Analyse

Facebook wird zum Seniorenheim

Die Rentner stürmen Facebook, während das soziale Netzwerk für Teenager zunehmend uninteressant wird: Das geht aus einer aktuellen Analyse der Facebook-Nutzerstruktur in Deutschland hervor.
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Die Facebook-Community wächst: Das ist die gute Nachricht in der Analyse der Facebook-Nutzerzahlen im heute vorgelegten Social-Media-Atlas. Gleichzeitig mutiert das einst junge und hippe Netzwerk aber mehr und mehr zum Seniorenheim, insbesondere was die Altersstruktur von Anwendern betrifft, die sich neu zu Facebook anmelden.

Der Social-Media-Atlas erfasst seit 2011 jährlich auf Basis einer repräsentativen Umfrage die Nutzung sozialer Medien in Deutschland. Die Studie soll unter anderem belastbare Fakten darüber liefern, welche Dienste im Internet von wem wie intensiv genutzt werden. Herausgegeben wir der Social-Media-Atlas von der Beratungsgesellschaft Faktenkontor und dem Marktforscher Toluna in Kooperation mit dem Institut für Management- und Wirtschaftsforschung (IMWF).

Aktuelle Nutzungsstatistiken für Deutschland

Senioren entern FacebookSenioren entern Facebook Laut der Erhebung sind 76 Prozent der Internet-Nutzer ab 14 Jahren in Deutschland auf Facebook unterwegs. Innerhalb eines Jahres ist die Nutzerzahl damit um 11 Prozentpunkte gewachsen. Zugewinne verzeichnet das soziale Netzwerk aber überwiegend bei Älteren.

Nur noch 61 Prozent der Internet-Nutzer zwischen 14 und 19 Jahren sind laut den Ergebnissen auf Facebook. Das ist die geringste Quote in allen Altersgruppen. In der Gruppe der 30 bis 39-Jährigen sei die Nutzung um 16 Prozentpunkte angestiegen, bei 40 bis 49-Jährigen um 12 Prozentpunkte und bei den 50 bis 59-Jährigen um 20 Prozentpunkte. Am kräftigsten fiel der Zuwachs mit 23 Prozentpunkten bei Älteren und Senioren ab 60 Jahren aus: 70 Prozent der "Silver Surfer" ab 60 nutzen jetzt Facebook.

Konstant blieb die Nutzung laut den Studienergebnissen unter Twens. Aktuell würden 89 Prozent der Altersgruppe zwischen 20 und 29 Jahren Facebook verwenden.

Facebook-Nutzerzahlen im Social-Media-Atlas
Facebook-Nutzerzahlen im Social-Media-Atlas

WhatsApp bleibt ein Trostpflaster

Der Trend zur Vergreisung Facebooks zeigt sich auch in einer anderen Kennzahl: Denn nur unter den Älteren ab 50 und 60 ist Facebook aktuell noch das beliebteste soziale Medium. Hierbei sind allerdings nicht nur soziale Netzwerke, sondern auch Messengerdienste mit berücksichtigt. In allen anderen Altersgruppen liegt YouTube an der Spitze. Und Teenager verwenden außer YouTube auch Instagram (84 Prozent) und Snapchat (82 Prozent) häufiger als Facebook.

Die Analysten gehen sogar davon aus, dass die Nutzerzahlen von Facebook irgendwann wieder sinken könnten: "Das Netzwerk Facebook wird mittelfristig wieder an Nutzern verlieren", prognostiziert Roland Heintze, Geschäftsführender Gesellschafter beim Faktenkontor. "Denn wer heute als Teenager Facebook nicht nutzt, wird als Twen kaum damit anfangen. Und auf Dauer wird Facebook den wegbrechenden Nachwuchs nicht mehr durch zusätzliche User aus älteren Zielgruppen ausgleichen können."

Doch in einem Punkt können die Experten "Entwarnung" für Facebook geben - und das betrifft die Daten-Sammelei: Um die wertvollen Nutzerdaten der Teenies müsse sich der Konzern keine Sorgen machen. Denn die bekomme er über den konzerneigenen Messenger-Dienst WhatsApp, der mittlerweile von 98 Prozent der 14 bis 19-Jährigen genutzt wird.

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