Hasskommentare

Facebook rüstet sich für Kampf gegen Falschmeldungen

Facebook will künftig härter gegen gefälschte Nachrichten in Deutschland vorgehen. Nutzer werden bald einen Beitrag als potenzielle Falschmeldung markieren können.
Von Marleen Frontzeck-Hornke mit Material von dpa
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Facebook will im Jahr der Bundestagswahl auch in Deutschland härter gegen die Verbreitung gefälschter Nachrichten vorgehen. Als Partner werde das Recherchezentrum Correctiv von Nutzern gemeldete Inhalte prüfen und gegebenenfalls als zweifelhaft auszeichnen, kündigte das weltgrößte Online-Netzwerk an. Außerdem sollen ähnlich wie in den USA die Möglichkeiten, mit sogenannten Fake News Geld zu verdienen, eingedämmt werden. Facebook war unter massive Kritik geraten, nachdem sich im US-Wahlkampf in großem Stil Falschmeldungen über das Netzwerk ausbreitet hatten.

Die Nutzer werden die Möglichkeit bekommen, einen Beitrag als potenzielle Falschmeldung zu markieren, erklärte der zuständige Facebook-Manager Guido Bülow. Damit werde ein mehrstufiger Prozess der Prüfung eingeleitet, am Ende werde neben einem Beitrag mit als falsch erkannten Informationen ein entsprechender Warnhinweis stehen, sowie eventuell ein Link zu einem Artikel mit tatsächlichen Fakten. "Das Posting an sich verschwindet nicht auf der Plattform, wir verstecken es nicht, Leute können es weiterhin teilen". Der Warnhinweis bleibe aber bei der weiteren Verbreitung angeheftet. "Es kann auch sein, dass wir bei unglaubwürdigen Artikeln die Sichtbarkeit reduzieren."

Facebook will gefälschte Nachrichten in Deutschland bekämpfen
Facebook will gefälschte Nachrichten in Deutschland bekämpfen

Gegen Klickschleudern mit Fälschungen vorgehen

Im US-Wahlkampf sollen einige ein gutes Geschäft damit gemacht haben, aufsehenerregende Nachrichten zu erfinden: Sie wurden von Nutzern angesehen und weiterverbreitet - und die dabei angezeigte Werbung ließ bei den Autoren die Kassen klingeln. Dagegen will Facebook nun vorgehen, wie in den USA bereits Mitte Dezember angekündigt wurde. "Wenn es sich um Klickschleudern handelt, die in der Vergangenheit schon häufiger mit Fälschungen aufgefallen sind, könnte es für das System ein Signal sein, sie eher herauszufiltern", erklärte Bülow. Facebook will dabei die finanziellen Anreize für Spammer bekämpfen. In diesem Zusammenhang sollen die bestehenden Richtlinien proaktiver durchgesetzt werden.

Correctiv bekommt kein Geld von Facebook. "Wir sind überzeugt, dass alles getan werden muss, um der Verbreitung von gefälschten Nachrichten in sozialen Netzwerken entgegenzutreten", erklärte der Leiter des Recherchezentrums, David Schraven. Facebook will auch weitere Partner für den Kampf gegen gefälschte Nachrichten gewinnen.

Zudem ist sich Facebook bewusst, dass dies ein Fortschritt sei, aber in Zukunft noch viel getan werden müsse. Auch in anderen Ländern sollen diese Neuerungen eingeführt werden. Im September 2016 hatten Datenschützer ein härteres Vorgehen gegen Hasskommentare auf Facebook gefordert.

In einem Editorial haben wir bereits näher erläutert, was man generell gegen Hass- und Falschmeldungen im Netz machen kann sowie welche Lösungen sinnvoll sind und welche nicht.

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