umstritten

Gesichtserkennung bei Facebook erregt die Gemüter

Löschung der Daten erfordert einigen Aufwand
Von Steffen Herget mit Material von dpa

Das Thema "Gesichtserkennung" ist ein streitbares, schon bei der Nennung des Wortes schrillen gerne einmal die Alarmglocken. Die Horrorvorstellung ist, dass jeder Fremde auf der Straße mit wenigen Klicks Name, Adresse und etliche weitere Daten über die eigene Person erfahren könnte. Das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook mit rund 600 Millionen Mitgliedern musste diese Woche erfahren, wie sensibel gerade die deutschen Internet-Nutzer bei allem reagieren, was irgendwie mit Gesichtserkennung zu tun hat.

Diskussionen um Facebook Diskussionen um Facebook
Logo: Facebook
Dabei setzte Facebook seiner neuen Gesichtserkennungsfunktion klare Grenzen: Es geht lediglich darum, dass beim Hochladen von Fotos eine Software Nutzern die Namen ihrer dort abgebildeten Freunde bei dem Online-Netzwerk zum Markieren vorschlägt. Um wen es sich handelt, erkennt das Programm anhand früherer Markierungen, die von Nutzern per Hand eingetragen wurden. Facebook betont, dass nur die Namen von Freunden beim Online-Netzwerk vorgeschlagen werden, man die Funktion für sein Gesicht jederzeit abschalten sowie bereits vorhandene Namens-Tags löschen könne.

Löschen der Daten ist nicht so einfach

Das ist allerdings garnicht so einfach, wie Richard Gutjahr erfahren hat. Auf seinem Blog gibt er eine detaillierte Anleitung, welche Schritte nötig sind, um die Gesichtserkennung wirksam zu deaktivieren. Dazu reicht es nicht aus, diese in den Einstellungen abzuschalten. Die bereits gespeicherten Informationen werden nämlich laut einer Sprecherin von Facebook erst dann gelöscht, wenn über den letzten Punkt auf dieser Seite [Link entfernt] per E-Mail an Facebook verlangt wird, bestehende Daten für die Bildverknüpfung zu löschen. Der Knackpunkt: Wird von fremder Seite erneut ein Bild des Nutzers verlangt, beginnt die Speicherung von vorne und muss wieder per Mail zur Löschung beantragt werden.

Die Vorstellung, dass eine Software jedes Bild automatisch nach Übereinstimmungen von Gesichtern und Namen durchforstet, war Verbrauchern und Datenschützern dennoch zuviel. Bei Facebook will man die Aufregung nicht so recht verstehen. "Wir bekommen dadurch doch keine zusätzlichen Daten", sagt die deutsche Sprecherin Tina Kulow. Und das stimmt: Die Verbindung zwischen Name und Gesicht haben bereits vorher die Nutzer selbst hergestellt als sie sich oder einen Facebook-Freund in einem Foto markiert haben.

Und das passiert ständig. 100 Millionen solcher Namens-Tags werden pro Tag eingetragen, sagt die Facebook-Sprecherin. Macht gut 1 157 Mal pro Sekunde. Eine beeindruckende Vorstellung: Beim Online-Netzwerk liegt eine gewaltige Datenbank mit vielen Millionen Verknüpfungen von Namen und Gesichtern, erstellt von den Nutzern selbst.

Auf der zweiten Seite erfahren Sie, wie die unterschiedlichen Ansichten von Datenschützern und Facebook-Repräsentanten aussehen und welche Auswirkungen der Streit auf das Imga der Marke hat.

1 2

Mehr zum Thema Social Media