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EU-Regulierung: Erste Netzbetreiber streichen Roaming-Funktion

Der österreichische Mobilfunk-Netzbetreiber "Drei" schaltet Roaming auch für Bestandskunden ab Mitte Juni ab. Das Unternehmen fürchtet finanzielle Verluste durch Einführung des neuen EU-Roamings.
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Zum 15. Juni sollen Roaming-Aufschläge für die Mobilfunk-Nutzung innerhalb der Europäischen Union der Vergangenheit angehören. Smartphone-Besitzer können ihren Tarif dann grenzüberschreitend genauso nutzen wie in ihrem Heimatland - so zumindest in der Theorie. Die Praxis sieht so aus, dass erste deutsche Mobilfunk-Discounter mittlerweile Tarife auf den Markt gebracht haben, die den Auslands-Einsatz erst gar nicht vorsehen.

In Österreich zieht mit Drei nun auch ein Netzbetreiber die Notbremse, wie die Tageszeitung Der Standard in ihrer Online-Ausgabe berichtet. So soll bei insgesamt 19 Datentarifen des Unternehmens ab 16. Juni International Roaming gar nicht mehr möglich sein. Das betrifft nicht nur neue Angebote, sondern auch Verträge von Bestandskunden.

Drei will die Verträge betroffener Kunden dem Bericht zufolge entsprechend ändern. Die Nutzer sollen ein außerordentliches Kündigungsrecht für den Fall bekommen, dass sie mit der Einschränkung nicht einverstanden sind. Betroffen sind dem Bericht zufolge nur Verträge, die auch eine Flatrate für die mobile Internet-Nutzung enthalten und bei denen auch keine Drosselung der Übertragungsgeschwindigkeit nach Verbrauch einer bestimmten Datenmenge vorgesehen ist.

Im Einkauf greift keine Flatrate

Erste Netzbetreiber können oder wollen sich Gratis-Roaming nicht leistenErste Netzbetreiber können oder wollen sich Gratis-Roaming nicht leisten Hintergrund der Maßnahme ist, dass zwar die Kunden ihre Tarife ins Ausland mitnehmen können, die Netzbetreiber untereinander aber keineswegs Flatrates abrechnen. Vielmehr gibt es auch für die Großhandelspreise klare Vorgaben. So zahlt ein Anbieter ab Mitte Juni für ein Gigabyte Datenverkehr im EU-Ausland 7,70 Euro. Bis 2022 soll der Preis schrittweise auf 2,50 Euro sinken.

Wenn Kunden nun also eine Daten-Flatrate zur Verfügung haben, die eigentlich für die Nutzung innerhalb des eigenen Mobilfunknetzes gedacht und kostenmäßig nie für Roaming kalkuliert war, kann es schnell passieren, dass das neue EU-Roaming für den Netzbetreiber oder Provider zum Zuschussgeschäft wird. Von den deutschen Mobilfunk-Netzbetreibern gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass ähnliche Modelle wie in Österreich geplant sind und auch Bestandskunden um ihre Tarife bangen müssen.

Vor allem bei der Deutschen Telekom und bei Vodafone ist es schon jetzt möglich, die innerdeutsche Dreifach-Flatrate eines Smartphone-Tarifs ins Ausland mitzunehmen. o2 begrenzt die monatliche Datenmenge derzeit auf 1 GB. Zudem ist bei o2 der SMS-Versand nicht inklusive. Unser Roaming-Ratgeber hält weitere Informationen zur Mobilfunk-Nutzung im Ausland bereit.

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