Gerettet

Hybrid als Rettung: Kein DSL-Sync im Festnetz

Dass die Netze störungs­frei funk­tio­nieren sollten (und müssen), sollte der Normal­fall sein. Was aber, wenn es zum Jahres­wechsel nicht geht? Gut wenn man eine Backup-Lösung zur Hand hat, z.B. Hybrid.

Der Ort in einer länd­lichen Region wurde relativ spät mit DSL von der Telekom ausge­baut. Anfangs stand das noch auf der Kippe, weil die Telekom von der Orts­gemeinde 270.000 Euro Baukos­ten­zuschuss wollte und die Gemeinde verständ­licher­weise abwinkte. Die Alter­native wäre eine Internet-Verbin­dung per WLAN-Netz über einen kleinen regio­nalen Anbieter gewesen, der sich die Inter­net­signale per Richt­funk aus dem Nach­barort holen wollte. Kaum hatte der erste Kunde dieses WLAN-Internet bestellt, entschied sich die Telekom, doch noch eine Glas­faser in den Orts­kern zu einem DSLAM zu legen. Das war vor etwa 15 Jahren.

Privater Anbieter "erobert" Vermitt­lungs­stelle

Wenn der Speedport gelb/grün meldet, fehlt die Festnetz-Leitung. Wenn der Speedport gelb/grün meldet, fehlt die Festnetz-Leitung.
Foto: Henning Gajek / teltarif.de
Zunächst gab es dort DSL 16.000 später sogar VDSL 50.000. Dann kündigte die Telekom eines Tages allen VDSL-Kunden im Ort die Verträge. Es war ein Effekt einge­treten, der mit der Vecto­ring-Regu­lie­rung in Deutsch­land zu tun hat: Ein privater Konkur­rent hatte schneller als die Telekom den Voll­ausbau des Ortes mit Vecto­ring-DSL ange­kün­digt, die Telekom musste daher den Platz frei machen und ihren Kunden kündigen.

Die Alter­native Hybrid

Die Status-Seite des Routers gibt Aufschluss: Der Festnetz-Zugang ist unterbrochen. Die Status-Seite des Routers gibt Aufschluss: Der Festnetz-Zugang ist unterbrochen.
Screenshot: Henning Gajek / teltarif.de
Die Alter­native für den Autor wäre ein (wesent­lich teurerer) Anbie­ter­wechsel gewesen ... oder Hybrid, was inzwi­schen Magenta ZuHause LTE heißt. Bei dieser Hybrid-Technik wird ein Teil des Internet-Signals über LTE-Mobil­funk empfangen und mit den maximal mögli­chen ADSL 16.000 aus dem Kupfer­kabel "zusam­men­geklebt". Diese Technik hat die Deut­sche Telekom seiner­zeit gemeinsam mit dem Hard­ware­lie­feranten Huawei ausge­tüf­telt. Den Speed­port Hybrid gibt es neu nicht mehr, inzwi­schen kommt der passende Speed­port-Pro-(Plus)-Router von Sage­mcom und die künf­tige Lösung wird mit einem externen 4G/5G-Funk­modul und dem Speed­port Smart 4 von Arca­dyan reali­siert.

Wann gibt es Hybrid?

Hybrid ist eine Alter­native, wenn ein Ausbau des örtli­chen Fest­netzes nicht möglich oder erst für später vorge­sehen ist. Hybrid gibt es nicht überall flächen­deckend. Teil­weise wird Hybrid auch in weit­flä­chigen Regionen (z.B. in Schleswig-Holstein) ange­boten: Dort kann es dann schnell über­lastet sein, wenn zu viele Kunden in einer Zelle unter­wegs sind. Wenn Hybrid funk­tio­niert, lassen sich "unterm" Strich ähnliche oder sogar bessere Down­load-Werte erzielen, wie zuvor aus dem VSDL-Kupfer­kabel. Beim Autor sind es ca. 70 MBit/s down (vorher 50 MBit/s) und knapp 10 MBit/s up (unver­ändert).

Der zweite Vorteil zeigte sich bei einem DSL-Ausfall. Internet und Tele­fonie blieben Dank Mobil­funk weiter möglich. Der Speed­port-Router meldete sich orange/grün. Das bedeutet, das Internet ist noch da, aber der DSL-Sync (aus dem Fest­netz) fehlt. Die Anlei­tung des Routers schlug vor, den Router neu zu starten, wenn diese Fehler­mel­dung nicht verschwinden wollte.

Der Router wurde am Sonntag nach einem halben Tag frisch gestartet, aber das Problem blieb.

Hybrid rettet den Inter­net­anschluss

Während Tele­fonie und Internet möglich blieben, war MagentaTV (Fern­seh­emp­fang übers Internet) über den Media-Receiver nicht mehr nutzbar. Der Grund ist speziell: MagentaTV kommt über ein Telekom internes VPN (virtu­elles privates Netz), das nur über den Fest­netz-Anteil der Hybrid-Verbin­dung funk­tio­niert. Die alter­nativ nutz­bare Webseite web.magentatv.de funk­tio­nierte auch erst richtig, nachdem eine sepa­rate Internet-Verbin­dung über ein Handy erfolgte.

Störung per MeinMagenta App melden

Die Störungs­mel­dung wurde über die MeinMagenta-App (gibt es für Android und iOS) unter dem Kapitel "Service" ausge­löst.

Dazu wird der Kunde verschie­dene Dinge gefragt, die sich auch ohne tiefer­gehende tech­nische Kennt­nisse beant­worten lassen. Relativ neu ist die Weiter­lei­tung auf den Kunden-Service via WhatsApp - wenn der Kunde das wünscht. Hier antwor­tete am Neujahrs-Sonntag nur ein Bot, der ein paar Kunden-Daten abfragte und um ein regu­läres Login in das Telekom-Kunden­center bat. Während diesem Login-Vorgang wurde ein sechs­stel­liger Code ange­zeigt, den der WhatsApp-Bot benö­tigte. Erst jetzt wurde ein Störung­sti­cket erzeugt.

Am Ende gab es eine SMS mit diesem Störung­sti­cket und einem Link zur Status-Seite des Auftrags, was dann in einer sepa­raten E-Mail nochmal wieder­holt wurde.

Kunden­ser­vice antwortet per WhatsApp

Der Kundenservice der Telekom kann auch per WhatsApp erreicht werden. Die Verbindung stellt die MeinMagentaApp her. Der Kundenservice der Telekom kann auch per WhatsApp erreicht werden. Die Verbindung stellt die MeinMagentaApp her.
Sceenshot: Henning Gajek / teltarif.de
Am Montag (3.1.), morgens um 8.37 Uhr, meldete sich per WhatsApp "Mandy aus Rostock" und fragte das Fehler­bild noch einmal ab. Nun löste sie aus der Ferne einen Leitungs­test aus und stellte schnell fest: "Da muss ein Tech­niker zu Ihnen kommen". Als Termin wurde Diens­tag­vor­mittag oder Nach­mittag vorge­schlagen, ich wählte Dienstag zwischen 8 und 12 Uhr. In einer Bestä­tigungs-E-Mail gab es Tipps zum Besuch des Tech­nikers, dem Tragen einer Maske und dem Lüften der Wohnung.

Der Tag der Wahr­heit

Um 8 Uhr tat sich noch nichts. Dann um 11:20 Uhr ein erlö­sender Anruf von einer 0800-33-0xxx-Rufnummer, welche die Telekom-Tech­niker verwenden, um vor ihrem Besuch beim Kunden anzu­rufen und noch­mals Adresse und Zugang zu Anschluss­dosen etc. abzu­klären.

"Ich glaube, ich habe den Fehler gefunden. In der Vermitt­lung war einer von zwei Drähten abge­bro­chen. Da wurde seiner­zeit wohl zu hart gelötet", teilte der Tech­niker mit. Und siehe da, die grüne Lampe am Router leuch­tete bereits wieder. Der Tech­niker kündigte einen weiteren Rückruf an, er werde zwischen­zeit­lich noch ein paar Messungen durch­führen. Auch dieser Rückruf kam: "Alles wieder in Ordnung".

Guter Service sollte Stan­dard sein oder nicht?

Nun wird sich mancher Leser fragen, was daran so beson­ders sei? Sicher haben Sie selbst oder in Ihrem Bekann­ten­kreis auch andere Fälle erlebt - mögli­cher­weise auch mit der Telekom. Zufall oder nicht: Etwa zur glei­chen Zeit meldete sich ein teltarif.de-Leser bei uns. Er ist Kunde bei Voda­fone und wird über Koax­kabel versorgt. Wie sein Fall gelöst wurde, erfahren Sie in einem weiteren Artikel.

Kunden­ser­vice per WhatsApp mit Bauch­grimmen

Zurück zur Telekom: Beim Kunden­ser­vice über WhatsApp werden teil­weise deli­kate Kunden­details abge­fragt. Aller­dings ist auch ein einma­liger Sicher­heits-Code notwendig, der erst nach Login im Kunden­center mitge­teilt wird. Das macht es für "böse Menschen" schon deut­lich schwie­riger. Face­book, pardon Meta, beteuert, die Inhalte der Chats nicht mitlesen zu können. Wollen wir es mal hoffen.

Wer auf den WhatsApp-Chat lieber verzichten möchte, kann weiter wie gewohnt mit dem Telekom-Kunden­ser­vice (0800-3301000 oder 0800-3302000 "Störung" sagen) tele­fonieren.

Und wenn alles vorbei ist?

So sieht es aus, wenn der Router wieder Verbindung hat. So sieht es aus, wenn der Router wieder Verbindung hat.
Screenshot: Henning Gajek / teltarif.de
Auch nach der Störungs­besei­tigung gab es noch eine Rück­mel­dung, dass die Störung behoben ist. Angaben zur Störungs­ursache gab es weder in der SMS noch in der E-Mail, vermut­lich wird die große Mehr­heit der Kunden einfach nur froh sein, wenn wieder alles läuft.

Auch inter­essant: Eine kuriose Sicher­heits­lücke könnte iPhones und iPads lahm­legen.

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