Going electric

eAuto "Made in Germany": Mit dem e.Go Life unterwegs

Elek­tromo­bilität ist ein emotio­nales Thema. Wie hoch muss die Reich­weite sein? Was darf das Auto kosten? Viele Autos werden nur zu 4 Prozent genutzt. Wir sind im e.go Life mitge­fahren.
In Aachen mit den e.go Life probegefahren ist
AAA
Teilen (18)

Ob die Elek­tromo­bilität die auto­mobile Zukunft ist, ist ein hoch emotio­nales und umstrit­tenes Thema. Künf­tige Autos werden fest mit (4G/5G)-Mobil­funk verbunden sein, sei es bei der Produk­tion oder im Alltag. In Aachen hatte teltarif.de die Gele­genheit einmal im e.go mitzu­fahren.

Direkter Kontakt zur Straße

Der e.Go ist ein typischer Stadtflitzer, man kommt aber auch auf der (Stadt-)Autobahn noch ausreichend vorwärts.
Der e.Go ist ein typischer Stadtflitzer, man kommt aber auch auf der (Stadt-)Autobahn noch ausreichend vorwärts.
Das Fahr­zeug bewegt sich agil durch den Verkehr, man kommt flott voran, ohne andere Auto­fahrer zu behin­dern. Flotte Fahrer schätzen das "Go Kart"-Gefühl - man hat direkten Kontakt zur Straße. Auf der Rück­sitz­bank spürt man Quer­rinnen und Schlag­löcher deut­lich. Die soge­nannte "De-Dion"-Hinter­achse wurde von e.Go "neu erfunden". Sie wird norma­lerweise nur in höher­wertigen Fahr­zeugen verbaut. Das Prinzip ist über 100 Jahre alt. Sie behält ihre Spur perma­nent bei und muss nicht extra einge­stellt werden, was im Endef­fekt Kosten spart. Die Kraft des Elek­tromo­tors wird auf die Hinter­achse über­tragen, die steifer ist und daher das Dreh­moment besser verkraftet. "An der Ampel können Sie jeden Porsche abhängen", scherzt Werks­chef Prof. Schuh dazu.

Das Auto (Drei­türer) bietet ausrei­chend Platz für vier Personen (inkl. Fahrer) - ausrei­chend Platz auch auf der Rück­bank. Firmen­gründer Schuh (1,90 Meter groß) hat darauf geachtet, auch auf der Rück­bank gut sitzen zu können.

Die Aufla­dung

Das e.Go Produktionswerk befindet sich im Industriegebiet von Aachen, Stadtteil "Rothe Erde"
Das e.Go Produktionswerk befindet sich im Industriegebiet von Aachen, Stadtteil "Rothe Erde"
Der e.Go kann an der heimi­schen 230-Volt-Steck­dose aufge­laden werden, ein Lade­kabel für daheim gehört zum Liefer­umfang. Mit einem Lade­kabel für öffent­liche Lade­stationen (z.B. von Telekom, Ionity oder anderen) kann über den CCS-Stecker (Typ2) schneller und inten­siver geladen werden, das "öffent­liche" Lade­kabel kann kostenlos dazu bestellt werden. Über die opti­nale Wallbox (11 kW Leis­tung, mit inte­grierter Fehler­strom­schutz­schal­tung) kann der Akku eines e.Go Life 20 in 3,8 Stunden (bei 230 Volt 5,4 Stunden) von 0 bis 95 Prozent aufge­laden werden. Beim größten e.Go Life 60 wären es 9,8 h (bei 230 Volt) oder 6,9 Stunden mit der Wallbox. An öffent­lichen Stationen kann es durchaus noch flotter voran gehen.

e.Go Life in drei Versionen

Der e.Go "Life" soll ab Jahres­wechsel 2019/2020 in drei Versionen lieferbar sein:

  • Als e.GO "Life 20" sollen eine Dauer­leis­tung von 20 kW (mit maximal 116 km/h) und eine Batte­rieka­pazität von 14,5 kWh eine WLTP-Reich­weite von 100 km zum Basis­preis von 15.900 Euro möglich machen.
  • Der mitt­lere e.Go "Life 40" richtet sich an Berufs­pendler mit einer Peak­leis­tung von 40 kW (von 0 auf 50 km/h in 4,7 Sekunden, Höchst­geschwin­digkeit kurz­zeitig 123 km/h). Die Batterie von 17,5 kWh soll 113 km nach WLTP abde­cken, er würde dann 17.400 Euro kosten und ab 2020 lieferbar sein.
  • Der e.GO "Life 60" soll 60 kW (Peak) leisten und kurz­zeitig 142 km/h (dauer­haft 130 km/h) mit einer 23,5 kWh Batterie laufen, was laut WLTP eine Reich­weite etwa 145 km ermög­lichen würde. Als Preis werden dafür 19.900 Euro ange­peilt.

Die Aufpreise

Das Entertainment-System von JBL wird per Touch-Screen gesteuert.  Die "einfache" Version hat nur eine Bluetooth-Kopplung zum Handy. Android oder iOS Anbindung gibt's gegen Aufpreis.
Das Entertainment-System von JBL wird per Touch-Screen gesteuert.
Die "einfache" Version hat nur eine Bluetooth-Kopplung zum Handy. Android oder iOS Anbindung gibt's gegen Aufpreis.
Im Grund­modell ist ein einfa­ches Radio mit Frei­sprech­einrich­tung (Blue­tooth) enthalten. Wer Android Auto oder Apple Car-Play nutzen will, braucht das "Inno­vati­onspaket" (plus 1.900 Euro) und bekommt dann auch ein GPS-Navi­gati­onssystem dazu. Das "Komfort­paket" (plus 700 Euro) hat nur einen Park­assis­tent vorne und hinten, eine Sitz­heizung für den Fahrer und Beifahrer, bessere Fußmatten und ein Reifen­pannenset, Verbands­tasche, Warn­dreieck und Warn­weste.

Das Auto rollt ab Werk auf 15-Zoll-Rädern (195/65), auf Wunsch können auch 17 Zoll (225/45) für 600 Euro oder 18-Zoll-7J-Felgen (225/40) für 1200 Euro Aufpreis geor­dert werden. LED-Schein­werfer kosten 650 Euro extra (in der Grund­version leuchten Halogen-Lampen), eine Klima­anlage (4 kW) schlägt mit weiteren 1.700 Euro auf. Der Einpar­kas­sistent kostet 500 Euro, die elek­trische Sitz­heizung 150 Euro. Rechnen wir einen Life 60 mit allem (nütz­lichen) Schnick­schnack zusammen, kommen wir auf ca. 25.000 Euro oder noch etwas mehr. Statt der Einmal­zahlung des Kauf­preises könnten auch Miet- oder Leasing­modelle (etwa 100 bis 150 Euro im Monat) zum Tragen kommen.

Wer ein Elek­troauto kauft, wird aktuell vom Staat mit 4.000 Euro geför­dert, dazu muss ein Antrag beim BAFA gestellt werden.

Wo kann man kaufen?

Der e.Go Life hier in blauer Wagenfarbe und in der 60er Version mit größeren Alufelgen (Aufpreis). Damit kann man in der Stadt zügig unterwegs sein.
Der e.Go Life hier in blauer Wagenfarbe und in der 60er Version mit größeren Alufelgen (Aufpreis). Damit kann man in der Stadt zügig unterwegs sein.
Im Moment werden noch 3.000 Vorbe­stel­lungen abge­arbeitet, dann soll das Auto für die Allge­mein­heit lieferbar sein. Bestel­lungen müssen im Moment direkt im Werk abge­geben werden, da es noch kein eigenes Vertriebs­netz gibt. Ob das Auto eines Tages im Voda­fone-Shop zu kaufen sein wird? Darüber haben die Betei­ligten noch gar nicht nach­gedacht. Da Mobil­funk­shops ja über eine gewisse Logistik verfügen, wäre das nicht auszu­schließen. Wartung und Service brau­chen beim Elek­troauto weniger Aufwand, dafür könnten dann freie oder mit der Marke vertrag­lich verbun­dene Werk­stätten sorgen.

Eine Einschät­zung

Die gute Nach­richt ist, dass bei e.Go ein Auto "made in Germany" durchaus möglich ist. Wer in einer gut versorgten Groß­stadt wie Berlin wohnt, kommt in der Innen­stadt mit öffent­lichen Verkehrs­mitteln sicher schneller und wohl auch güns­tiger von A nach B. Für das Elek­troauto braucht man einen Park­platz mit der Möglich­keit nach­zuladen, was in der Groß­stadt derzeit noch eher Mangel­ware ist. Lade­zeiten von 6 bis 10 Stunden (wie beim e.Go) schränken die Bewe­gungs­fähig­keit dann doch noch ein, der normale Kunde vergleicht das mit dem "Nach­füllen" von Kraft­stoff (was in 5 bis 10 Minuten erfolgen kann). Ideal wären Schnell-Lade­stationen oder ein Schnell­austausch des kompletten Akkus gegen einen vorge­ladenen Akku. Dazu müssten sich aber alle Auto­hersteller sich auf ein System einigen. Der Akku würde dann nur noch "gemietet" und nicht mehr gekauft.

Für Leute, die beruf­lich viel und lange unter­wegs sind, sind "größere" Elek­troautos (mit 400 bis 500 km Reich­weite) sicher inter­essanter, aber deut­lich teurer (ab 60.000 Euro). Schnelle Hoch­leis­tungs­lade­stationen sind im Kommen (Tesla Super­charger, Ionity, Telekom und einige andere). Lebt man auf dem Land und muss in den nächsten Ort zum Einkaufen oder zur nächsten Bahn­station für weitere Reisen, dürften Elek­tromo­bile bald ihre Vorteile ausspielen können, denn hier gibt es ausrei­chend Park­plätze vor der eigenen Haus­türe oder in der eigenen Garage und damit auch eine Strom­versor­gung. Der notwen­dige Strom könnte über Solar­zellen auf dem eigenen Dach oder nicht immer gern gese­hene Wind­räder erfolgen.

Viel­leicht müssen wir uns vom "Ich kaufe mein Auto"-Modell verab­schieden und künftig das Auto eher mieten, mögli­cher­weise nur kurz­zeitig (Carsha­ring). Das Thema bleibt auf jeden Fall span­nend.

Teilen (18)