5G

EU räumt 700-MHz-Frequenzen für Mobilfunk

Bis 2020 will die EU das 700-MHz-Band vom Fern­sehen befreit haben und für Mobil­funk bereit­stellen. Es soll 5G in der Fläche voran­bringen.
Von Thorsten Neuhetzki
AAA
Teilen (13)

Deutsch­land hat schon 2015 Frequenzen um 700 MHz an die Mobil­funk­anbieter verstei­gert und war damit in Europa ein Vorreiter. Bis heute können die Frequenzen aber nicht wirk­lich einge­setzt werden. Das liegt unter anderem daran, dass sie in den Nach­barlän­dern aber auch in Teilen Deutsch­lands noch für Fern­sehen per Antenne genutzt werden. Das soll sich ändern: Der Rat der Euro­päischen Union hat heute einen Beschluss ange­nommen, der vorsieht, dass die Frequenzen künftig dem Mobil­funk zuge­spro­chen werden. Dabei geht es der EU vor allem um die Einfüh­rung von 5G. Die EU räumt 700-MHz-Frequenzen für 5GDie EU räumt 700-MHz-Frequenzen für 5G

Mit dem Beschluss soll sicher­gestellt werden, dass in allen EU-Mitglied­staaten "hoch­wertige Funk­frequenzen" für draht­lose Breit­band-Dienste zur Verfü­gung stehen. Dazu soll die EU-weite koor­dinierte Nutzung des 700-MHz-Bands beitragen. Dieses Spek­trum ermög­licht es, Online-Dienste wie vernetzte Fahr­zeuge und eHealth nicht nur in den Städten, sondern auch in länd­lichen und abge­legenen Gebieten zu entwi­ckeln und anzu­bieten, da die Reich­weite dieser Frequenzen höher ist als die von Frequenzen im Bereich von 3,5 GHz oder mehr und so mit weniger Sendern viel mehr Fläche abge­deckt werden kann.

Frequenz­nutzung zum 5G-Start

Durch den Beschluss erhalten Mobil­funk­betreiber spätes­tens zum 30. Juni 2020 den allei­nigen Zugang zum 700-MHz-Band (694-790 MHz). In diesem Zeit­rahmen wird aller Voraus­sicht nach die Einfüh­rung der 5G-Netze in Europa statt­finden. Die Mitglied­staaten können diese Umwid­mung bis zu zwei Jahre hinaus­zögern, aller­dings nur in bestimmten Fällen, die in dem Beschluss fest­gelegt sind und entspre­chend gerecht­fertigt sein müssen, heißt es vom EU-Rat.

Das 700-MHz-Band gehört zum 470- bis 790-MHz-Spek­trum, das derzeit vor allem für digi­tales Fern­sehen und draht­lose Mikro­fone bei verschie­denen Veran­stal­tungen genutzt wird. Um zu gewähr­leisten, dass auch nach der Umwid­mung des oberen Spek­trums noch genü­gend Frequenzen für den audio­visu­ellen Sektor zur Verfü­gung stehen, werden Rund­funk­dienste je nach Bedarf in den einzelnen Ländern im Frequenz­band unter 700 MHz (470-694 MHz) noch mindes­tens bis 2030 weiterhin Prio­rität haben. Zudem haben die Mitglied­staaten die Möglich­keit, das Frequenz­band ander­weitig zu nutzen, sofern dies mit dem Rund­funk­bedarf vereinbar ist. Alle EU-Länder müssen bis Ende Juni 2018 einen Plan für die Durch­führung der Neuzu­weisung vorlegen.

Deutsch­land dürfte zu den ersten Ländern gehören, in denen das 700-MHz-Band für Mobil­funk­dienste genutzt wird. In Ballungs­zentren sind die Frequenzen bereits vom Fern­sehen geräumt worden. Die Telekom wird dem Vernehmen nach jedoch wohl zunächst LTE auf den Frequenzen einsetzen.

Podcast zu Frequenzen

In unserem Podcast "Strip­penzieher und Tarif­dschungel" sind wir in einer aktu­ellen Folge auf die Mobil­funk­frequenzen in Deutsch­land und die Pläne einge­gangen. Hier können Sie direkt in die Folge rein­hören oder als MP3 herun­terladen:

als mp3 herunterladen

Teilen (13)

Mehr zum Thema Frequenzen