Beschluss

EU-Roaming: Mobiles Surfen ab 2014 für maximal 20 Cent pro MB?

Industrieausschuss des EU-Parlaments legt sich auf Vorschlag fest
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Der besonders einflussreiche Industrie­ausschuss des EU-Parlaments hat sich heute für deutlich geringere EU-Roaming-Preise ab Juli dieses Jahres ausgesprochen. Die bislang noch gültige, zweite EU-Roaming-Verordnung, läuft am 30. Juni dieses Jahres aus.

Die zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes hatte sich - wie berichtet - bereits für eine weitere, deutliche Absenkung der Höchstpreise im Euro-Tarif ausgesprochen. Einigen EU-Parlamentariern waren die von Kroes vorgeschlagenen neuen Maximalpreise jedoch noch nicht tief genug - und so will nun auch der Industrieausschuss deutlich geringere Roaming-Preise als von Kroes geplant.

Neue Roaming-Verordnung soll bis Sommer 2015 gelten

EU-RoamingNach dem Beschluss des EU-Industrie­ausschusses soll Roaming in der EU bald noch einmal deutlich günstiger werden "Wir müssen wirklichen Wettbewerb unter den Mobilfunk-Netzbetreibern erzeugen und faire Roaming-Preise für EU-Bürger im Urlaub oder auf Geschäftsreise sicherstellen", sagte die deutsche Berichterstatterin Angelika Niebler (CSU). Die dritte Stufe der EU-Roaming-Verordnung soll bis zum 30. Juni 2015 - also zunächst weitere drei Jahre - gültig sein und die Roaming-Höchstpreise in drei Stufen - jeweils zum 1. Juli 2012, 1. Juli 2013 und 1. Juli 2014 - weiter absenken.

Nach dem Vorschlag des Industrie­ausschusses sollen die Preise für abgehende Gespräche auf 25 Cent (dieses Jahr), 20 Cent (2013) beziehungsweise 15 Cent pro Minute (2014, Preise jeweils netto) absinken. Damit würde ein aus dem EU-Ausland geführtes Roaming-Telefonat einen deutschen Kunden ab Juli 2014 nur noch knapp 18 Cent pro Minute inklusive Mehrwertsteuer kosten. Im EU-Ausland angenommene Gespräche sollen mit maximal 8 Cent, 7 Cent beziehungsweise 5 Cent pro Minute berechnet werden dürfen.

Auch die Preise für Kurzmitteilungen sollen weiter sinken. Bislang dürfen die Anbieter maximal 11 Cent netto pro Roaming-SMS verlangen. Dieser Preis soll ebenfalls auf maximal 5 Cent (für deutsche Kunden also maximal 5,95 Cent) ab Juli 2014 fallen.

Der neue Euro-Tarif nach den ursprünglichen Plänen von Neelie Kroes

Euro-Tarif seit 01.07.2011 ab 01.07.2012 ab 01.07.2013 ab 01.07.2014
Abgehende
Gespräche
41,65 1)
(netto: 35)
38,08
(netto: 32)
33,32
(netto: 28)
28,56
(netto: 24)
Ankommende
Gespräche
13,09 2)
(netto: 11)
13,09
(netto: 11)
11,90
(netto: 10
11,90
(netto: 10)
SMS 13,09
(netto: 11)
11,90
(netto: 10)
11,90
(netto: 10)
11,90
(netto: 10)
Mobile Daten 3) - 107,10
(netto: 90)
83,30
(netto: 70)
59,50
(netto: 50)
Preise in Cent pro Minute bzw. pro SMS oder MB.
1) Taktung: 30/1;   2) Taktung: 1/1;   3) Abrechnung im 1-kB-Takt

Mobiles Surfen soll ab 2014 nur noch maximal 20 Cent pro MB kosten dürfen

Wie berichtet, soll ab Sommer dieses Jahres auch erstmals ein Höchstbetrag für mobile Daten festgelegt werden. Bislang waren hier nur die Großhandelspreise - also die Entgelte, die sich die Anbieter gegenseitig in Rechnung stellen - reguliert. Dennoch verlangten viele Anbieter von ihren Endkunden noch immer hohe Preise pro Megabyte für das Surfen innerhalb der EU.

Daher soll mobiles Internet innerhalb der EU ab 2014 nur noch maximal 20 Cent pro MB kosten dürfen. Dies entspricht knapp 24 Cent in Deutschland - ein Betrag, der ohne gebuchte Datenoption selbst hierzulande nur bei günstigen Mobilfunk-Discountern möglich ist. Schon ab Juli soll der Höchstpreis auf maximal 50 Cent / MB, ab Juli 2013 auf 30 Cent / MB (jeweils netto) sinken.

Der neue Euro-Tarif nach dem heutigen Beschluss des Industrieausschusses

Euro-Tarif seit 01.07.2011 ab 01.07.2012 ab 01.07.2013 ab 01.07.2014
Abgehende
Gespräche
41,65 1)
(netto: 35)
29,75
(netto: 25)
23,80
(netto: 20)
17,85
(netto: 15)
Ankommende
Gespräche
13,09 2)
(netto: 11)
9,52
(netto: 8)
8,33
(netto: 7
5,95
(netto: 5)
SMS 13,09
(netto: 11)
9,52
(netto: 8)
8,33
(netto: 7
5,95
(netto: 5)
Mobile Daten - 59,50
(netto: 50)
35,70
(netto: 30)
23,80
(netto: 20)
Preise in Cent pro Minute bzw. pro SMS oder MB.
1) Taktung: 30/1;   2) Taktung: 1/1

Kunden können separate Roaming-Verträge für Auslandsaufenthalte abschließen

Wie schon von Neelie Kroes geplant, sollen Kunden ab 1. Juli 2014 zudem separate Roaming-Verträge neben ihrem heimischen Mobilfunk-Vertrag abschließen können. Dabei sollen sie ihre Mobilfunknummer behalten und für das EU-Ausland somit separate Verträgen mit anderen Anbietern - europaweit - abschließen können. So wäre es möglich, für einen Aufenthalt in Spanien den einen und für einen Urlaub in Frankreich einen anderen Roaming-Anbieter auswählen zu können. Bei Grenzübertritt soll das Handy dann automatisch auf den jeweils gewählten Roaming-Betreiber umschalten.

Dabei kann der Roaming-Anbieter seinen Sitz auch in einem ganz anderen Land haben, so dass ein deutscher Kunde anlässlich eines Urlaubs in Belgien auch das Angebot eines polnischen Roaming-Anbieters wählen könnte - denn grundsätzlich sollen alle Anbieter auf alle Netze in allen EU-Staaten per festgelegter Großhandelspreise Zugang erhalten.

Konditionen stehen noch nicht final fest

Das EU-Parlament muss dem Vorschlag seines Industrie­ausschusses noch zustimmen. Dies könnte, heißt es bei der EU, im April geschehen. Zudem muss auch der EU-Rat die neue Roaming-Verordnung billigen - Änderungen des dargestellten Konzepts sind also durchaus noch möglich.

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