LTE & Co.

E-Plus: "Größter Netzausbau aller Zeiten"

LTE zum Start auf 1800 statt auf 2600 MHz?
Aus Köln berichtet

Nicht nur im 900-MHz-Band wird der alte Mobilfunkstandard GSM von E-Plus "an den Rand gedrängt": Auch auf 1800 MHz, der Frequenz, auf der der "E-Netz"-Betreiber E-Plus seinen Betrieb startete, präferiert Markiewicz eine neue Technologie, nämlich LTE: "Unseren Tests zufolge bietet LTE-1800 eine höhere Reichweite als LTE-2600. Wir werden LTE daher möglichst auf 1800 MHz aufbauen, und 2600 MHz für Hotspots verwenden", erläutert Markiewicz. Die zu erwartenden Endgeräte sollen auch LTE-1800 unterstützen.

Da trifft es sich gut, dass E-Plus bei der letzten Frequenzauktion zwei Blöcke im 1800er Band ersteigert hat. Diese waren zusammen "nur" 6,4 Millionen Euro teurer als die beiden gepaarten 2600er-Blöcke, die E-Plus ebenfalls ersteigert hat. Eine Investition, die sich bereits auszahlt, wenn E-Plus dank der höheren Reichweite ein oder zwei Dutzend weniger Basisstationen aufbauen muss. Laut Markiewicz verfolgt die Telekom eine ähnliche Strategie: Bei der vergangenen Auktion kauften diese sogar drei 1800-MHz-Blöcke.

Freilich hat die Aufteilung der LTE-Frequenzbänder für E-Plus auch Nachteile: Endgeräte werden voraussichtlich nicht gleichzeitig auf LTE-1800 und LTE-2600 empfangen können. E-Plus wird folglich bei LTE nur die halbe Spitzen-Bitrate anbieten können wie die anderen drei Netzbetreiber, die jeweils vier 2600er-Blöcke ersteigert haben. Wie aber oben schon geschrieben: Der Fokus liegt für E-Plus nicht auf der Spitzen-Bitrate, sondern auf der Gesamt-Bitrate, so dass zu möglichst vielen Kunden jeweils 1 MBit/s übertragen werden kann. Und bei der Gesamt-Bitrate unterstützen sich LTE-1800 und LTE-2600.

HSPA-Quattro

Im aktuell mit Abstand wichtigsten Band für mobile Datendienste, nämlich UMTS-2100, hat E-Plus seit der letzten Auktion die beste Frequenzausstattung, nämlich vier Blöcke. Vodafone und o2 haben je drei, die Telekom muss weiterhin mit zwei Blöcken auskommen. Unerwartete Konsequenz laut Markiewicz: Die Ausrüster mussten erst mal ihre Algorithmen für die Aufteilung der Endgeräte auf die Frequenzen anpassen. Denn es gibt auch international kaum andere Netzbetreiber mit einem solchen UMTS/HSPA-"Quattro" und entsprechend wenig Erfahrung bei den Herstellern von Netztechnik. Am Ende fand man aber eine Lösung, auch für die Ultra High Sites (UHS), deren Versorgungsgebiet jeweils deutlich größer als das normaler Basisstationen ist.

Übrigens: E-Plus Lieferant der Wahl für Basisstationen ist ZTE, während Huawai das Kernnetz ausrüstet. Immer mehr Basisstationen werden per Glasfaser angeschlossen, um die hohen benötigten Bitraten bereitzustellen.

Fazit: Weniger hinterher oder gar vorneweg

Absehbar ist, dass E-Plus beim Netzausbau in den nächsten Jahren nicht so stark hinter die anderen Anbieter zurückfallen wird, wie dieses beim Upgrade von UMTS auf HSPA in den letzten Jahren der Fall war. Hier konnten die Kunden bei den anderen Anbietern schon mit "bis zu" 3,6 MBit/s oder gar noch höhren "bis-zu"-Datenraten surfen, während bei E-Plus schon bei der UMTS-Bitrate von 384 kBit/s Schluss war. Da HSPA nicht nur die Spitzen-Bitrate erhöht, sondern auch den Gesamt-Durchsatz in einer Zelle, hinkte E-Plus bei mobilen Daten stark hinterher. Dass E-Plus zugleich als erster Anbieter eine damals sogar unlimitierte und ungedrosselte Daten-Flatrate eingeführt hatte, und entsprechend viele Power-User anzog, verschärfte die Situation weiter.

Dieser jahrelange Rückstand von E-Plus wird sich aller Voraussicht nach in den kommenden Jahren nicht wiederholen. Beim aktuell mit Abstand führenden Datenstandard UMTS/HSPA hat E-Plus sogar die Chancen, sich an die Spitze zu setzen: Die anderen Netzbetreiber können weder mit UMTS-900 aufwarten, noch mit dem UMTS-2100-"Quattro". Beim kommenden Datenstandard LTE ist die Situation differenzierter: E-Plus fehlt LTE-800, kann dafür LTE-1800 wohl kostengünstig auf demselben Raster aufbauen wie GSM-1800. Insbesondere müssen keine neuen Standorte akquiriert werden. Und die Ausrüster ZTE und Huawei liefern LTE-Ausrüstung anscheinend vom Anfang weg für vertretbare Kosten, so dass E-Plus nicht warten muss, bis LTE "bezahlbar" geworden ist.

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