Prognosen

Schon in naher Zukunft: LTE Advanced mit 1 GBit/s im Downstream

Ericsson präsentiert Mobilfunk-Trends und zeigt LTE mit 160 MBit/s
Von Ralf Trautmann

Der durchschnittliche Telekommunikations-Teilnehmer kennt seinen Netzbetreiber für Festnetz oder Mobilfunk, die passende Technik liefern aber natürlich andere. Eine der großen in diesem Markt ist der Netzausrüster Ericsson, der in Berlin unter anderem aktuelle Trends im Mobilfunk-Sektor präsentierte.

LTE kurz vor der Einführung

Der mögliche Datendurchsatz in Mobilfunknetzen steigt rasant: Noch vor einigen Jahren war GPRS mit bis zu 56 kBit/s eine kleine Revolution und löste die leitungsvermittelte Datenübertragung ab. Heute können auch "normale" Nutzer mit durchschnittlichen Endgeräten schon via UMTS oder HSPA surfen, sprich, mit bis zu 384 kBit/s bzw. auch schon mit mehreren MBit/s. Die nächste Stufe, als HSPA+ bezeichnet, soll bis zu geplanten 80 MBit/s im Downstream bieten, im Upstream sollen bis zu 20 MBit/s möglich sein. Auch der Folge-Standard LTE steht schon in den Startlöchern, hier sollen je nach technischen Gegebenheiten bis zu 300 MBit/s im Downstream und 50 MBit/s im Upstream möglich sein, dann wäre hier Schluss.

Laut der Planung bei Ericsson werden 2010 passende Endgeräte auf den Markt kommen. Das Unternehmen zeigte in Berlin (nicht zum ersten Mal) eine passende LTE-Demonstration, bei der zum einen eine ruckelfreie IPTV-Übertragung von drei parallelen Streams mit addiert rund 30 MBit/s zu sehen war, zum anderen ein Datei-Download mit 150 bis 160 MBit/s in der Spitze. Natürlich ist eine solch "künstliche" Testumgebung noch etwas anderes als der reguläre Netzbetrieb, trotzdem zeigt sich, das die Technik offenbar weit fortgeschritten ist.

LTE auch auf dem Land, WiMAX hats noch schwerer

Im Zuge der Verwertung der Digitalen Dividende könnten diesmal auch nicht nur Nutzer in Ballungsgebieten in den Genuss einer hohen Datenrate kommen, sondern auch Interessenten auf dem bisher nicht Breitband-versorgten Land: LTE ist eine der (realistischen) Optionen für die Nutzung des für den drahtlosen Internetzugang neuen Frequenzspektrums. Rechnerisch sind in Deutschland laut Ericsson 5 Millionen Menschen ohne Breitband, wenn Breitband als "mit mindestens 1 bis 2 MBit/s angebunden" definiert wird.

WiMAX dagegen dürfte in Deutschland in eine noch schlechtere Position kommen, als es sowieso schon ist. Nun ist Ericsson ein Netzwerkausstatter, der sich von WiMAX verabschiedet hat, und damit sicherlich bei Prognosen befangen. Es gehört aber nicht viel Phantasie dazu, sich auszumalen, dass bei einer bevölkerungsdeckenden Versorgung des ländlichen Raumes mit schnellem Internet via LTE WiMAX nochmal eine wichtige Existenzgrundlage entzogen wird. Dies gilt um so mehr, als hinter der Mobilfunklösung die großen Netzbetreiber mit hoher Marktmacht stehen.

Nur wird sich der ländliche Bewohner mit ausschließlich schmalbandiger Anbindung in den meisten Fällen wohl über die Breitband-Lösung via Digitaler Dividende freuen, doch diese Freude wird nicht von allen Seiten geteilt: Der Kabelverband ANGA zum Beispiel beklagte in diesem Zusammenhang mögliche Fernseh-Störungen. Von Ericsson indes wurden die "Vorwürfe" zurückgewiesen, die Probleme ließen sich nicht reproduzieren. Die Ursache könnte auch auf Seiten der Kabel-Set-Top-Boxen liegen, die möglicherweise mangelhaft abgeschirmt seien. Bezüglich dieser Einschätzung gilt natürlich auch wieder zu bedenken, auf welcher "Seite" Ericsson steht.

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