Europa Notruf

Automatisches Notrufsystem startet EU-weit

Heute startet der offizielle Betrieb von ecall, dem automatischen europäischen Notruf über Mobilfunk. Alle ab heute zugelassenen Fahrzeuge müssen mit dem Notrufsystem ausgestattet sein.
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Am 1. April 2018 ist der europäische Notruf ecall gestartetAm 1. April 2018 ist der europäische Notruf ecall gestartet Kein Aprilscherz: Das europaweite automatische Notrufsystem "eCall" soll ab heute EU-weit zum Einsatz kommen. eCall soll wesentlich dazu beitragen, Rettungseinsätze zu beschleunigen und effizienter zu gestalten.

Schnellere Alarmierung kann Menschenleben retten

„Wir gehen davon aus, dass durch eCall in der Europäischen Union mehrere hunderte Menschenleben pro Jahr gerettet werden können“, erklärt Evelyne Gebhardt, Verbraucherschutzexpertin der SPD im Europäischen Parlament dazu.

Mit eCall (für emergency call oder auf deutsch "automatischer Notruf") soll im Falle eines Autounfalls mit einem entsprechend ausgerüsteten Fahrzeug der Airbag-Sensor automatisch über das dann hoffentlich erreichbare Mobilfunknetz die örtlich zuständige Notrufzentrale 112 informieren.

Wenn der Airbag anruft

Bei dieser Alarmierung wird ein sogenannter Minimaldatensatz übertragen. Darin sollen unter anderem die Positionsdaten des Unfallfahrzeugs enthalten sein. Zusätzlich wird eine Sprechverbindung zwischen dem Fahrzeug und der Notrufabfragestelle aufgebaut.

Mit dem automatischen Notruf von ecall können die erforderlichen Rettungsmaßnahmen sehr viel schneller als bisher eingeleitet werden, als bei einer Alarmierung auf herkömmlichem Wege, wo die vielleicht ortsfremden Unfallbeteiligten oft den genauen Standort gar nicht oder nicht genau angeben konnten.

Selbst wenn aufgrund von Verletzungen der Fahrzeuginsassen keine Sprechverbindung zustande kommt, kann die Notrufabfragestelle trotzdem die Hilfeleistung einleiten.

Alle Neufahrzeuge müssen mit ecall ausgestattet sein

Ab heute müssen die Auto-Hersteller alle nach dem 31. März typengeprüften Neufahrzeuge mit einem eCall-System ausstatten. Die europäische Standardisierung und Normung hat - insbesondere durch die Berichterstattung von Boulevardmedien - bei nicht wenigen Menschen grundsätzlich einen schlechten Ruf. Dabei hilft das eCall-System.

Die meiste, wenn auch kleinteilige Produktnormierung durch die Europäische Union hilft nicht nur den Wirtschaftsunternehmen länderübergreifend den europäischen Binnenmarkt zu erschließen, sondern gewährleistet auch einen „einheitlichen und qualitativ hochwertigen Verbraucherschutzstandard“, worauf es der Vize-Präsidentin des Europäischen Parlaments, Evelyne Gebhardt ankommt.

Der möglicherweise lebensrettende Zeitraum zwischen einem Unfallereignis und der Verständigung der Rettungskräfte soll nach Schätzungen der EU-Kommission mitfilfe von eCall um bis zu 60 Prozent reduziert werden können. Selbst, wenn Unfallopfer in ihrem Fahrzeug nicht mehr ansprechbar sind, können Rettungskräfte durch die Übermittlung weniger Daten helfen.

Basisversion kostenlos - manueller Notrufknopf inklusive

Über einen separaten "Notruf" Knopf im Auto kann das System auch von den Fahrzeuginsassen oder Passanten, die zu einem Unfall später dazu kommen, ausgelöst werden. Die Basisversion des ecall wird für den Benutzer kostenlos sein, d.h. es fallen keine einmaligen oder regelmäßigen Kosten an. Denkbar ist, das Fahrezughersteller oder Dienstleister erweiterte Dienste anbieten könnten, bis hin zum elektronischen Fahrtenbuch, was für Versicherungen zur Schadensermittlung interessant wäre, aber auch datenschutzrechtlich "heikel" sein könnte.

Hoffentlich gibt es Netz vor Ort

Hoffen wir nur, dass bald möglichst viele Autos mit ecall ausgerüstet sind und am Unfallort ausreichend Netzversorgung mit der passenden Funktechnologie besteht.

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