es nicht.“

Aus Analog wird Digital – aus SD wird HD

Vilanek skizzierte die TV-Landschaft: „Aus analog wird digital“ und aus „SD wird HD“. Es gebe nach wie vor ein Potenzial für HD über Satellit. Er widersprach der Annahme, dass „lineares Fernsehen“ (man muss das schauen, was gerade kommt) bereits „tot“ sei. Die Kunden wollten mehr Gestaltungsfreiheit. Sie würden auf neuen Wegen Fernsehen konsumieren, etwa über eine Settop-Box, die via WiFi (WLAN) mit dem Internet verbunden sei. Mediatheken seien jetzt ohne extra Geräte nutzbar. Video on Demand (VoD) würde lineares Fernsehen ergänzen.

„Die Kunden wünschten sich heute ein Lean Back TV“, ein Fernsehen zum Zurücklehnen. YouTube TV mache auf die Dauer keinen Spaß. Eines sei weiter wichtig: „Der Kunde entscheidet, nicht der Sender!“

Anfangs haben Konkurrenten gelacht – künftig mehr Video on Demand

Beim Start von DVB-T2 durch Freenet hätten einige Mitbewerber eher „gelacht“, heute kann die Freenet AG immerhin 2,5 Millionen DVB-T2 Kunden vermelden. Vilanek sieht voraus, dass die Nutzung von Video on Demand zunimmt, das lineare Fernsehen aber bleibt. Langfristig könnten 5G, Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) sowie Video on Demand (VoD) die Nutzung stärker revolutionieren als das lineare TV.

Vorhandene Technik bestimmt, was möglich ist - Kunden sind träge

Die technisch vorhandene Infrastruktur (was technisch jetzt und heute möglich ist) gebe den Takt vor. Die Kundenwünsche würden immer spezieller, auch beim linearen TV. Es gäbe unterschiedliche Formate für individuelle Bedürfnisse und Geldbeutel (Kabel, SAT, IPTV, DVB-T2, Mobile TV). Vor der Tür stehe Ultra High Definition (UHD = höchstauflösendes Fernsehen) und später auch Adressable TV (direkt zum Nutzer adressierbare Programme).

Man sollte nicht zu euphorisch sein, denn die Kunden da draußen seien „träge“. Da rede niemand über AR, HD oder ähnliche Begriffe. Die Kunden bemerkten, „mein Bild ist schärfer“ oder „ich habe jetzt einen großen Fernseher“. Die Leser der Fachmedien würden eher die „Early Adopters“ (Leute, die alles Neue möglichst früh haben möchten) erreichen, die große Kundenmenge komme erst später.

PayTV langsam akzeptiert - DVB-T2 fürs Altersheim?

Geplanter Ausbau der DVB-T2 Senderversorgung für April 2018
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Immerhin seien die weit verbreiteten Vorbehalte gegenüber PayTV (Bezahlfernsehen) weitgehend gefallen, was man im Wesentlichen Netflix, Maxdome und Amazon Prime zu verdanken habe.

Der gehässig gedachte Satz, die „Antennen-Programme (aktuell via DVB-T2) seien doch nur fürs Altersheim“ enthalte viel Wahrheit. Diese Kunden nähmen an Bedeutung zu, denn die Bevölkerung werde älter. Und das Hauptabendprogramm beginnt weiter um 20.15 Uhr - SAT.1 hatte versucht, das auf 20 Uhr vorzuziehen und sei damit damals grandios gescheitert.

Weil es werbe- und marketingtechnisch nicht anders zu realisieren war, musste die Umstellung von DVB-T auf DVB-T2 „in einem Schlag“ erfolgen. Diese Umstellung habe ohne nennenswerte Probleme stattgefunden, es konnte ein Service-Level von 99,98 Prozent erreicht werden. Über 100.000 Kunden wurden in den 24 Stunden ohne Ausfälle in der Technik umgestellt.

Ob der Start geklappt hat und wie man die Gutscheine kaufen kann, lesen Sie auf Seite 2.

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