Zukunftvision

Drillisch-Übernahme könnte langfristig zu neuem Mobilfunknetz führen

Die Übernahme von Drillisch durch United Internet schafft die Möglichkeit für den neuen Gesamtanbieter, langfristig komplett eigene Infrastruktur für ein neues Netz zu erreichten. Die Voraussetzungen wären da.
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Die heute angekündigte Übernahme von Drillisch durch den Telekommunikations-Riesen United Internet klingt zunächst einmal nach einer der üblichen Übernahmen, die der Markt in den vergangenen Jahrzehnten schon gesehen hat - nur eben in einer der höheren Ligen preislich gesehen. Doch hinter dem Deal könnte langfristig noch viel mehr stecken, als eine gemeinsame Vermarktung und Nutzung von Synergieeffekten. Rein theoretisch hätte die neu entstehende "Drillisch-United-Internet" die Möglichkeit, langfristig nicht nur aus Vermarktungssicht, sondern auch auf Mobilfunk-Netzebene in Konkurrenz zu Telekom, Vodafone und Telefónica zu gehen. Drillisch und United Internet haben dafür das jeweilige Rüstzeug im Gepäck. Update 16. Mai In einem Interview mit teltarif.de hat auch der TK-Experte Prof. Torsten J. Gerpott nicht ausgeschlossen, dass ein neuer Netzbetreiber entstehen könnte.

United Internet verfügt über viel Glasfaser

Neue Masten in Deutschland? Langfristig hätte United Internet mit Drillisch zusammen das Zeug zum MobilfunknetzbetreiberNeue Masten in Deutschland? Langfristig hätte United Internet mit Drillisch zusammen das Zeug zum Mobilfunknetzbetreiber Eine der wichtigsten Voraussetzungen um ein gut funktionierende Mobilfunknetz zu betreiben, ist ein starkes Glasfasernetz. Zwar lassen sich Basisstationen grundsätzlich auch mit Richtfunk anbinden, doch gemeinhin gilt eine Glasfaserstrecke als das Non-Plus-Ultra bei der Anbindung. Gerade auf Fernverkehrsstrecken, also auf Backbone- bzw. Core-Ebene ist Glasfaserkapazität unerlässlich. Seit der Übernahme von Versatel ist ein solches Glasfasernetz im United-Internet-Konzern vorhanden. Die heutige 1&1 Versatel verfügt nach eigenen Angaben über 42 000 Kilometer Glasfaserkabel in ganz Deutschland - sowohl als Weitverkehrsnetz als auch innerhalb von Städten. Dort, wo es kein eigenes Netz gibt, aber Kunden versorgt werden müssen, mietet man schon heute von lokalen Betreibern Leitungen hinzu.

Dieses Netz - vom Anbieter selbst als zweitgrößtes deutsches Glasfasernetz bezeichnet - wäre eine der technischen Voraussetzungen des neuen Gesamtanbieters, um ein eigenes Mobilfunknetz effektiv zu betreiben.

Drillisch-Vertrag sieht mehr als nur Kapazitäts-Vermarktung vor

Im Rahmen der Übernahme von E-Plus musste Telefónica einem Außenstehenden Anbieter 20 Prozent der Netzkapazitäten abtreten. Das war eine der Fusionsauflagen. Die Wahl fiel damals auf Drillisch. Der Provider wurde so vor zwei Jahren zu einem unabhängigen MVNO, der nach eigenen Angaben agieren kann, wie ein Netzbetreiber. Er hat uneingeschränkten Zugriff auf das Netz der Telefónica und die Kapazitäten eingekauft. An Vorleistungsprodukte muss er sich nicht halten. Der Vertrag läuft noch drei Jahre, kann aber um zwei mal fünf Jahre verlängert werden.

Doch der Vertrag zwischen Drillisch und Telefónica birgt noch einen Schatz, der sich in diesem Fall auszahlen kann. Demnach hat Drillisch die Möglichkeit, entweder ein eigenes und vollständiges Core-Netzwerk aufzubauen und zu betreiben. Dann würden nur noch die Sendemasten und Frequenzen von Telefónica genutzt werden - den Rest erledigt Drillisch in Eigenregie. Aber es bestünde auch die Möglichkeit, auf diesem Weg ein lizenzierter Mobilfunkanbieter zu werden.

Frequenzen stünden demnächst zur Vergabe

Um ein eigenes Netz zu betreiben, sind Frequenzen notwendig. Voraussichtlich nächstes oder übernächstes Jahr vergibt die Bundesnetzagentur unter anderem die Frequenzen der bisherigen UMTS-Netze neu - voraussichtlich in einer Auktion. Sollte sich die zusammengeschlossene "Drillisch-United-Internet" wirklich zu dem Schritt entschließen, ein eigenes viertes Netz aufzubauen, wäre dieses die Möglichkeit für den Markteintritt, der durch den parallel laufenden Telefónica-Vertrag fließend erfolgen könnte. Gleichzeitig gilt es aber auch zu bedenken, dass gerade erst aus vier deutschen Netzbetreibern auch aus wirtschaftlichen Gründen drei Netzbetreiber geworden sind. In Montabaur und Maintal, den beiden Standorten der jetzt zusammengehenden Firmen, wird man also sicherlich ganz genau rechnen.

Welcher Anbieter in Deutschland welche Frequenzen nutzt und welche in wenigen Jahren frei werden, lesen Sie in einem entsprechenden Hintergrundartikel. Und wie die Zusammenlegung von Drillisch und 1&1 genau ablaufen soll, lesen Sie in unseren ausführlichen Erläuterungen zur Fusion.

teltarif.de-Podcast zur Drillisch-Fusion

In unserem Podcast "Strippenzieher und Tarifdschungel" besprechen wir in der aktuellen Folge die Übernahme von Drillisch durch United Internet. Hier können Sie direkt in die Folge reinhören oder als MP3 herunterladen:

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