Heimkino

Ärgernis: Digitale TV-Aufnahme wird immer mehr erschwert

Vorspulsperre, Verschlüsselung und No-Copy-Flags nerven Anwender
Von mit Material von dpa

Das Programmieren und Aufnehmen ist meist recht simpel - zumindest solange man in der Standardauflösung aufzeichnet. "Bei den Programmen in HD sieht das allerdings teilweise anders aus", sagt Michael Gundall von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Vor allem im Pay-TV-Bereich werden häufig sogenannte No-Copy-Flags eingesetzt, die zwar eine Aufnahme auf der Festplatte zulassen. "Das Brennen auf DVD oder Blu-ray ist damit allerdings nicht möglich."

Satellitenbetreiber Astra überträgt die HD-Programme der Privatsender verschlüsselt (HD+). "Um die anschauen und aufzeichnen zu können, braucht man einen speziellen HD-Plus-Receiver und eine HD-Plus-Smartcard, für die man jährlich eine Prepaid-Gebühr von rund 50Euro bezahlen muss", erklärt Gundall.

Darüber hinaus gebe es Nutzungseinschränkungen beim Aufnehmen dieser Sender: "Bei Astra-Empfang über eine sogenannte CI-Plus-Schnittstelle und bei manchen Kabelanbietern sind HD-Aufzeichnungen von Privatsendern generell nicht möglich", sagt der Verbraucherschützer. "Zudem sind die Sender mit einer Vorspulsperre versehen, damit man die Werbung nicht überspringen kann." Das zeitversetzte Fernsehen (Time-Shift) sei davon aber nicht betroffen.

Bei Aufnahme über USB wird Speicher oft ungefragt formatiert

No-Copy-Flags, Probleme bei der USB-Aufnahme und proprietäre Formate nerven viele Anwender No-Copy-Flags, Probleme bei der USB-Aufnahme und proprietäre Formate nerven viele Anwender
Bild: Kabel Deutschland
Wer die PVR-Funktion über einen USB-Anschluss nutzt, muss außerdem manchmal die Erfahrung machen, dass sich HD-Sendungen gar nicht aufnehmen lassen, erklärt Gundall. Und selbst wenn es klappt, sei das Archivieren der aufgenommenen Sendungen - je nach Receiver - nur schwer möglich. "Was in die Box reingeht, darf zwar angeschaut werden, aber diese nicht mehr verlassen."

Doch warum sind die aufgenommenen Inhalte nicht frei verfügbar? "Meist ist es so, dass die Festplatte formatiert wird, sobald man sie erstmals an den Fernseher anschließt", sagt Andreas Nolde. "Wenn man sich ein Aufnahme-Archiv anlegen will, ist man dann unter Umständen an die jeweilige Hardware gebunden."

Proprietäre Dateiformate bei USB-Aufnahme oft nicht extern abspielbar

Erschwerend kommt hinzu, dass beim PVR meist nicht in gängigen Dateiformaten abgespeichert wird. "Die Dateien kann man entweder gar nicht am PC auslesen oder sie lassen sich für den erfahrenen Nutzer nur mit Hilfe bestimmter Tools und Programme über einen Media Player wiedergeben", erklärt Nolde. Bei vielen Geräten handele es sich um exotische Dateiformate. "Teilweise lässt sich sogar nur schwer herausfinden, welches Format verwendet wird." Das seien "Schutzmaßnahmen", mit denen die Rechteinhaber verhindern wollten, dass die Dateien zugänglich gemacht und vervielfältigt werden.

Wer keine direkte Aufnahmemöglichkeit hat, kann mit Online-Videorekordern wie save.tv, Bong.tv, shift.tv [Link entfernt] oder onlinetvrecorder.com digital aufnehmen. "Dieser Service ist meist Abo-basiert und kostet dann eine bestimmte monatliche Gebühr", sagt Nolde. HD-Qualität bekommt man dabei allerdings nicht überall. Die Sendungen werden dort in einer festen oder in unterschiedlichen Auflösungen aufgenommen und können anschließend heruntergeladen werden. Bei onlinetvrecorder.com gibt es auch einen kostenfreien werbefinanzierten Account, der regelmäßige Klicks auf Werbebanner erfordert. Zur Frage der Legalität dieser Dienste zur Aufnahme von Privatkopien hat das OLG Dresden in einem Prozess von RTL gegen save.tv entschieden, dass save.tv nicht Hersteller der Vervielfältigungen ist, sondern dass es sich um einen automatisierten und vom Kunden legal initiierten Prozess zur Aufzeichnung von Privatkopien handele.

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