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Test: eSIM direkt von iPhone zu iPhone übertragen

eSIMs sollen sich unter iOS 16 per Blue­tooth von iPhone zu iPhone über­tragen lassen. Das klappt auch, aller­dings nur für einen Bruch­teil der Kunden, wie sich im Test gezeigt hat.

Apple setzt künftig auf die eSIM anstelle physi­scher SIM-Karten. Das ist spätes­tens klar, seit die iPhone-14-Gene­ration in den USA bereits ohne Steck­platz für herkömm­liche Betrei­ber­karten ausge­lie­fert wird. Nutzer müssen damit rechnen, dass der SIM-Karten­slot auch in anderen Teilen der Welt über kurz oder lang aus den Smart­phones des ameri­kani­schen Herstel­lers verschwindet - viel­leicht ja schon mit dem iPhone 15 im kommenden Jahr.

Im Rahmen der Keynote anläss­lich der Entwick­ler­kon­ferenz WWDC im Juni hatte Apple aller­dings auch in Aussicht gestellt, dass der Umzug von eSIM-Profilen von iPhone zu iPhone künftig einfa­cher wird. Dazu soll eine Blue­tooth-Verbin­dung zwischen den beiden Mobil­tele­fonen ausrei­chen, wenn als Betriebs­system iOS 16 oder eine neuere Firm­ware-Version zum Einsatz kommt. eSIM von iPhone zu iPhone übertragen eSIM von iPhone zu iPhone übertragen
Foto: teltarif.de

eSIM-Umzug während der Erst­ein­rich­tung des iPhone 14 Pro Max

Wir haben den eSIM-Umzug zwischen einem iPhone 13 Pro Max und einem iPhone 14 Pro Max auspro­biert - zuerst im Rahmen der Erst­instal­lation des neuen Smart­phones, bei dem auch Konfi­gura­tion und Apps vom ein Jahr alten Gerät über­nommen wurde. Im iPhone 13 Pro Max wurde eine Nano-SIM-Karte der Deut­schen Telekom genutzt. Dazu kamen eSIM-Profile von Voda­fone und o2.

Im Rahmen der Inbe­trieb­nahme des iPhone 14 Pro Max wurde die Über­nahme der Telekom-Rufnummer vom iPhone 13 Pro Max ange­nommen. Aus der Nano-SIM wäre ein eSIM-Profil geworden. Die Möglich­keit, physi­sche SIM-Karten von der Telekom in eine eSIM zu wandeln, bestand auch direkt auf dem iPhone 13 Pro Max - auch vor dem Umstieg auf iOS 16. Neu war der gleich­zei­tige Gerä­tewechsel. Übernahme der eSIM von einem "iPhone in der Nähe" Übernahme der eSIM von einem "iPhone in der Nähe"
Screenshot: teltarif.de

Mehr Aufwand für Voda­fone- und o2-Kunden

Ernüch­terung kam auf, weil der direkte Umzug der eSIM-Profile von Voda­fone und o2 nicht möglich war. Wie bisher musste das eSIM-Profil von Voda­fone vom bisher genutzten iPhone 13 Pro Max gelöscht werden. Direkt anschlie­ßend stand das Profil im Mein-Voda­fone-Menü zur erneuten Instal­lation auf dem iPhone 14 Pro Max zur Verfü­gung. Viel einfa­cher ist das Umste­cken der physi­schen SIM-Karte auch nicht.

Sehr unkom­for­tabel ist hingegen der Gerä­tewechsel bei Nutzung eines eSIM-Profils von o2. Über das Mein-o2-Menü muss eine "Ersatz­karte" für das im "alten" Gerät verwen­dete eSIM-Profil bestellt werden. Dieses steht nach knapp zehn Minuten Warte­zeit zur Verfü­gung und konnte auf dem iPhone 14 Pro Max instal­liert werden. Danach musste das alte Profil - eben­falls über das Kunden-Menü der o2-Webseite - deak­tiviert werden, wodurch das neu instal­lierte Profil gleich­zeitig akti­viert wird.

eSIM-Umzug im "laufenden Betrieb"

In einem weiteren Test wollten wir ein schon vorhan­denes eSIM-Profil von der Deut­schen Telekom vom iPhone 13 Pro Max auf das bereits fertig einge­rich­tete iPhone 14 Pro Max umziehen. Am iPhone 14 Pro Max riefen wir das Menü Einstel­lungen - Mobil­funk auf und klickten auf "eSIM hinzu­fügen". Als Optionen standen das Einscannen eines QR-Codes vom Provider oder aber die Über­nahme des eSIM-Profils von einem anderen iPhone "in der Nähe" zur Verfü­gung.

Wir wählten die Über­nahme vom anderen iPhone. Anschlie­ßend erschien der Hinweis, dass das andere Gerät durch einen Code geschützt und entsperrt sein sowie sich bei akti­viertem Blue­tooth in der Nähe befinden muss. Als weitere Voraus­set­zung wurde iOS 16 genannt. Das ist demnach die Funk­tion, die Apple auf der WWDC ange­kün­digt hatte. Auf dem iPhone 13 Pro Max, das direkt neben dem iPhone 14 Pro Max lag, erschien ein Popup-Fenster mit dem Text "Tele­fon­nummer über­tragen: Eine Tele­fon­nummer von diesem iPhone auf Dein anderes iPhone über­tragen". Wir bestä­tigten die Aktion. Danach erschien am iPhone 14 Pro Max ein sechs­stel­liger Bestä­tigungs­code, der am iPhone 13 Pro Max einge­geben werden musste.

Anzeige der Anfrage zur Rufnummernübertragung auf anderes iPhone Anzeige der Anfrage zur Rufnummernübertragung auf anderes iPhone
Screenshot: teltarif.de
Nun infor­mierte ein Text in einem Popup-Fenster darüber, dass die Rufnummer auf dem "alten" iPhone nicht mehr funk­tio­niert, sobald sie auf das neue Gerät über­tragen wurde. Wie beim Bezahlen einer kosten­pflich­tigen App war noch ein Doppel­klick auf den Ein/Aus-Schalter des iPhone 13 Pro Max erfor­der­lich, um die Über­tra­gung des eSIM-Profils zu starten. Wenige Sekunden später war der Vorgang abge­schlossen. Das iPhone 13 Pro Max war nicht mehr mit dem Mobil­funk­netz verbunden und die eSIM war auf dem iPhone 14 Pro Max aktiv.

Blue­tooth-Über­tra­gung: Test mit fraenk, Voda­fone und o2

Im nächsten Schritt haben wir das eSIM-Profil von der Telekom auf die gleiche Weise zurück auf das iPhone 13 Pro Max über­tragen. Auch das war problemlos möglich. Die Blue­tooth-Über­tra­gung klappt aber in Deutsch­land derzeit nur mit eSIM-Profilen von der Telekom - und zwar nur mit Original-Telekom-Verträgen, nicht aber beispiels­weise mit einem Anschluss der Telekom-Zweit­marke fraenk. Für den Umzug einer fraenk-eSIM mussten wir die Kunden­betreuung bemühen, die das neue Profil aber inner­halb weniger Minuten in der App des Discoun­ters zur Instal­lation bereit­stellte.

eSIM-Profil erfolgreich übertragen eSIM-Profil erfolgreich übertragen
Screenshot: teltarif.de
eSIM-Profile von Voda­fone und o2 können zumin­dest derzeit nicht über Blue­tooth von iPhone zu iPhone über­tragen werden. Der Mehr­wert der von Apple auf der WWDC ange­kün­digten Funk­tion ist somit eher gering, denn eSIM-Profile von der Telekom konnten auch bisher schon problemlos auf ein neues iPhone über­nommen werden. Vorteil jetzt: Dieser Prozess klappt nicht nur im Rahmen der Erst­instal­lation des Tele­fons, sondern zu jedem belie­bigen Zeit­punkt.

Voda­fone und insbe­son­dere o2 sollten nicht nur, sie müssen unbe­dingt nach­bes­sern, um Kunden einen einfa­cheren Umzug von eSIM-Profilen auf neue Mobil­tele­fone zu ermög­lichen. Auch die zahl­rei­chen Discounter, die noch gar keine eSIMs ausgeben, sollten sich darauf einstellen, dass Apple und mögli­cher­weise auch andere Hersteller viel­leicht schon 2023 Mobil­tele­fone auf den Markt bringen, die keine Steck­plätze für herkömm­liche SIM-Karten mehr haben.

Podcast: iPhone 14 Pro ausge­packt und auspro­biert

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