Automobilindustrie

Kostenpflichtiges DAB+: Autobauer halten an Option fest

Fahrzeugbauer wollen trotz neuer EU-Richtlinie am bisherigen Geschäftsmodell einer kostenpflichtigen Option für das digital-terrestrische Radio DAB+ festhalten. Das kündigten Vertreter von Ford und Audi auf einer Veranstaltung in Berlin an.
Von der Veranstaltung DAB+ im Dialog in Berlin berichtet
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Trotz neuer EU-Richt­linie, die ab spätes­tens 2021 verpflich­tend eine Schnitt­stelle für Digi­tal­radio in Autos vorsieht, wollen die Fahr­zeug­bauer am bishe­rigen Geschäfts­mo­dell einer kosten­pflich­tigen Option für das digital-terres­tri­sche Radio DAB+ fest­halten. Das kündigten Vertreter von Ford und Audi auf der Veran­stal­tung "DAB+ im Dialog" in der baye­ri­schen Landes­ver­tre­tung in Berlin an. Laut Martin Koch von Audi werde die EU-Richt­linie zwar dahin­ge­hend umge­setzt, dass jedes Car-Enter­tain­ment-System über einen Chip für DAB+ verfügen soll. Die Frei­schal­tung sei aber nur kosten­pflichtig als Option möglich. Sprich: In Grund­aus­stat­tung bietet das Enter­tain­ment-System weiter nur analogen UKW-Empfang, bei einigen Fahr­zeug­typen noch nicht einmal das.

Chip in jedem Auto, Frei­schal­tung nach Kunden­wunsch

Auto-Panel bei "DAB+ im Dialog" in BerlinAuto-Panel bei "DAB+ im Dialog" in Berlin Einzige Neue­rung sei, dass Kunden jeder­zeit und nicht nur wie bisher bei Bestel­lung des Fahr­zeugs DAB+ ordern könnten, auch nach­träg­lich. Auch sei gewähr­leistet, dass Gebraucht­wa­gen­käufer die Frei­schal­tung noch vornehmen können, selbst wenn der Vorbe­sitzer an keinem Digi­tal­radio-Empfang inter­es­siert war. Florian Nowack von Ford ergänzte, dass die Markt­durch­drin­gung mit DAB+ in Deutsch­land noch immer zu gering sei, um das Digi­tal­radio seri­en­mäßig anzu­bieten. Er verwies auf die hohen Kosten. Beide Vertreter machten klar, dass sie durch die Verpflich­tung zum Einbau von DAB+ zwar zunächst ein Minus-Geschäft machen würden. Durch die spätere kosten­pflich­tige Frei­schal­tung des Chips würden diese Kosten jedoch wieder einge­fahren.

Allge­mein gab es aus dem Fach­pu­blikum die Reak­tion, dass die Pläne der Auto­bauer so bestimmt nicht im Sinne des Gesetz­ge­bers seien, der eigent­lich die Markt­durch­drin­gung mit DAB+ beschleu­nigen wolle. Politik und Regu­lie­rung müssten hier gegen­steuern. Dr. Volker Schott vom Verband der Auto­mo­bil­in­dus­trie (VDA) stellte zudem das Modell in den Raum, dass die Auto­bauer die Mehr­kosten für DAB+ doch auch in den Kauf­preis der PKW verste­cken könnten: "Dann kostet das Fahr­zeug halt 200 Euro mehr und der Kunde merkt es nicht". Ähnlich sei es mit Airbags gehand­habt worden, die inzwi­schen in allen Fahr­zeug­mo­dellen Stan­dard seien.

Audi: Radio "zu wenig sexy"

Martin Koch von Audi sieht auch die Hörfunk­an­bieter in der Pflicht: Radio sei für eine erfolg­reiche Vermark­tung "aktuell nicht mehr sexy genug", anders als Strea­ming­dienste wie Spotify, die von Kunden weit mehr nach­ge­fragt würden. Radio müsste mehr inno­va­tive Dienste anbieten. Dies gelte auch für den Verkehrs­ser­vice TPEG, dem inter­net­ba­sierte Dienste inzwi­schen den Rang abge­laufen hätten.

Laut neuesten Zahlen, die eben­falls präsen­tiert wurden, ist DAB+ aktuell nur in 17 Prozent aller Fahr­zeug­mo­delle in Deutsch­land Seri­en­aus­stat­tung. Immerhin ist die Einbau­rate damit erst­mals höher als die der Fahr­zeug­typen, die nicht einmal DAB+ optional verfügbar haben. Laut aktu­ellem DAT (Deut­sche Auto­mobil Treu­hand)-Bericht ist der Anteil an Neuwa­gen­ver­käufen mit DAB+ ab Werk in Deutsch­land nur leicht gestiegen - von 39,8 Prozent im Vorjahr auf jetzt 40 Prozent.

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