Regulierung

EU-Kommissar an Facebook: "Sie sollten sich anpassen"

In einem Video­in­ter­view mit Face­book-Chef Mark Zucker­berg signa­li­sierte EU-Kommissar Thierry Breton eine klare Posi­tion gegen­über großen Online-Platt­formen. Außerdem gab es eine Lektion in guter Unter­neh­mens­füh­rung.

Thierry Breton, EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen Thierry Breton, EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen
Bild: picture alliance/Tobias Hase/dpa
Die EU-Kommis­sion signa­li­siert eine harte Posi­tion gegen­über großen Online-Platt­formen bei der aktuell vorbe­rei­teten Regu­lie­rung. "Wir schätzen Ihr Geschäft. Aber nicht wir sollten uns an Sie anpassen, sondern viel­mehr umge­kehrt", sagte EU-Kommissar Thierry Breton in einem gemein­samen Video­in­ter­view mit Face­book-Chef Mark Zucker­berg.

"Natür­lich arbeiten wir an einer Ex-Ante-Regu­lie­rung" - also einem Regel­werk, dass mit Vorab-Vorgaben ins Markt­ge­schehen eingreift und nicht erst nach­träg­lich reagiert. Das habe schon in der Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­dus­trie funk­tio­niert, sagte Breton. Die Platt­form-Regu­lie­rung soll bis Jahres­ende stehen.

Zucker­berg: Online-Platt­formen und Regie­rungen müssen stärker koope­rieren

Thierry Breton, EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen Thierry Breton, EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen
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Zucker­berg betonte auch mit Blick auf die Corona-Krise, dass Online-Platt­formen und Regie­rungen stärker koope­rieren müssten. Ein "neuer digi­taler Deal" sei unver­meid­lich. Die Bedeu­tung der Branche werde nach der Pandemie wachsen: "Ich denke, Geschäfte und Leben werden in größerem Maße online geführt werden, wenn das über­wunden ist."

Er verwies auf eine schnelle Reak­tion von Face­book, nachdem Breton zur Entlas­tung der Netze eine redu­zierte Bild­qua­lität in Video­chats ange­mahnt habe, sowie darauf, dass Face­book Hundert­tau­sende Beiträge mit gefähr­li­chen Falsch­in­for­ma­tionen über das Coro­na­virus entfernt habe.

EU-Komissar erteilt Lektion in guter Unter­neh­mens­füh­rung

Der Face­book-Chef zeigte sich zugleich - wie schon bei Auftritten im US-Kongress - besorgt, dass sich bei einer harten Regu­lie­rung ameri­ka­ni­scher Online-Firmen das Werte­system der chine­si­schen Internet-Indus­trie global erfolg­rei­cher werde. "Ich denke, das ist sehr gefähr­lich und es bereitet mir Sorgen."

Breton, der in seiner Karriere in der Wirt­schaft unter anderem Chef des fran­zö­si­schen Tech­no­lo­gie­kon­zerns Atos war, gab dem 36-jährigen Milli­ardär Zucker­berg auch eine Lektion in guter Unter­neh­mens­füh­rung mit auf den Weg. Der Chef einer großen Firma habe es mit vielen inter­es­sierten Seiten zu tun und müsse sich mit Bera­tern und Gremien umgeben, die ihm deren Anliegen vermit­teln könnten, sagte der 65-jährige Fran­zose in dem von der Brüs­seler Denk­fa­brik Cerre orga­ni­sierten Gespräch.

"Am Ende des Tages ist die Aufgabe des Chefs, sich alle anzu­hören und eine Entschei­dung zu treffen. Und am Ende des Tages ist es Mark, der verant­wort­lich sein wird, niemand sonst."

Nach­fol­gend können Sie sich die Video­auf­zeich­nung des Gesprächs anschauen

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