Enhanced Voice Service

Full-HD-Voice fürs Smartphone

Am Fraunhofer-Institut wurde eine neue Audiotechnologie entwickelt, mit der die Sprachqualität bei mobilen Telefonaten entscheidend verbessert wird. Die Forscher sprechen von Full-HD-Voice.
Von mit Material von dpa
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Telefonieren kann ganz schön anstrengend sein: Dumpfe, verzerrte Stimmen und laute Hintergrundgeräusche - gerade wenn der Sprecher mit dem Smartphone draußen unterwegs ist. Da können längere Gespräche oder gar Konferenzen mit mehreren Teilnehmern schnell zur Qual werden. Denn an der Sprachqualität von Telefongesprächen hat sich seit 100 Jahren vergleichsweise wenig verändert. "Die Qualität ist eigentlich stehengeblieben", sagt Manfred Lutzky. Der Forscher vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen hat eine neue Audiotechnologie mitentwickelt, die schon bald für ein völlig anderes Telefonier-Erlebnis sorgen könnte. Das Fraunhofer-Institut will Enhanced Voice Service die Sprachqualität bei Handy-Gesprächen verbessern.Das Fraunhofer-Institut will Enhanced Voice Service die Sprachqualität bei Handy-Gesprächen verbessern.

Es ist ja auch verrückt: Smartphones nehmen inzwischen hochauflösende Videos auf und machen bessere Fotos als manche Digitalkameras. Nur beim Telefonieren geben wir uns noch immer mit vergleichsweise schlechter Sprachqualität zufrieden. Mit herkömmlicher Technik wird bei einem Telefongespräch gerade mal eine Bandbreite von 3,5 Kilohertz wiedergegeben. Das ist nicht einmal ein Fünftel des vom Menschen wahrnehmbaren Audiospektrums, das von 20 Hertz bis 20 Kilohertz reicht. "Auch modernere Verfahren wie HD-Voice machen bei sieben Kilohertz Schluss", sagt Lutzky.

Full-HD-Voice kommt

Die Lösung könnte das Verfahren Enhanced Voice Services (EVS) sein. Lutzky spricht auch von Full-HD-Voice. Mit EVS ist es möglich, die komplette vom Menschen wahrnehmbare Audiobandbreite zu übertragen. "Telefongespräche hören sich dann so an, als stünde man im selben Raum", sagt Lutzky. Im Moment arbeiten die Chiphersteller daran, die neue Technik zu integrieren. Der Fraunhofer-Forscher rechnet damit, dass es im nächsten Jahr die ersten Smartphones, die EVS nutzen, zu kaufen gibt. Einen genauen Termin konnten Gerätehersteller wie etwa Samsung noch nicht nennen.

Wir hatten auf dem Mobile World Congress in Barcelona die Gelegenheit, EVS mit speziell ausgerüsteten LTE-Smartphones zu testen. Das Ergebnis war beeindruckend: Mit EVS war der Gesprächspartner wirklich glasklar zu verstehen, vor allem Konsonanten und Zischlaute wurden deutlich besser übertragen, wodurch das Gehörte viel besser zu verstehen ist. Musikbeispiele, die mit EVS codiert wurden, haben fast CD-Qualität - das spielt in der Praxis zwar erstmal keine große Rolle, aber die Klangunterschiede sind anhand von Musikbeispielen natürlich besonders gut zu demonstrieren.

Interesse bei den Netzbetreibern

Die besonders gute Nachricht ist, dass EVS bei den Netzbetreibern mittlerweile auf großes Interesse stößt: "Gute Sprachqualität ist ein wichtiges Argument beim Verkauf", erklärt Dirk Ellenbeck von Vodafone. Lange hätten die Verbraucher beim Handykauf auf andere Dinge geachtet. Bessere Prozessoren oder größere Displays etwa. Inzwischen rückten Kernthemen wie eine gute Sprachqualität wieder stärker in den Fokus. "Der Kunde erwartet das", sagt Ellenbeck.

Videotelefonie-Dienste über das Internet wie Skype oder Facetime bieten Full-HD-Qualität schon länger - und dazu meist kostenlos. Nur verhindern die heutigen mobilen Datennetze häufig ein stabiles Gespräch. Die vierte Mobilfunkgeneration LTE kann nun auch zur Übertragung von normalen Handygesprächen genutzt werden - das Stichwort lautet hier VoLTE.

Vodafone und o2 bieten Voice over LTE bereits an, die Telekom will in Kürze nachziehen, derzeit werden die entsprechenden Einstellungen für die Endgeräte vorbereitet. Für das iPhone 6 und 6 Plus hat die Telekom bereits ein Voice-over LTE-Profil frei geschaltet. Damit können die Kunden, wenn der Dienst dann tatsächlich verfügbar ist, auch von einer besseren Sprachqualität profitieren. "Genau dafür wurde EVS entwickelt", sagt Lutzky. Allerdings ist derzeit auch mit Voice over LTE bei sieben Kilohertz Schluss. Wird der neue Codec integriert, ist die volle Audiobandbreite möglich.

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