Multitalent

Schaltzentrale: Eine Fernbedienung für alle Geräte

Der Bedienkomfort bei multifunktionalen Fernbedienungen steigt
Von dpa / Jennifer Buchholz

Universale Fernbedienungen erhöhen den eigenen Komfort Universale Fernbedienungen erhöhen den eigenen Komfort
Bild: dpa
Heimkino-Fern­be­dienungen haben ein klares Freizeit-Defizit. Allein die "Schaltolette" für den Fern­seher ist im bundes­deutschen Durch­schnitts­haus­halt täglich 242 Minuten im Ein­satz. Diese Sehdauer hat Media Control für alle Zuschauer ab 14 Jahren im ersten Halbjahr 2013 ermittelt. Jeder weiß aus Er­fahrung: Vor dem TV nervt jeder Griff zu einer anderen Schalt­einheit. Eine praktische An­schaffung ist deshalb die Universal­fern­bedienung.

"Bei den klassischen Infra­rot­fern­bedienungen gibt es vor­programmierte und lern­fähige, solche mit und ohne LCD- beziehungs­weise Touch­screen", erklärt Roland Seibt, stell­vertretender Chef­redakteur der Zeit­schrift Video. Weit ver­breitet seien vor­programmierte Fern­bedienungen. Diese haben ins­gesamt mehrere Tausend Infra­rot­befehle für eine Vielzahl unter­schiedlicher Gerätetypen und Her­steller gespeichert. Die Programmierung erfolgt über einen Zahlen­code, wobei die jeweilige Tasten­belegung fest vorgegeben ist.

"Bei einigen Modellen funktioniert die Suche nach dem Code sogar semi­automatisch", sagt der Experte. "Man drückt so lange die Powertaste der lern­fähigen Fern­bedienung, bis sich das Gerät einschaltet." Die Lern­funktion arbeitet über einen Infra­rot­empfänger, der die Befehle der Original­fern­bedienung auswertet. Vorteil: Auf diese Weise können einzelne Tasten individuell angelernt werden. Zukunfts­sicher sind Topmodelle mit USB-Buchse zum PC-Anschluss. So können diese auch später Befehle von Geräten erlernen, die es zum Zeit­punkt des Kaufs der Fern­bedienung noch gar nicht gab.

Eigene Bedürfnisse berücksichtigen

Universale Fernbedienungen erhöhen den eigenen Komfort Universale Fernbedienungen erhöhen den eigenen Komfort
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Seibt rät, sich vor dem Kauf eines uni­versellen Steuer­stabs einmal genau anzuschauen, welche Tasten welcher Fern­bedienung man wirklich regel­mäßig braucht. Das er­leichtere die Auswahl. Selbst bei den preis­werten vor­programmierten Modellen stehen oft die Hand­bücher im Internet. Hier sollte man nach­schauen, ob Codes für die ge­wünschten Geräte vorhanden sind. Die Preis­spanne ist riesig: Ganz ein­fache Universal­fern­bedienungen sind bereits ab fünf Euro erhältlich, für voll pro­grammierbare Luxus­varianten sind bis zu 500 Euro fällig. Wie viel man ausgeben will, ist eine Frage der persönlichen Ansprüche. Vernünftige Modelle mit farbigem Touch­screen gibt es ab etwa 60 Euro.

Einzelne Her­steller erhöhen auch den Bedien­komfort, indem man mit einer Fern­bedienung mehrere Geräte kontrollieren kann. Hierbei spielt der Standard HDMI-CEC (Consumer Electronics Control) eine wichtige Rolle. Dabei handelt es sich um ein in der HDMI-Anschluss­norm berücksichtigtes Steuer­system, das bei jedem Hersteller anders heißt, meist aber gut zusammen­arbeitet, erklärt Seibt. Durch diese Technik schalten sich Geräte voll­automatisch gegen­seitig ein, aus oder um. So reicht das Einlegen einer Blu-ray, um den AV-Receiver und das TV-Gerät ein­zu­schalten, woraufhin die richtigen Quell­eingänge gewählt werden. Im besten Fall erkennt das TV-Gerät, dass es seinen Ton ab­schalten kann, weil der AV-Receiver aktiv ist.

Tablet ist keine echte Konkurrenz

Durch den Smartphone- und Tablet-Boom hat die klassische Fern­bedienung Konkurrenz bekommen. Einer repräsentativen Umfrage des Branchen­verbands Bitkom zufolge setzt bereits jeder Zehnte seinen Tablet-Computer als Fern­bedienung für Fernseher oder Musik­anlage ein. In der Regel müssen die Apps des jeweiligen Her­stellers verwendet werden. "Die sind deutlich komplexer, als für eine simple Bedienung nötig wäre", nennt Seibt eine der Schwächen der noch jungen Steuer­methode. Weiterer Nachteil: Die Apps funktionieren über WLAN, was zusammen mit dem aktiven Display arg am Akku des Tablets zehrt. Wer viel umschaltet, elektronisch Programm­führer nutzt und Inhalte streamt, muss die Tablet-Fern­bedienung schnell ans Netz hängen.

Außerdem bemängelt Seibt den fehlenden Komfort: "Es ist sehr an­strengend für die Augen, alle paar Sekunden auf das nahe Smart­phone und den weit entfernten Fernseher zu fokussieren." Im Vergleich dazu sei das Handling von bis zu vier Fern­bedienungen oder einer Universal­fern­bedienung deutlich schneller und bequemer. Erst bei weiter­führenden Anwendungen wie der Eingabe von Text oder der Steuerung eines Maus­zeigers auf dem TV-Bildschirm seien Smartphone und Tablet dem klassischen Steuer­stab überlegen.

Auf der anderen Seite integrieren aber auch immer mehr Hersteller zu Fernbedienungszwecken Infrarotsender in Tablets und Smartphones. Und es gibt sogar neue DECT-Schnurlos-Telefone mit Android-Betriebssystem und WLAN. Wird die passende App installiert, kann man etwa während des Gesprächs die TV-Lautstärke regeln oder eine Blu-ray starten.

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