Radio/Fernsehen

European Broadcasting Union setzt sich für 5G Broadcast ein

Die EBU sieht großes Poten­zial im neuen Mobil­funk­stan­dard 5G. Wichtig sei vor allem der 5G-Broad­cast-Modus, der Radio und Fern­sehen ohne SIM-Karte zugäng­lich machen soll.
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Die European Broad­casting Union (EBU) sieht als Zusam­menschluss großer öffent­lich-recht­licher Sender in Europa großes Poten­zial für Hörfunk und Fern­sehen im neuen Mobil­funk­stan­dard 5G. Das betont Philip De Tender, EBU Media Director, in einem Vortrag auf dem Kongress "Media2020".

5G soll Leit­medium werden

Fernsehen auf dem Tablet via 5G BroadcastFernsehen auf dem Tablet via 5G Broadcast "Es gibt noch viel Unbe­kanntes bei 5G. Werden die Kosten den Schritt für den Verbrau­cher und die Netz­betreiber recht­fertigen?". Es werde daher "eine Heraus­forde­rung sein, 5G sowohl prak­tikabel als auch erschwing­lich zu machen". Aber auch die Nach­frage nach mobilen Daten steige, und der mobile Daten­verkehr nehme laut De Tender weiter zu.

"Die Fähig­keit von 5G, das zu bieten, was die Öffent­lich­keit mehr und mehr zu wollen scheint, bedeutet, dass wir es ernst nehmen müssen. Es besteht die reale Chance, dass 5G ein beliebtes Leit­medium wird".

Hier stelle sich auch die Frage, inwie­weit sich die öffent­lich-recht­lichen Rund­funk­anstalten "dem Zug anschließen" sollten. Es gibt laut De Tender Meinungs­verschie­denheiten zwischen den EBU-Mitglie­dern, aber es gebe eine allge­meine Meinung, dass, wenn 5G zu einem beliebten Medium wird, öffent­lich-recht­liche Rund­funk­anstalten dabei sein müssen.

"Unsere Mission ist es, ein univer­selles System für die gesamte Bevöl­kerung zu schaffen, und wenn ein wich­tiger Teil der Bevöl­kerung 5G-Devices nutzt, müssen wir ihnen unsere Inhalte zur Verfü­gung stellen".

Free-to-Air-Modus über 5G Broad­cast gefor­dert

Er fordert daher von den Mitglie­dern, auf die Gestal­tung der tech­nischen Stan­dards Einfluß zu nehmen. Das betreffe nicht nur inter­netba­sierte Abruf­dienste oder eine bessere Bild­qualität über Ultra-HD. Erfor­derlich sei vor allem der 5G-Broad­cast-Modus für die lineare Verbrei­tung. "Es muss möglich sein, Free-to-Air-Dienste über 5G mit jedem 5G-taug­lichen Endgerät zu empfangen, ohne dass dafür eine spezi­elle SIM-Karte notwendig wird“, so De Tender. Nur so werde gesi­chert, dass die Nutzer alle Dienste auf einem Gerät empfangen können. Das schaffe für Inhal­tean­bieter wie für Nutzer eine Win-win-Situa­tion.

Schon heute sind diverse EBU-Mitglieder an 5G-Broad­cast-Projekten betei­ligt. Die ARD-Anstalten Baye­rischer Rund­funk (BR) und West­deut­scher Rund­funk (WDR) erproben den neuen Stan­dard mit Bewegt­bildern. Die BBC star­tete einen äußerst erfolg­reichen Versuch mit Hörfunk über 5G Broad­cast.

DVB-T2 und DAB+ nicht kanni­bali­sieren

Nach bishe­rigen Plänen soll 5G Broad­cast aller­dings ledig­lich den mobilen Sektor, etwa über Smart­phones und Tablets, abde­cken. Maximal soll er noch in vernetzte Fahr­zeuge vordringen. Im statio­nären Heim­gerä­temarkt, also Fern­seher, Radio­geräte oder HiFi-Anlagen, soll 5G Broad­cast nicht zum Einsatz kommen, um die bestehenden Tech­nolo­gien DVB-T2 HD und DAB+ nicht zu kanni­bali­sieren.

Span­nend dürfte die Frage sein, ob sich private Veran­stalter über­haupt ein weiteres Sender­netz leisten können und ob die KEF ARD und ZDF das grüne Licht hierfür erteilt. Der Druck dürfte bei Hörfunk­anbie­tern nochmal größer werden, mittel­fristig das analoge UKW-Radio abzu­schalten. Beim Fern­sehen könnten Veran­stalter irgend­wann vor der Frage stehen, ob sie künftig noch in DVB-T2 HD oder in 5G Broad­cast inves­tieren wollen.

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