Schon wieder

Auch Facebook ließ Mitarbeiter Sprachaufnahmen abtippen

Tech-Konzerne demons­trierten gern, wie gut ihre Soft­ware mensch­liche Sprache verstehen kann. Dabei blieb im Dunklen, wie sehr die Technik ange­wiesen ist, dass Menschen sich die Aufnahmen anhören. Jetzt kommt heraus, dass auch Face­book keine Ausnahme war.
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Face­book hat Mitar­beiter einige Aufnahmen von Nutzern aus seinem Chat­dienst Messenger anhören und abtippen lassen. Betroffen waren laut Face­book nur Nutzer, die die Tran­skrip­tions-Funk­tion für Sprach­nach­richten einge­schaltet hatten. Aufgabe der Mitar­beiter sei gewesen, zu prüfen, ob die Soft­ware die gespro­chenen Sätze korrekt verstanden habe. Die Nach­richten seien zuvor anony­misiert worden. Die Praxis sei vor mehr als einer Woche gestoppt worden, erklärte das Online-Netz­werk.

In den vergan­genen Wochen waren auch Amazon, Apple und Google in die Kritik geraten, weil sie Mitschnitte von Sprachas­sistenz-Soft­ware von Mitar­beitern auswerten ließen - ohne dass es den Nutzern bewusst war. Die Face­book-Praxis wurde durch einen Bericht des Finanz­dienstes Bloom­berg bekannt, der die Debatte mit einem Bericht über das Abtippen von Befehlen an Amazons Sprachas­sistentin Alexa im April losge­treten hatte.

Für Face­book ist die Situa­tion noch etwas heikler

Pikant: Facebook ließ Sprachaufnahmen von Menschen auswertenPikant: Facebook ließ Sprachaufnahmen von Menschen auswerten Seit Jahren geht das Gerücht um, Apps des Online-Netz­werks hörten den Nutzern zu, um die Werbung zu perso­nali­sieren. Als angeb­licher Beleg werden Fälle genannt, in denen Anzeigen zu einer vorhe­rigen Unter­haltung passen. Face­book wies den Vorwurf stets zurück, auch Gründer und Chef Mark Zucker­berg verneinte dies im Früh­jahr ausdrück­lich bei einer Anhö­rung im US-Kongress und sprach von einer "Verschwö­rungs­theorie".

Face­book-Manager erklären die Vermu­tungen auch mit dem Effekt, dass zwischen vielen verschie­denen Anzeigen einem dieje­nigen auffielen, die zu etwas Aktu­ellem passten.

Face­book betonte auch stets, das Online-Netz­werk verar­beite Audio-Daten nur wenn ein Nutzer die Erlaubnis dazu erteilt habe. Während klar ist, dass für eine Tran­skrip­tions-Funk­tion Aufnahmen verar­beitet werden müssen, dürfte den Nutzern - ähnlich wie bei den anderen Tech-Konzernen - nicht bewusst gewesen sein, dass in einigen Fällen auch Menschen sie zu hören bekamen.

Sprach­auswer­tung nicht nur von Soft­ware

Die Unter­nehmen holten sich bei den Nutzern pauschal die Erlaubnis, Daten zur Verbes­serung des Dienstes zu nutzen. Dass dafür mögli­cher­weise auch Sprach­aufnahmen nicht nur von Soft­ware analy­siert, sondern auch von Menschen gehört werden könnten, wurde dabei nicht ausdrück­lich erwähnt.

Bei Apple gab es zumin­dest einen Hinweis auf die Möglich­keit solcher Tran­skrip­tionen bei seiner Sprachas­sistentin Siri in einem Sicher­heits­doku­ment für Entwickler. Der Text war für gewöhn­liche Nutzer jedoch schwer zu finden.

Apple setzte die Auswer­tung der Mitschnitte aus und versprach, sich künftig die ausdrück­liche Erlaubnis dafür zu holen. Auch Google stoppte die Praxis Anfang Juli. Amazon bietet Nutzern seit kurzem die Möglich­keit, der Auswer­tung von Mitschnitten durch Menschen zu unter­binden.

Bei Face­book hätten "hunderte" Beschäf­tigte bei externen Dienst­leis­tern sich die Audio­clips ange­hört, schrieb Bloom­berg unter Beru­fung auf infor­mierte Personen. Sie seien im Unklaren darüber gelassen worden, unter welchen Umständen die Aufnahmen gemacht wurden und für welchen Zweck sie sie abtippen, hieß es. Die Unter­haltungen hätten zum Teil "vulgäre" Inhalte enthalten.

Im April hatte Face­book verspro­chen: "Die Zukunft ist privat." Details lesen Sie in einer weiteren News.

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