Oculus Rift

Facebook bringt eigene Datenbrille auf den Markt

Facebook will laut Mark Zuckerberg mit einer eigenen Datenbrille die sozialste Platt­form er­schaffen und die Art und Weise der menschlichen Kommunikation verändern. Wann die Datenbrille auf der Markt kommen und was sie können soll, lesen Sie bei uns.
Von Jennifer Buchholz mit Material von dpa
AAA
Teilen

Nur wenige Wochen nach dem Deal um WhatsApp hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg den nächsten Milliarden-Zukauf eingefädelt. Er blättert insgesamt bis zu 2,3 Milliarden Dollar (1,7 Milliarden Euro) für Oculus VR hin, einen Spezialisten für digitale Brillen, mit denen sich virtuelle Welten darstellen lassen.

"Mobile Geräte sind die Plattform der Gegenwart; wir bereiten uns auf die Plattformen der Zukunft vor", begründete Zuckerberg am Dienstag den Zukauf. "Oculus hat die Chance, die sozialste Plattform aller Zeiten zu erschaffen und damit die Art und Weise zu verändern, wie wir arbeiten, spielen und kommunizieren."

Datenbrille soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen

Facebook kauft Oculus, einen Hersteller von DatenbrillenFacebook kauft Oculus, einen Hersteller von Datenbrillen Das junge Unternehmen hatte mit der bisher vor allem für Computer­spiele ge­dachten Daten­brille "Oculus Rift" für Schlagzeilen gesorgt. Sie könnte nach langer Entwicklungszeit eventuell im Sommer erscheinen. Tester loben, man könne damit sehr glaubhaft in virtuelle Welten eintauchen. Die Technik ist aber immer noch recht klobig. Das Gerät sieht aus wie eine übergroße Ski-Brille. Vor den Augen steckt ein 7 Zoll großer Bildschirm. Das reicht aus, um dem Menschen recht wirksam vorzuspielen, dass er sich mitten im Geschehen zum Beispiel in einem Spiel befindet.

Die Entwicklung des Geräts und der Plattform dahinter soll auch unter der Führung von Facebook weitergehen.

Die Brille ist bereits seit 2012 in Arbeit. Ihre Erfinder hatten sich damals zunächst 2,4 Millionen Dollar von Internet-Nutzern bei der Online-Plattform Kickstarter beschafft. Inzwischen waren insgesamt über 90 Millionen Dollar in die Firma gesteckt worden.

Facebook hat auch eine große Spiele-Platt­form, die von "Oculus Rift" profitieren könnte. Zuckerberg erklärte jedoch, es gebe noch jede Menge weitere An­wendungs­möglich­keiten für solche Datenbrillen über das Spielen hinaus. Das Display ist eine Spezialentwicklung mit erhöhter Helligkeit und einer besonders hohen Bildwiederholungsrate für schnelle Reaktionszeiten. Entscheidende Elemente sind die vielen Sensoren, die Bewegungen verfolgen, damit sich das Geschehen exakt anpasst, wenn man zum Beispiel den Kopf dreht. Die 3D-Effekte sollen besonders gut an menschliche Sehgewohnheiten angepasst werden. Demnach könnten sich Sportfans die besten Plätze im Stadion sichern; und auch virtuelles Lernen würden verbessert werden. Man fühle sich "wahrhaft anwesend".

Oculus Rift wird kein Google Glass

Zu den Rivalen gehört der japanische Elektronikriese Sony mit seinem jüngst vorgestellten Project Morpheus. Nutzer der Playstation 4 können sich mit dieser Brille in virtuelle Spielewelten einklinken.

Der Ansatz von Oculus unterscheidet sich fundamental von dem Konzept für die Datenbrille Google Glass. Die Oculus Rift soll den Anwender für eine begrenzte Zeit - etwa für ein Spiel - komplett von der Außenwelt abschirmen. Das Konzept von Google Glass dagegen sieht vor, dass die Brille den ganzen Tag lang getragen werden kann. Sie soll ausdrücklich keine Barriere zur Außenwelt bilden.

Facebook zahlt für Oculus VR 400 Millionen Dollar in bar und etwa 1,6 Milliarden Dollar in eigenen Aktien. Hinzu kommen später bis zu 300 Millionen Dollar, wenn bestimmte Ziele erreicht werden. Der Höhenflug der Facebook-Aktie gibt Zuckerberg eine Akquisitionswährung für solche Riesen-Deals. Die im Februar verkündete Übernahme des IM-Dienstes WhatsApp war insgesamt 19 Milliarden Dollar schwer. Zu den weiteren großen Zukäufen von Facebook gehörte die Foto-Plattform Instagram.

Oculus VR soll im kalifornischen Irvine beheimatet bleiben und damit nicht in die Firmenzentrale von Facebook nach Menlo Park umziehen. Zuckerberg hatte zuvor auch WhatsApp größtmögliche Eigenständigkeit zugesichert.

Lesen Sie in unserer Zusammenfassung, wie es Facebook vom Jahrbuch zu einer der großten sozialen Netzwerke geschafft hat.

Teilen

Mehr zum Thema Facebook