Import

Smartphones & Co.: Fallstricke bei Auslands-Bestellungen

Ob Smart­phone, Tablet oder Kopf­hörer: Wer sich für ein Gerät inter­essiert, das es hier in der Form nicht gibt, findet zahl­lose Online-Händler, die aus dem Ausland liefern - nicht immer problemlos.

Welt­weit dasselbe Sorti­ment bieten die aller­wenigsten Hersteller an. "Vor allem auf dem asia­tischen Markt tummeln sich viele Produkte namhafter Marken, die es in Deutsch­land offi­ziell nicht gibt", sagt Rainer Schuldt von der Computer Bild.

Wer sich etwa für einen bestimmten Verstärker oder ein beson­deres Smart­phone inter­essiert, werde trotzdem fündig, da Import-Händler oder große Online-Markt­plätze welt­weit versenden.

Ein Groß­teil der impor­tierten Elek­tro­geräte komme aus dem asia­tischen Raum, erklärt Ralf Diek­mann vom Tüv Rhein­land. Aber auch aus der Türkei, Groß­bri­tan­nien oder den USA.

Wo sitzt der Händler?

Vor dem Kauf sollten sich Verbrau­cher bewusst machen, wo der Händler sitzt, meint Chris­tian Wölbert vom Fach­magazin c't. Das sei etwa auf den Markt­platz-Seiten nicht auf den ersten Blick zu erkennen: "Ich befürchte, dass viele gar nicht wissen, dass sie von auslän­dischen Händ­lern kaufen."

In Geschäften können Kunden das Gerät aus der Verpa­ckung nehmen lassen, die Verar­bei­tung prüfen, daran riechen, scharfe Ecken und Kanten checken oder in die Anlei­tung schauen, wie Diek­mann darlegt. Diese Möglich­keit gebe es bei einem Online­kauf zunächst nicht.

Unbe­kannte Händler checken

Handys wie das Xiaomi Mi 11 kommen zwar offiziell nach Deutschland. Der Kauf bei einem ausländischen Händler ist aber ebenfalls möglich Handys wie das Xiaomi Mi 11 kommen zwar offiziell nach Deutschland. Der Kauf bei einem ausländischen Händler ist aber ebenfalls möglich
Bild: Xiaomi
Er empfiehlt deshalb, zu prüfen, ob es sich beim Verkäufer um eine sichere Quelle handelt, etwa einen Marken­händler, ein bekanntes Handels­unter­nehmen oder einen großen Discounter. Diese Unter­nehmen verfügten über eigene Quali­täts­siche­rungen und hätten beim Auftreten großer Produkt­sicher­heits­pro­bleme schlicht "einen Ruf zu verlieren".

"Kaufen Sie das erste Mal bei jemandem, den Sie nicht kennen, schauen Sie sich vorher die Bewer­tungen zur Liefer­zuver­läs­sig­keit, zur Qualität und Sicher­heit der Produkte und zum Verhalten im Rekla­mati­ons­fall im Netz an und nutzen Sie abge­sicherte Zahlungs­methoden", rät Diek­mann.

Unter Umständen landet die Ware erst einmal beim Zoll. "Mögli­cher­weise kann es selbst bei klei­neren Bestel­lungen hier zu Sche­rereien kommen", sagt Tobias Weide­mann vom Digi­tal­magazin t3n. Etwa dann, wenn das Gerät kein CE-Zeichen hat. Damit erklärt der Hersteller, dass alle EU-Anfor­derungen an das Produkt erfüllt sind.

Fehlt das CE-Zeichen, wird der Zoll die Bestel­lung einbe­halten. Die Ware darf dann nicht einge­führt werden. Sie wird zurück­geschickt oder vernichtet. Kosten, die dabei entstehen, trägt in aller Regel die Käuferin oder der Käufer.

Umsatz­steuer und Zoll

Je nach Wert und Herkunft des Geräts, muss die Einfuhr-Umsatz­steuer beim Zoll entrichtet werden. Hier können Gebühren fällig werden, von denen Sie vorher nichts wussten, warnt Wölbert. Zudem könne es sein, dass ein zu nied­riger Zoll­wert ange­geben wurde. "Das ist dann Steu­erhin­ter­zie­hung, hier sollte man sich nicht zum Komplizen machen lassen." In jedem Fall sollte man mit langen Versand­zeiten rechnen.

Als nächstes stellt man dann aber etwa fest, dass sich ein Verstärker aus Japan nicht verwenden lässt, merkt Rainer Schuldt an. Bei diesem Beispiel passe zum einen der Stecker nicht, zum anderen laufe das Gerät nicht im deut­schen Strom­netz. Es sei denn, man besorgt sich einen Stecker-Adapter und einen Trans­for­mator, der die Span­nung umwan­delt. Kosten­punkt: etwa 30 bis 50 Euro.

Teils lässt sich die Sache mit der Span­nung aber auch einfach erlösen, erklärt Schuldt. Manche Geräte hätten auf der Rück­seite einen Schalt­knopf, mit dem man zwischen 110 Volt (etwa Japan oder US) und 230 Volt (etwa Deutsch­land und Europa) umschalten könne.

Nichts verstanden

"Wir haben regel­mäßig den Fall, dass die Geräte eigent­lich sicher sind, aber weil beispiels­weise Aufschriften und Warn­hin­weise unvoll­ständig oder falsch über­setzt gelie­fert werden, womög­lich nicht korrekt einge­setzt werden. So werden aus sicheren Geräten schnell unsi­chere", berichtet Ralf Diek­mann. Etwa wenn man ein nur fürs Trockene geeig­netes Gerät aus Unwis­sen­heit in feuchten Räumen oder draußen nutzt. Kurz­schluss oder Strom­schlag können die Folgen sein.

"Frust kann es auch geben, wenn etwa ein exoti­scher Fern­seher zwar chine­sische, aber keine deut­schen Menüs anzeigt", sagt Schuldt. Außerdem seien diese Geräte unter Umständen nicht fit für das deut­sche Kabel- oder Anten­nen­fern­sehen. Dann müssen Zusatz­geräte her, etwa ein DVB-C- oder DVB-T-Tuner.

Auch beim Kauf eines Smart­phones gilt es darauf zu achten, dass das Produkt soft­ware­seitig dafür vorge­sehen ist, in Europa verwendet zu werden, rät Wölbert. Sonst halte man schnell ein Gerät ohne Google Play Store in den Händen oder eines ohne Menüs in deut­scher oder der gewünschten euro­päi­schen Sprache. Analog dazu lohne bei Laptops der Check, ob das Gerät mit deut­schem Tasta­tur­layout kommt.

Ärger mit dem Rück­ver­sand

Die größten Schwie­rig­keiten bei Import-Geräten können dann eintreten, wenn es um die Themen Garantie, Gewähr­leis­tung oder Rück­ver­sand geht. "Viele Länder haben nicht das Fern­absatz­recht in der Groß­zügig­keit wie Deutsch­land es bietet, insbe­son­dere außer­halb der EU", sagt Tobias Weide­mann vom Digi­tal­magazin t3n. Deshalb: Vorab infor­mieren, wie hoch Rück­ver­sand-Gebühren ausfallen und ob sie erstattet werden.

Hat man beispiels­weise ein Gerät wie einen Rasen­mäher-Roboter über eine chine­sische Platt­form gekauft und bekommt Probleme mit dem Akku, wird dieser beim Rück­ver­sand even­tuell als Gefahrgut einge­stuft. "Dann müssen Sie ihn dem Hersteller in einem Gefahr­gut­behälter zurück­schi­cken", erklärt Ralf Diek­mann vom Tüv Rhein­land. Dieser Trans­port könne über den Kosten des Geräts liegen. Und es heißt wieder warten, warten, warten.

Weitere Infor­mationen zum Thema Smart­phone-Kauf aus China lesen Sie in einem ausführ­lichen Ratgeber.

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