Probleme

Neue DVB-T2-Kanäle stören Funk-Mikrofone

Neue Frequenzen beim digital-terrestrischen Antennenfernsehen DVB-T2 sorgen für Unmut bei den Besitzern von Drahtlos-Mikrofonen: Die Kanäle sind gestört und können für die Produktion nicht mehr verwendet werden.
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Das Antennenfernsehen DVB-T2 HD stört Drahtlos-MikrofoneDas Antennenfernsehen DVB-T2 HD stört Drahtlos-Mikrofone Am 29. März wurde in vielen deutschen Ballungsgebieten die Fernsehausstrahlung per Antenne via DVB-T abgeschaltet und auf den neuen Übertragungsstandard DVB-T2 HD gewechselt. DVB-T2 HD nutzt oft andere Frequenzkanäle wie der Vorgänger DVB-T, weil gleichzeitig begonnen wurde, das 700 MHz-Band nach der Digitalen Dividende 2 für den Mobilfunk zu räumen. Jetzt werden großflächige Störungen durch die neuen Sender gemeldet, wie die Initiative SOS - Save our Spectrum berichtet, die sich die Sicherung von Funkspektrum für die Kultur- und Kreativwirtschaft auf die Agenda geschrieben hat.

Betroffen seien Anwender drahtloser Mikrofone und Rückstrecken. Diese sollten jetzt genau ihre Anlagen prüfen, um festzustellen, ob alle bisher für die Produktion verwendbaren Frequenzen weiterhin frei sind. Soweit sie Störungen auf bisher nutzbaren Kanälen feststellen, sei dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die geänderte Kanalbelegung von DVB-T2 HD zurückzuführen.

Anspruch auf Entschädigungszahlungen

Nutzer, deren Funkanlagen im Bereich 470 bis 694 MHz wegen einer DVB-T2-Störung ganz oder teilweise unbrauchbar werden, können laut der Initiative bei der Bundesanstalt für Verwaltungsdienstleistung (BAV) eine Entschädigung beantragen. Wer derzeit noch im Frequenzband 694 bis 790 MHz funkt, kann ebenfalls bereits eine Ausgleichszahlung einfordern – auch dann, wenn noch keine konkrete Störbetroffenheit vorliegt. Ab 2019 darf das 700 MHz-Band nur noch vom Mobilfunk genutzt werden.

Weitere Störungen bis Mitte 2019 zu erwarten

In den nächsten Monaten werden sukzessive weitere DVB-T2 HD-Standorte im gesamten Bundesgebiet auf Sendung gehen. Bis Ende 2018 soll der Ausbau des privaten, bis Mitte 2019 des öffentlich-rechtlichen Sendernetzes in ganz Deutschland flächendeckend abgeschlossen sein. Bis dahin könne es immer wieder zur Aktivierung von Sendern auf bisher für Funkmikrofone nutzbaren Frequenzen kommen – entweder zeitweise im Testbetrieb oder dauerhaft. Dies betreffe auch Gegenden, die bereits auf DVB-T2 umgestellt sind. Anwender drahtloser Produktionsmittel sollten also durch die Bank wachsam bleiben, rät die Initiative. Erst Mitte 2019 stehe die endgültige Kanalbelegung fest.

Der Fall erinnert an die Inbetriebnahme des digital-terrestrischen Digitalradios DAB+ im Jahr 2011. Der seinerzeit vom bundesweiten Multiplex genutzte Kanal 5A störte die benachbarten Polizei- und Behördenfunk-Frequenzen. Hier konnten die Störungen beseitigt werden, nachdem die Sender des Bundesmuxes auf den Kanal 5C umgestellt wurden. Eine solche Möglichkeit besteht bei DVB-T2 HD nicht, da hierfür die Frequenzen fehlen.

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