Ausprobiert

Fax.Plus im Test: Faxe senden & empfangen per Smartphone (Update)

Fax.Plus erlaubt den kostenlosen Faxversand per App und bietet gegen Aufpreis auch eine deutsche Festnetznummer für den Faxempfang. Wir haben den Dienst getestet.

So lange Ärzte, Juristen und andere Berufsgruppen noch das Fax verwenden, ist es noch nicht ausgestorben - auch im Zeitalter von E-Mail, Messengern und anderen neueren Kommunikationsformen nicht. Doch die All-IP-Umstellung im Festnetz kann älteren stationären Faxgeräten mitunter Probleme bereiten. In unserem Ratgeber So faxen Sie im Zeitalter von All-IP haben wir daher modernere Formen des Faxens empfohlen.

Einer dieser moderneren Dienste ist Fax.Plus. Der Dienst erlaubt das Versenden und Empfangen von Faxen per Smartphone-App und über eine Weboberfläche im Browser. Ein gewisses Kontingent an Seiten ist monatlich kostenlos. Auf Wunsch gibt es kostenpflichtig eine deutsche Festnetznummer, über die auch Faxe empfangen werden können. Wir haben Fax.Plus getestet. Begrüßungs-Bildschirme der Smartphone-App Begrüßungs-Bildschirme der Smartphone-App
Screenshot: teltarif.de

Registrierung, Verifikation und Apps

Fax.Plus wird betrieben von der Firma Alohi SA mit Sitz in Genf, Schweiz. Für die Nutzung auf dem Smartphone stellt Fax.Plus eine App für iOS und eine App für Android bereit. Lokale Festnetz-Rufnummern können aus 42 Ländern zugeteilt werden, auch aus Deutschland.

Wer Fax.Plus nutzen will, muss sich zunächst online oder über die App mit seiner E-Mail-Adresse (alternativ mit Facebook- oder Google-Account) registrieren. Im Test fiel uns dabei die erste Besonderheit auf: Wer sich per E-Mail registriert, muss die E-Mail-Adresse gar nicht verifizieren, sondern erhält sofort einen Account.

Im Anschluss daran muss das Konto allerdings mit einer vorhandenen Handynummer verknüpft werden. Hierzu versendet Fax.Plus dann allerdings einen sechsstelligen Verifikations-Code von einer USA-Nummer aus an die Rufnummer des Kunden. Nachdem dieser eingegeben ist, kann das Konto für den Fax-Versand genutzt werden.

Die Weboberfläche war in unserem Test in allen Browsern auf Englisch, die Apps für iOS und Android sind in Deutsch gehalten. Die Bedienung empfanden wir stets als einfach und intuitiv, wir fanden uns bei allen Funktionen stets gut zurecht. Die Weboberfläche von Fax.Plus Die Weboberfläche von Fax.Plus
Screenshot: teltarif.de

Fax-Versand per App und Web

App und Webseite von Fax.Plus sind ganz ähnlich aufgebaut: Unter "Archive" sind bereits gesendete und empfangene Faxe abgelegt. In den "Contacts" können entweder manuell neue Kontakte angelegt oder aus Excel importiert werden. Auch eine Blacklist für gesperrte Nummern kann hier angelegt und gepflegt werden. In den Profileinstellungen kann der Nutzer festlegen, in welches Format die Faxe umgewandelt werden sollen (PDF oder TIFF). Außerdem lässt sich die Fax-via-E-Mail-Funktion aktivieren und festlegen, ob Faxe überhaupt im Archiv gespeichert werden sollen.

Im Gratis-Account kann der Anwender nun bis zu zehn Faxseiten pro Monat kostenlos versenden. Weitere Seiten kosten jeweils 20 US-Cent. Nach der Eingabe der Zielrufnummer ist es möglich, entweder direkt einen Faxtext zu schreiben oder ein bestehendes Dokument anzuhängen. In unserem Test dauerte die Faxübertragung in der Regel gut eine Minute pro Seite inklusive Umwandlung und Übertragung. Anschließend wird sofort ein Faxprotokoll angezeigt, aus dem man entnehmen kann, ob die Übertragung geklappt hat oder nicht.

Festnetznummer, Faxtests & Fazit

Das Empfangen von Faxen ist mit dem Gratis-Account von Fax.Plus nicht möglich, da diesem Account keine Nummer zugeordnet ist. Zunächst mussten wir Guthaben aufladen, bei Fax.Plus erfolgen alle Abrechnungen nicht in Euro, sondern in US-Dollar. Bezahlt wird entweder per Kreditkarte oder via PayPal.

Alle Tarife sind mit einmonatiger Laufzeit oder jährlicher Bezahlweise erhältlich. "Basic" kostet 5,99 US-Dollar beziehungsweise 4,99 US-Dollar, wenn man sich für die jährliche Zahlungsweise entscheidet. Enthalten ist eine lokale Faxnummer und damit die Möglichkeit, Faxe zu empfangen. Im Basic-Account sind 100 Faxseiten pro Monat enthalten, jede weitere Seite wird mit 10 US-Cent abgerechnet. Ansonsten erhält der Basic-Account keine zusätzlichen Funktionen.

Buchung einer lokalen deutschen Festnetznummer Buchung einer lokalen deutschen Festnetznummer
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Diese gibts dann erst bei den Accounts "Premium" und "Unternehmen", die beide aufgrund ihrer Zusatzfunktionen und Preisgestaltung eher für Geschäftskunden mit einem höheren Faxaufkommen interessant sind. Premium kostet 11,99 US-Dollar monatlich (bzw. 9,99 US-Dollar bei jährlicher Zahlweise). Hier gibt es zusätzlich die Möglichkeit, Faxprotokolle als CSV zu exportieren und Prioritäten festzulegen.

Der Unternehmensaccount kostet 19,99 US-Dollar monatlich (bzw. 14,99 US-Dollar bei jährlicher Zahlweise) und beinhaltet eine zweite Faxnummer sowie die Option, weitere Faxnummern zu jeweils 4,99 US-Dollar monatlich hinzuzubuchen. Außerdem gibt es ein Administrationsmenü für mehrere Mitglieder und eine API zur Einbindung von Fax.Plus in andere Dienste. Premium- und Unternehmens-Account beinhalten 300 Seiten monatlich, jede weitere Faxseite wird mit 5 US-Cent abgerechnet.

Wir haben im Test zwei Accounts von Fax.Plus genutzt und für jeden eine Festnetznummer geordert. Allerdings bot Fax.Plus keine Nummer aus unserem Vorwahlbereich. Beim ersten Account wurde uns eine 069-Nummer aus Frankfurt zugeteilt, beim zweiten Account eine 030-Nummer aus Berlin. Für die Verifizierung mussten wir ein Dokument hochladen, das unseren Wohnsitz in Deutschland beweist. Außer dem Reisepass oder Personalausweis akzeptiert Fax.Plus auch beispielsweise die Rechnung eines Versorgungsunternehmens für Strom, Wasser oder Gas. Wir luden einen Scan unseres Presseausweises hoch und nach nicht einmal 10 Minuten erhielten wir die Nachricht, unser kostenpflichtiger Basic-Account wäre freigeschaltet. Nun konnten wir auch Faxe auf den Festnetznummern empfangen. Intuitive Oberfläche der App Intuitive Oberfläche der App
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Versand- und Empfangstests und Probleme

Für den Test benutzen wir mehrere Faxanschlüsse, um Versand und Empfang von und zu unseren beiden Fax.Plus-Accounts zu testen. An unserem All-IP-Anschluss der Telekom haben wir eine der drei Telekom-Rufnummern fürs Faxen reserviert und diese als Faxnummer in der Faxfunktion der FRITZ!Box 7490 reserviert. Außerdem besitzen wir eine 03212-Faxnummer, die einem Web.de-E-Mail-Postfach zugeordnet ist sowie eine 03222-Nummer, die zu einem T-Online-Postfach gehört.

Interessanterweise gab es bei der Faxkommunikation aller dieser Anschlüsse mit Fax.Plus so gut wie keine Probleme, wenn wir reine Textfaxe ohne Anhang versandten. Die Faxe waren in einer angenehmen Zeitspanne übertragen und anschließend stets gut lesbar. Probleme traten allerdings auf, wenn wir Anhänge mitversenden wollten. Bilddateien wurden nie übertragen. Bei PDF-Dateien klappte dies öfters, aber nicht immer und bei Word-Dokumenten so gut wie immer. Allerdings konnten wir hier auch feststellen: Je einfacher das Word-Dokument gehalten war, desto höher war die Chance, dass es "unfallfrei" ankam. Bilder oder Tabellen im Dokument führten ebenfalls oft zu einem Abbruch. Ab und zu kamen Anhänge auch unvollständig an, beispielsweise nur die ersten zwei von acht Seiten.

Account-Informationen in der Weboberfläche Account-Informationen in der Weboberfläche
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Empfehlenswert ist Fax.Plus aus unserer Sicht also, wenn man überwiegend Textfaxe verschickt. Und auch dann ist es aus unserer Sicht erfolgreicher, den vorhandenen Text ins Textfeld der Faxfunktion hineinzukopieren statt ihn als Word- oder PDF-Dokument anzuhängen. Immerhin informierte uns Fax.Plus immer zuverlässig darüber, ob eine Übertragung geklappt hatte oder nicht.

Auch die E-Mail-zu-Fax-Funktion war in unserem Test nicht zuverlässig mit Anhang nutzbar. Hierbei kann der Kunde auch mit dem Gratis-Account in seinem E-Mail-Programm eine neue E-Mail erstellen. Bei der Zielrufnummer 0301234567 schickt man eine E-Mail an die Adresse +49301234567@fax.plus, wobei die Absenderadresse dieselbe wie die beim Fax.Plus-Account hinterlegte sein muss. Auch hier klappte die Funktion am besten, wenn wir den Text einfach in die E-Mail kopierten, statt Word- oder PDF-Dokumente anzuhängen.

Fazit: Komfortabel, aber nicht immer zuverlässig

Unsere Tests haben gezeigt, dass das Fax als Technik nicht tot ist und mit Fax.Plus eine einfach zu bedienende "digitale" Umsetzung gefunden hat. Trotz allem lässt sich nicht verschweigen, dass die Faxtechnik veraltet ist, was zahlreiche abgebrochene Übertragungen beweisen. Bei Fax.Plus erzielten wir die besten Erfolge, wenn wir einfache Textfaxe ohne Anhänge verschickten - dafür ist der Dienst empfehlenswert. Und mit den Smartphone-Apps klappen Versand und Empfang auch von unterwegs ganz ohne Computer oder stationäres Faxgerät.

Wer regelmäßig Faxe empfangen muss, kann sich überlegen, für 5 US-Dollar monatlich eine Festnetznummer hinzuzubuchen. Das ist zwar nicht ganz billig, aber immerhin günstiger als ein separater Telefonanschluss fürs Faxen. Doch wie gesagt: Wer beim All-IP-Anschluss eine Festnetznummer übrig hat, kann diese zusammen mit einer FRITZ!Box ohne Aufpreis oder weitere Dienste zum Faxen verwenden. Fax.Plus lohnt sich hingegen mehr für Kunden, die viel unterwegs sind.

Update: Fax.Plus beantwortet offene Fragen

Mittlerweile hat uns eine Mitarbeiterin von Alohi SA einige offene Fragen beantwortet. Bei der Account-Registrierung habe man sich bewusst dazu entschlossen, die Rufnummer verifizieren zu lassen statt die Mailadresse, weil dies schwieriger zu umgehen sei als eine Mail-Verifizierung. Fax.Plus verifiziert aus Sicherheitsgründen übrigens nur Mobilfunknummern, aber keine VoIP-Nummern.

Im Rahmen des Registrierungsprozesses für zugeteilte Festnetznummern werden die hochgeladenen Dokumente nach Angaben des Providers händisch von einem Mitarbeiter geprüft. Dabei wird insbesondere gecheckt, ob das Land der Dokumente mit dem Land der gewünschten Rufnummer übereinstimmt. Alle Dokumente werden bei Fax.Plus für potenzielle juristische Nachfragen gespeichert und auch an den Telekommunikations-Provider weitergegeben, der diese ebenfalls prüft.

Lädt ein Kunde kein Guthaben auf, damit die Grundgebühr für die Festnetznummer abgebucht werden kann, fällt diese nach einer gewissen Wartezeit wieder an den Telekommunikations-Provider zurück. Ende des Updates.

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