Rebellion?

Datenhunger des aufgezwungenen Facebook-Messengers verärgert Nutzer

Wer mobil auf Facebook-Nachrichten zugreifen will, der muss den Messenger nutzen. Doch der fordert sehr viele Be­rech­tigung­en. Die Nutzer sind ver­un­sichert. Greift das soziale Netzwerk wirklich auf alle Daten zu? Ist das wirklich nötig? Antworten auf diese Fragen finden Sie im Artikel.
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Dass Facebook seine Nutzer irgendwann zwingen würde, die Messenger-App zu installieren, hat sich seit einiger Zeit angedeutet. Vor Kurzem war es dann soweit: Jeder, der auf seine Facebook-Nachrichten zugreifen wollte, musste die App aus dem jeweiligen Appstore installieren. Einzige Ausnahme ist derzeit noch Windows Phone. Die Nutzer reagieren auf den Zwang alles andere als positiv. Die neuste Version der App hat in iTunes über 17 000 Bewertungen mit nur einem von fünf möglichen Sternen und das, obwohl sie momentan auf einem der oberen Plätze in den Download-Charts steht.

Fordert der Messenger unnötig viele Rechte?Unnötig viele Rechte? Auch bei Android sieht es nicht viel anders aus. Hier beschweren sich die Nutzer nicht nur über den Installationszwang, sondern auch darüber, dass es durch die Installation der App zu massiven Performance-Einbußen kommt. Dieses können wir aus eigener Erfahrung bestätigen. Gerade ältere Smartphones werden teilweise deutlich langsamer, zumal wenn die Chat-Head-Funktion aktiviert ist. Die Benachrichtigungsblasen sind zwar hilfreich, beanspruchen die Performance des Gerätes aber.

Viel häufiger findet man aber Beschwerden über die große Anzahl an Berechtigungen, die der Messenger von Facebook fordert. Wie weit der Messenger dabei geht, zeigt die folgende Tabelle.

Die Zugriffsrechte in der Übersicht

Bereich Im Detail
Identität Konten auf dem Gerät suchen
Kontaktkarten lesen
Kontakte/Kalender Kontakte lesen
Standort Ungefährer Standort (netzwerkbasiert)
Genauer Standort (GPS- und netzwerkbasiert)
SMS SMS oder MMS bearbeiten
SMS empfangen
SMS oder MMS lesen
SMS senden
MMS empfangen
Telefon Telefonnummern direkt anrufen
Anrufliste lesen
Fotos/Medien/Dateien Zugriff auf geschützten Speicher testen
USB-Speicherinhalte ändern oder löschen
Kamera/Mikrofon Bilder und Videos aufnehmen
Audio aufnehmen
WLAN-Ver­bin­dungs­infor­matio­nen WLAN-Verbindungen abrufen
Geräte-ID & An­ruf­infor­matio­nen Telefonstatus und Identität abrufen
Sonstige Daten aus dem Internet abrufen
Dateien ohne Benachrichtigung herunterladen
Beim Start ausführen
Ruhezustand deaktivieren
Netzwerkverbindungen abrufen
Verknüpfungen installieren
Audio-Einstellungen ändern
Google-Servicekonfiguration lesen
Über anderen Apps einblenden
Zugriff auf alle Netzwerke
Synchronisierungseinstellungen lesen
Vibrationsalarm steuern
Netzwerkkonnektivität ändern
Stand: 11.08.2014

Zugriff um des Zugriffs Willen?

Zwar ist es richtig, dass einige Berechtigungen tatsächlich benötigt werden, auf den ersten Blick scheint jedoch, als würden die Entwickler einfach pauschal jeden Zugriff einfordern. Generell ist das Berechtigungssystem von Android sehr weit gefasst. Der Zugriff auf einen kleinen Teil von Funktionen kann es erforderlich machen, dass sehr viele Berechtigungen eingefordert werden müssen.

Ein Android-Nutzer fasst die Verunsicherung dabei frei übersetzt wie folgt zusammen: "Ich nehme an, dass der Verkauf meiner Informationen an Werbeagenturen für den großen Führer Zuckerberg nicht genug ist." Andere Bewertungen werden teilweise noch deutlicher.

Die Unsicherheit zeigt: Es ist dringend geboten, dass das Unternehmen über die Gründe informiert. Ganz frei von Verstößen gegen das Datenschutzgesetz ist die Vergangenheit des Konzerns schließlich nicht.

Was können Nutzer tun?

Eines steht fest: Für viele ist das Netzwerk einfach zu praktisch, um sich abzumelden. Sei es zur Kommunikation mit weit entfernten Freunden oder zur Sammlung von Informationen. Was also sind die Alternativen? Nutzer könnten auf die mobile Internetseite umsteigen. Dies ist aber deutlich unpraktischer, ermöglicht dem Netzwerk jedoch immerhin keinen so weitgehenden Zugriff auf die persönlichen Daten.

Besitzer eines Android-Smartphones haben dabei noch eine andere Möglichkeit. Sie erfordert allerdings etwas Zeit, ist aber nicht nur gegen die Sammelwut der Facebook-App effektiv. Die Rede ist vom Xposed-Framework. Dieses Framework, dessen Installation bei xda-developers.com beschrieben ist, greift tief in das Android-System ein und ermöglicht eine Reihe von Anpassungen. Unter anderem kann mit dem Xprivacy-Modul für jede App einzeln festgelegt werden, auf welche Berechtigungen sie Zugriff erhalten soll. Die Installation dieses Frameworks erfordert dabei aber nicht nur – wie eingangs erwähnt - Zeit, sondern setzt auch voraus, dass das Smartphone gerootet wurde, der Nutzer also die volle Kontrolle über das Gerät besitzt.

Abseits dessen bleibt Nutzern eigentlich nur noch der Wechsel zu anderen Messengern. Auch hier stehen Sie allerdings vor der Qual der Wahl. Um Ihnen den Wechsel zu erleichtern, haben wir einen Ratgeber zu mobilen Messengern für Sie zusammen gestellt. Lassen Sie uns im Forum wissen, ob Sie wechseln, die App einfach nicht installieren, sie schon nutzen oder ihren Facebook-Account tatsächlich löschen.

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