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Fernsehen: SD-Abschaltung ab Mitte 2020 realistisch

2018 endet das Zeitalter des analogen TV mit der Abschaltung im Kabel. Doch Zuschauer müssen sich schon auf den nächsten Technologie-Wechsel einstellen. Schon in zwei Jahren könnten ARD und ZDF die Programme in SD abschalten.
Von der Anga Com in Köln berichtet
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Panel zur Zukunft der TV-Verbreitung auf der Anga ComPanel zur Zukunft der TV-Verbreitung auf der Anga Com 2018 endet das Zeitalter des analogen Fernsehens mit der Abschaltung im Kabel. Doch Zuschauer müssen sich schon auf den nächsten Technologie-Wechsel einstellen: Wolfgang Wagner, Direktor Produktion und Technik beim Westdeutschen Rundfunk (WDR), hält das von der KEF ins Spiel gebrachte Abschaltdatum für die Standardauflösung (SD) Mitte 2020 für realistisch, wie er auf dem Panel "Analog, SD und HD - Nach dem Switch-Off ist vor dem Switch-Off" auf der Fachmesse Anga Com in Köln sagte. Heute könne man SD noch nicht abschalten, da der Anteil der Zuschauer, die den WDR in Standardauflösung schauen, noch bei 30 Prozent liege. Bis 2020 könnten aber 90 Prozent erreicht sein, dann sei eine SD-Abschaltung realistisch. Allerdings müsse die Abschaltung nur konzentiert erfolgen und nicht in Alleingängen.

ProSiebenSat.1: Zu viele kostenlose öffentlich-rechtliche HD-Sender

Von solchen Zahlen können die Privatsender, die allerdings nur in kostenpflichtigen Bouquets in HD verbreitet werden, nur träumen. Aktuell sehen nur rund 20 Prozent der Zuschauer RTL, Sat.1 und Co. bereits in hochauflösender Qualität. Laut Dr. Michael Müller, Chief Distribution Officer Legal & Regulatory bei ProSiebenSat.1 liege es am zu großen frei empfangbaren HD-Angebot der Öffentlich-Rechtlichen, dass die Zahlungsbereitschaft für die hochauflösenden Versionen der Privatsender noch gering sei. "Wir werden SD dann abschalten, wenn der Markt und die Regulierung es erlaubt", so seine Prognose. Bis 2022 sei man kartellrechtlich ohnehin noch an die freie und kostenlose SD-Ausstrahlung gebunden.

Zudem habe man mit einem technischen Verständnisproblem zu kämpfen: Viele Zuschauer denken, dass sie mit Anschaffung eines modernen Fernsehgerätes bereits automatisch TV in HD schauten. Daher wolle man noch stärker als bisher mit Laufbändern in den SD-Sendern auf diesen Umstand hinweisen und für HD werben.

Am Rande des Panels wurde jedoch auch Kritik laut: Die Privaten würden außer einer besseren Bildqualität keinen Mehrwehrt bei HD bringen. Ganz im Gegenteil: Mit Restriktionen wie der fehlenden Möglichkeit Werbeblöcke bei Aufzeichnungen zu überspringen, würden Abonnenten gegängelt, sagten Kongressteilnehmer.

HD+: Konkurrenz belebt Geschäft

Frank Lilie, Sprecher von HD+, das aktuell bei rund 2,1 Millionen Abonnenten stagniert, freut sich, dass es mit Diveo (M7), der Telekom und freenet TV nun drei Konkurrenten im Satellitenbereich gebe, die ebenfalls die werbefinanzierten Privatsender in HD anbieten. Die neuen Wettbewerber sorgten dafür, dass in dieses Thema endlich Bewegung komme. Durch die stärkere Medienpräsenz könnte die Zahlungsbereitschaft der Kunden steigen.

In Zukunft will die Tochter des Satellitenbetreibers SES Astra vor allem mit Ultra HD-Angeboten punkten. Nach der RTL Group will auch ProSiebenSat.1 in Kürze Inhalte in UHD über HD+ starten.

Laut Holger Meinzer, Chief Commercial Officer B2B (CCO B2B) und Mitglied der Geschäftsleitung bei Media Broadcast, habe sich freenet TV binnen nur eines Jahres zur erfolgreichsten Marke für HD-Angebote der Privatsender entwickelt. Aus diesem Grund sei man nun mit freenet TV auch ins Satellitengeschäft eingestiegen. Killer Application seien die flexiblen Abos, die sowohl für die Verbreitungswege Satellit als auch Antenne (DVB-T2) genutzt werden können.

Gerhard Mack, Geschäftsführer Commercial Operations bei Vodafone, freut sich "endlich den Analogkram aus dem Netz" zu haben um so mehr Platz zu schaffen für lineare Kanäle in SD, HD und UHD sowie mehr Internet-Bandbreite: "Unser Hauptziel ist Qualität zu den Zuschauern zu bringen."

Ultra-HD wächst mehr im non-linearen Bereich

Alle Panel-Teilnehmer sehen aktuell noch keinen erneuten Technologiewechsel im Fernsehen von HD zu Ultra-HD. Das Thema wachse zunächst stärker im non-linearen Streaming- und im Event-Bereich, beispielsweise bei Sport-Übertragungen.

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