Hintergrund

Ende auf Raten: E-Plus bereitet seine eigene Auflösung vor

E-Plus bereitet sich offenbar auf sein eigenes Ende vor. Medienberichten zufolge wurden alle Mitarbeiter mittlerweile in eine Transfergesellschaft ausgelagert. Die Zukunft von Thorsten Dirks ist weiter offen - wird er der Chef des fusionierten Unternehmens?
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Bei E-Plus läuten anscheinend intern die Abschiedsglocken immer lauter. Einem Bericht der Rheinischen Post zufolge gehen die Verantwortlichen bei o2 und E-Plus davon aus, dass die Kartellbehörden die Fusion genehmigen werden. In dieser Woche wurden dem Bericht zufolge bei E-Plus intern bereits weitere Weichen für die Selbstauflösung gestellt. Doch viele Fragen sind weiterhin offen: Was passiert mit den Angestellten nach der Fusion, wird Vorstandschef Thorsten Dirks im fusionierten Unternehmen eine Rolle spielen und wie werden sich die Preise im Mobilfunkmarkt entwickeln?

Diese Woche gab es nach den Berichten der Zeitung eine interne E-Mail an alle E-Plus-Mitarbeiter, in denen den Angestellten weitere Details genannt wurden. Außerdem soll Thorsten Dirks in einer internen Versammlung vor den Mitarbeitern gesprochen haben. Rein juristisch sind alle Mitarbeiter wohl inzwischen in die neu gegründete Gesellschaft "E-Plus-Transition GmbH & Co. KG" überführt worden. Dies soll dazu dienen, dass o2 die "neue" Firma nach einer Genehmigung durch die Kartellbehörden ohne Schulden übernehmen kann.

Mitarbeiter wurden bereits in Transfergesellschaft überführt

Thorsten Dirks leitet die Auflösung von E-Plus einThorsten Dirks leitet die Auflösung von E-Plus ein Nach Recherchen von teltarif.de wurde am 23. Juni unter dem HRA 22776 die E-Plus-Transition GmbH & Co. KG eingetragen. Im Handelsregister ist zu lesen: "Die Gesellschaft hat nach Maßgabe des Ausgliederungs- und Übernahmevertrages vom 26.03.2014 sowie der Zustimmungsbeschlüsse ihrer Gesellschafterversammlung vom 26.03.2014 und der Gesellschafterversammlung des übertragenden Rechtsträgers vom selben Tage Teile des Vermögens der E-Plus Mobilfunk GmbH & Co. KG mit Sitz in Düsseldorf (Amtsgericht Düsseldorf, HRA 19031) als Gesamtheit im Wege der Umwandlung durch Ausgliederung übernommen."

Ein weiterer Schritt war die Übernahme von 20 Prozent der Netzkapazität durch Drillisch. Branchenbeobachter sind sich allerdings nicht sicher, ob den Kartellbehörden dieser Schritt reichen wird. "Das ist ein ordnungspolitisches Feigenblatt für die EU-Kommission. Am Ende müssen wir sehen, dass E-Plus eine wichtige Rolle dabei gespielt hat, die Mobilfunktarife runterzutreiben, und nun die Unabhängigkeit verliert", sagte beispielsweise der Betriebswirtschaftsprofessor Torsten Gerpott gegenüber der Rheinischen Post.

Die EU sieht aber wohl die Problematik, dass E-Plus ohnehin zu wenig Finanzkraft hatte, um ordentlich in LTE-Frequenzen zu investieren. Gegenüber den Wettbewerbern wäre das Unternehmen dann wohl doch irgendwann am Markt zurückgefallen. Nur das mit o2 fusionierte Unternehmen könne sich gegenüber der Telekom und Vodafone behaupten - nach der Fusion wird der neue Konzern die beiden Konkurrenten bei der Kundenzahl allerdings gleich überholt haben.

Furcht in der Belegschaft und die Zukunft von Thorsten Dirks

In der E-Plus-Belegschaft herrscht aber wohl ein mulmiges Gefühl: Nach dem Bericht sollen in der Verwaltung des neuen Konzerns bis 2018 knapp 404,7 Millionen Euro an Kosten eingespart werden - diese Zahl hat eine Wirtschaftsprüferfirma ermittelt. Die komplette Unternehmens-Organisation solle "schlanker und beweglicher" werden - dies könnte ein verschlüsselter Hinweis für einen Personalabbau und Standortschließungen sein.

Ebenfalls nicht geklärt ist: Wer wird das neue Unternehmen führen? Nach dem Rücktritt von o2-Chef René Schuster im Januar sprechen Branchenbeobachter nach wie vor E-Plus-Chef Thorsten Dirks die meisten Chancen zu.

Zum Thema der Preisentwicklung nach der Fusion äußern sich mittlerweile auch andere Marktteilnehmer und -beobachter: Martin Knauer, Chef des Telekom-Discounters Congstar, geht davon aus, dass die Elefantenhochzeit keinesfalls den Druck von den Preisen nehmen wird. Ex-Postminister Bötsch hatte davor gewarnt, dass durch den Zusammenschluss die Preise steigen könnten.

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