Neugierige Anwendung

Weiterer Facebook-Skandal: App sammelt Daten über Anrufe und SMS

Derzeit steht das soziale Netzwerk Facebook aufgrund eines großen Daten-Skandals am Pranger, die Ausmaße scheinen noch größer zu sein als bisher vermutet. So sammeln auch die Apps des Konzerns vertrauliche Informationen.
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Der Facebook-Skandal geht in die nächste Runde, denn wie sich herausstellte, sammelt auch die App des sozialen Netzwerks umfangreich Daten der Anwender. Konkret geht es um die Chronik von SMS und Telefonaten auf Android-Mobilgeräten. Dabei werden unter anderem die Telefonnummern, die Anrufdauer und der im Adressbuch eingetragene Name festgehalten. Der Inhalt von SMS bleibt zwar verborgen, davon abgesehen finden allerdings sämtliche Metadaten der Kurznachrichten den Weg zu Facebook. Der Konzern bezog bereits Stellung und betont, dass es sich bei dieser Speicherfunktion um eine freiwillige Option handelt.

Facebook erneut in der Bredouille

Das ohnehin nicht allzu hohe Vertrauen in das soziale Netzwerk Facebook wurde vor rund einer Woche vollends erschüttert. Wie wir berichteten, wurden durch die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica illegal Daten von rund 50 Millionen Nutzern gesammelt. Mark Zuckerberg, Gründer und Chef von Facebook, entschuldigte sich bereits umfassend für den Vorfall, doch nun kam eine weitere beunruhigende Nachricht ans Tageslicht. Dylan McKay, Facebook-User aus Neuseeland, lud sein Archiv der Plattform herunter und war geschockt über dessen Inhalt. Es befinden sich nicht nur Facebook-relevante Informationen in diesem Archiv, sondern auch sensible-Smartphone Daten. Der Anrufverlauf und Metadaten von SMS werden in einem Zeitraum von zwei Jahren samt der kompletten Kontaktliste in diesem Daten-Depot abgespeichert. McKay beklagte, nicht über das Sammeln solcher Daten informiert worden zu sein. Sie gelangen unter diesem Link zu einer Hilfe-Sektion von Facebook, die Ihnen erklärt, wie Sie ihr persönliches Archiv herunterladen.

Die Facebook-Android-Apps speichern sensible Daten
Die Facebook-Android-Apps speichern sensible Daten

Facebooks Reaktion überzeugt nicht vollends

Das soziale Netzwerk reagierte kürzlich auf die Anschuldigungen des Neuseeländers. Man könne das Speichern der Kommunikationsdaten als Option wahrnehmen. Die Archivierung sei ein freiwilliges Angebot der Apps Facebook Lite und Facebook Messenger. Zuckerbergs Unternehmen betont, dass man keine der archivierten Daten verkauft. Die Kontaktdaten sollen zudem nur für Freundschaftsvorschläge genutzt werden. Wie Ars Technica konterte, hätten ältere Android-Versionen ein Berechtigungssystem, das nicht auf eine Zustimmung des Anwenders besteht. Des Weiteren sei die Zustimmung für das Daten-Sammeln in der App selbst im Vorfeld aktiviert, weshalb es sich um keine freie Wahl handeln würde.

Im Skandal um die unerlaubte Nutzung der Daten von Millionen Facebook-Nutzern hat sich das Unternehmen verpflichtet, alle Betroffenen zu informieren. Das rang Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) Facebook-Vertretern in einem Gespräch ab.

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