Themenspecial Reise und Roaming Kreise

EU-Roaming: Neelie Kroes plant offenbar massive Absenkung

EU-Kommissarin will konkrete Endkundenpreise für mobile Daten festschreiben
Von Marc Kessler

Neelie Kroes EU-Vizepräsidentin Neelie Kroes
Foto: EU-Kommission
Die EU-Kommission plant politischen Kreisen zufolge offenbar eine massive Absenkung der Roaming-Gebühren ab dem Jahr 2012. Die derzeit gültige EU-Roaming-Verordnung, deren letzte Stufe zum 1. Juli dieses Jahres in Kraft tritt, gilt noch bis zum 30. Juni 2012. Aktuell dürfen abgehende Gespräche im EU-Ausland nach geltendem Euro-Tarif maximal gut 46 Cent (netto: 39 Cent) kosten, die Annahme eingehender Telefonate in Euro-Ländern kostet maximal knapp 18 Cent (netto: 15 Cent). Der Versand einer SMS aus EU-Staaten kostet inklusive deutscher Mehrwertsteuer derzeit maximal gut 13 Cent (11 Cent netto).

Kroes will maximale Endkundenpreise für mobiles Internet festlegen

Neelie Kroes EU-Vizepräsidentin Neelie Kroes
Foto: EU-Kommission
Wie unter anderem die New York Times (NYT) berichtet, will EU-Kommissarin Neelie Kroes ab dem Jahr 2012 erstmals ein Preislimit für die Übertragung mobiler Daten einführen. Bislang gibt es hier nur ein Limit für diejenigen Entgelte, die sich die Anbieter gegenseitig in Rechnung stellen (ab 1. Juli 2011: 50 Cent netto). Immerhin schreibt die EU-Roaming-Verordnung mit Wirkung vom 1. Juli 2010 vor, dass die Anbieter einen "Cut-off-Mechanismus" einführen mussten, der - sofern der Kunde kein höheres Limit festgelegt hat - ab Erreichen eines Betrages von 50 Euro netto (in Deutschland also 59,50 Euro brutto) das Daten-Roaming automatisch beendet. Angesichts teilweise nach wie vor sehr hoher Megabyte-Preise kann dieser Höchstbetrag aber sehr schnell erreicht werden.

Ab Juli 2014 nur noch 59,5 Cent pro MB für deutsche Kunden im EU-Ausland?

Der von Kroes für das mobile Surfen geplante Höchstbetrag soll der NYT zufolge bei 90 Cent (netto) pro MB ab 1. Juli 2012 liegen, ab 1. Juli 2013 auf 70 Cent sinken und ab 1. Juli 2014 schließlich 50 Cent pro MB (für deutsche Kunden also knapp 60 Cent pro MB) betragen. Auch die Preise für Roaming-Gespräche innerhalb der EU sollen weiter sinken: Neelie Kroes will den Minutenpreis für abgehende Gespräche ab Juli 2014 offenbar auf 24 Cent (rund 28,6 Cent in Deutschland) - und damit von den derzeitigen 39 Cent netto (brutto: gut 46 Cent) sehr deutlich - absenken.

Auch Roaming-Gespräche und -SMS sollen deutlich günstiger werden

Euro-Tarif ab 01.07.2011 ab 01.07.2014 (?)
Abgehende
Gespräche
41,65 1)
(netto: 35)
28,56
(netto: 24)
Ankommende
Gespräche
13,09 2)
(netto: 11)
11,09
(netto: 10)
Mobile Daten - 59,5
(netto: 50)
SMS 13,09
(netto: 11)
9,52
(netto: 8)
Preise in Cent pro Minute bzw. pro SMS / pro MB.
1) Taktung: 30/1
2) Taktung: 1/1
Auch die Roaming-Gebühren für die Annahme von Gesprächen im EU-Ausland sollen sinken: Ab Juli 2014 sollen die Mobilfunk-Anbieter nur noch maximal 10 Cent netto (in Deutschland knapp 12 Cent brutto) betragen dürfen. Hier fällt die Senkung aber eher gering aus, da bereits ab Juli dieses Jahres ein Höchstbetrag von 11 Cent (netto) pro Minute gilt - für deutsche Kunden also gut 13 Cent.

Letztlich soll auch der Höchstpreis für den Versand von SMS außerhalb des Heimatlandes sinken. Eine SMS aus einem EU-Land soll demnach ab 1. Juli 2014 künftig maximal 8 Cent netto kosten dürfen (gut 9,5 Cent brutto), bislang sind maximal 11 Cent netto (gut 13 Cent brutto für Deutsche) zulässig. Damit würde eine SMS aus dem EU-Ausland nach Deutschland etwa nur noch so viel kosten wie innerdeutsch bei den meisten Prepaid-Discountern. In deutschen Vertragstarifen kostet der innerdeutsche SMS-Versand oft noch immer teure 19 Cent.

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