Neuvorstellung

Essential Phone mit Modulen vorgestellt

Schon seit Wochen brodelte die Gerüchteküche, heute ist das Essential Phone offiziell vorgestellt worden. Andy Rubins neues Unternehmen hat ein wahrlich beeindruckendes Gesamtkonzept auf die Beine gestellt.
Von Stefan Kirchner
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Xiaomi hatte mit dem Mi Mix bereits gezeigt, wie viel Display in ein Smartphone passen, beziehungsweise wie handlich ein 6,4 Zoll großes Display sein kann. Heute hat Andy Rubins neues Unternehmen Essential nachgelegt und mit dem Essential Phone ein sehr ähnliches Gerät vorgestellt.

Wie die Vorlage aus China besteht auch das Essential Phone fast nur noch aus Display. Der Rahmen rund um das Display ist schwindend gering gehalten, sodass es trotz 5,71-Zoll-Diagonale deutlich handlicher als vergleichbare Modelle ausfällt. Die Auflösung ist mit 1312 mal 2560 Pixel vergleichsweise ungewöhnlich, ebenso das 19:10-Seitenverhältnis.

Technik vom Feinsten

Essential Phone PH-1Rahmenlos und widerstandsstark: Das Essential Phone Auf dem Blatt Papier bedeutet das Gehäusemaße von 141,5 mal 71,1 mal 7,8 Millimeter, womit das Essential Phone minimal kürzer sowie breiter ist verglichen mit dem Samsung Galaxy S8. Damit das Display nicht sofort kaputt geht bei einem Sturz auf harten Beton, ist der Rahmen aus Titan gefertigt. Auf der Website des Unternehmens wird in einem Video eindrucksvoll gezeigt, was dieses Material bei einem Sturz auszuhalten vermag. Die Rückseite ist wie beim Xiaomi Mi Mix aus Keramik.

Aber auch im Inneren setzt Essential auf Top-Hardware. So ist der Snapdragon 835 mit acht Kernen verbaut, der auf 4 GB RAM zugreifen kann. Für Apps und Medien stehen 128 GB interner Speicher zur Verfügung, der sich allerdings nicht per microSD-Speicherkarte erweitern lässt. Für eine Speichererweiterung hat das Essential Phone theoretisch eine andere Möglichkeit, aber dazu später mehr.

Trotz des sehr kompakten und flachen Designs packt das Unternehmen einen 3040 mAh fassenden Akku in das Gerät. Dieser lässt sich über die USB-Typ-C-Buchse mit Quick-Charge-Unterstützung wieder aufladen oder alternativ per Induktion auf einer passenden Ladeschale. Dualband WLAN-ac, Bluetooth 5.0, LTE, GPS und NFC komplettieren die Ausstattung im drahtlosen Bereich. Auf eine 3,5-mm-Klinkenbuchse muss man verzichten - ein passender USB-Adapter soll jedoch zum Lieferumfang gehören.

Dual-Kamera und Module

Mit der Dual-Kamera, wovon ein Sensor nur monochrom aufnimmt für mehr Lichtinformationen, ist das Essential Phone kein Vorreiter mehr. Auch die 8 Megapixel auflösende Frontkamera inklusive 4K-Videoaufnahme ist kein Novum mehr. Wo das Essential Phone jedoch Ausrufezeichen setzt, ist das modulare System des Gerätes.

Essential Phone PH-1
Mittels magnetischer Pogo-Pins lässt sich optionales Zubehör einfach anklippsen
Als Vorlage dürfte Motorolas Moto-Mod-Plattform gedient haben, denn genau wie bei dieser lässt sich diverses Zubehör per Magnethalterung direkt an das Smartphone anklippsen. Jedoch geht das System ein Stück weiter und kombiniert das Magnetsystem mit einer drahtlosen Schnittstelle zur Datenübertragung, die bis zu 6 GBit pro Sekunde übertragen kann. Das würde prinzipiell auch Speichererweiterungen möglich machen, die über Geschwindigkeiten einfacher Speicherkarten hinausgeht. Quasi die SSD-Festplatte im Smartphone.

Offene Plattform für alle ohne Bloatware

Zum Anfang wird es von Essential selbst nur eine 360-Grad-Kamera geben, die sich an das Essential Phone anklippsen lässt. Allerdings glaubt Gründer und CEO Andy Rubin an eine offene Plattform, weswegen jeder eigene Module entwickeln kann. Die entsprechenden API-Schnittstellen werden vermutlich zeitnah zum Verkaufsstart veröffentlicht.

Hellhörig wird man auch bei den anderen beiden Leitsätzen des Unternehmens. So sei man der Meinung, dass ein Smartphone auch dem Käufer gehört und er entscheidet, was damit passiert. Darum wird das vorinstallierte Android 7 Nougat ohne jegliche vorinstallierte Apps ausgeliefert. Ob zu der Philosophie auch das gefahrlose Rooten gehört bleibt offen.

Essential Phone PH-1
Zubehör spielt eine große Rolle in der Strategie des Essential Phone
Und der dritte Leitspruch lautet, dass ein Gerät mit dem Besitzer altern sollte. Mit ein Grund, warum sich das Essential Phone per Pogo-Pins um optionales Zubehör erweitern lässt. Auch die verbaute Hardware sollte mehr als ausreichend Leistung gemäß des Leitspruchs bieten.

Teures Vergnügen

Mit 699 US-Dollar ist das Essential Phone in den Farben Black Moon, Stellar Grey, Pure White und Ocean Depths alles andere als ein Schnäppchen. Vorbesteller können die 360-Grad-Kamera für 50 US-Dollar dazu bestellen, separat kostet sie 199 US-Dollar. Zusätzlich kann ein Dock zum drahtlosen Aufladen erworben werden. Auch lässt es sich derzeit nur in den USA vorbestellen, ohne genaues Datum der Auslieferung. Der Hersteller kann dazu noch keine Aussage machen.

Essential Phone PH-1
Starke Hardware in schlichtem und eleganten Design
Vermutlich will man zunächst die Vorbestellphase abwarten und dann entsprechende Einheiten produzieren lassen. Eine Strategie, mit der OnePlus bei seinem ersten Smartphone auch ganz gut gefahren war.

Ob und wann das Essential Phone auch außerhalb der USA bestellbar ist, bleibt offen. Da allerdings schon eine offizielle deutsche Version der Website existiert, inklusive der deutschen Bezeichnungen der vier Farben, dürfte dies nur eine Frage der Zeit sein.

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