Praxistest

Datendrossel auf 16 kBit/s: Was geht noch?

Wenn bei neuen Drillisch-Verträgen das Datenkontingent erschöpft ist, wird der Zugang auf 16 kBit/s gedrosselt. Ist der Zugang dann noch nutzbar und warum drosselt der Anbieter so drastisch? Wir haben den Test gemacht.
Von Thorsten Neuhetzki
AAA
Teilen (11)

Daten­drosseln sind bei Mobilfunk­tarifen üblich. Wer sein gebuchtes Daten­kontingent überschritten hat, surft mit Smartphone, Tablet oder Rechner plötzlich deutlich langsamer. Dabei wurde über Jahre hinweg bei den meisten Anbietern auf 64 kBit/s gedrosselt. Bei vielen E-Plus-Marken sinkt die Geschwindigkeit auf 56 kBit/s, bei o2 und Vodafone und einigen Ablegern in dem Netz sind 32 kBit/s zu sehen. Doch es geht auch noch langsamer: Anfang April hat Drillisch eine neue "Benchmark" gesetzt und drosselt die Geschwindigkeit nach Verbrauch des Datenvolumens auf 16 kBit/s. Was bedeutet das für den Kunden? Können Smartphones überhaupt etwas mit 16 kBit/s anfangen und Daten übertragen? Wir haben den Praxistest gemacht.

Mit Vollspeed in die Drossel

Mehr als 16 kBit/s sind nach der Drossel bei Drillisch nicht drinMehr als 16 kBit/s sind nach der Drossel bei Drillisch nicht drin Unser Test erfolgte mit dem Samsung Galaxy S5 LTE+ und einer Karte des Drillisch-Ablegers maxxim, deren Datenvolumen wir absichtlich für diesen Test ausreizten. Dank LTE ging das auch schnell: Bei erreichen eines Volumens von 800 MB bekamen wir eine Hinweis-SMS, dass unser Kontingent von 1 GB bald erschöpft sei und wir dann in der Surfgeschwindigkeit reduziert würden. Weitere Angaben gab es nicht, nur kurz drauf einen Werbehinweis, dass wir auch ein 2-GB-Paket buchen könnten.

Das bewusste Erreichen der Grenze fühlte sich dann an wie eine Vollbremsung mit dem Auto: Von gemessenen 20 MBit/s (der Tarif lässt 21 MBit/s zu) im LTE-Netz von o2 fielen wir ruckartig in die 16 kBit/s-Stufe. Die Information per SMS, dass wir nun mit reduzierter Geschwindigkeit surfen, kam erst kurz darauf. In der SMS selbst heißt es, die Geschwindigkeit sei auf GPRS-Niveau reduziert worden. Das ist insofern eine falsche Angabe, als dass man bei GPRS-Geschwindigkeit im Allgemeinen von 53,6 kBit/s ausgeht, nicht von 16 kBit/s.

Der Test: Internet mit 16 kBit/s

Unser erster Eindruck: In der 16-kBit/s-Drossel von "mobilem Surfen" oder gar einem "Surferlebnis" zu sprechen, wäre euphemistisch. Tatsächlich lässt sich ein Smartphone mit einer Datenrate von 16 kBit/s nicht mehr nutzen, wenn man die normalen Erwartungen an die Surfgeschwindigkeit an den Tag legt. Wir versuchten unser Handy weiterhin so zu betreiben, wie es immer betrieben wird. Das heißt auch, dass im Hintergrund viele Apps "nach Hause telefonieren", also Daten übertragen. Je nach Zeitpunkt der Übertragung beeinträchtigt das dann manuelle Handlungen auf dem Handy wie Twitter oder Facebook.

Erstaunlich war in unserem Test, wie gut die Datenübertragung zeitweise doch noch klappte, wenn man die entsprechende Geduld mitbringt. Doch das Verhalten des Handys war sehr unterschiedlich. Während wir an einigen Tagen mobile Webseiten wie unsere (mobil.teltarif.de) ohne großen Zeitverzug aufrufen konnten, waren einen Tag später am gleichen Standort bei LTE-Verfügbarkeit keine Daten abrufbar. Auch das Aktualisieren von Facebook und Twitter ist so weder sinnvoll noch macht es Spaß.

Textnachrichten über WhatsApp & Co sind noch möglich

Immerhin: Messenger-Nachrichten über Threema oder WhatsApp wurden in unserem Test übertragen - wenngleich selbst hier je nach Hintergrund-Traffic des Smartphones mit Zeitverzug. Bilder oder gar Videos zu übertragen bleibt hingegen eine theoretische Möglichkeit. Und auch auf viele weitere Apps, die ein Smartphone-Nutzer im Alltag verwendert, sollte man eher weniger vertrauen. So war es im Test sogar schwierig, Handytickets für den Nahverkehr zu kaufen und auch die Daten der Android-App Öffi über den nächsten Bus kamen nicht aufs Handy oder brauchten extrem lange. Schnell nachschauen, wann der Bus kommt, ist so nicht möglich.

Möglich wäre der Verzicht auf das Übertragen von Hintergrunddaten, um die minimale Datenrate von 16 kBit/s mit den Daten auszulasten, die wirklich gerade gebraucht werden. Doch viele Apps setzen heutzutage auf genau diese Hintergrunddaten, die sich ständig aktualisieren. Die Funktion des Smartphones wäre - je nach Nutzer - nicht unerheblich eingeschränkt, so dass das zwar in Akut-Situationen geht, aber keine wirkliche Alternative ist.

So langsam ist 16 kBit/s wirklich

Der Hinweis auf die Datendrossel ist da - nur nicht ganz korrektDer Hinweis auf die Datendrossel ist da - nur nicht ganz korrekt Geht man davon aus, dass eine mobile Webseite 300 Kilobyte groß ist, so beträgt die rechnerische Übertragungsdauer bei 16 kBit/s zwei Minuten und 30 Sekunden. Bei einer Drosselung auf 64 kBit/s wären es noch 38 Sekunden. Zum Vergleich: Mit 1 MBit/s dauert das Herunterladen gerade mal zwei Sekunden.

Genau hier dürfte auch das Problem liegen: Viele Nutzer, die in eine Datendrossel mit 64 kBit/s geraten, dürften weiterhin einen hohen Datentraffic generieren. Zwar sind Videostreams und ähnliches nicht sinnvoll möglich, doch viele Apps lassen sich mit 64 kBit/s nach unserer Erfahrung mit etwas Geduld akzeptabel nutzen. Um 50 MB Daten, die nicht durch den Vertrag abgedeckt sind, mit 64 kBit/s zu übertragen, braucht der Kunde rechnerisch "nur" etwas mehr als 100 Minuten. Mit 16 kBit/s beträgt alleine der rechnerische Wert schon nahezu sieben Stunden.

Drillisch wirbt nicht mit Daten-Flatrates

Ärgerlich ist bei Drillisch, dass der Anbieter je nach Tarif und Marke nur die Datenautomatik mit bis zu 3 mal 100 MB zu je zwei Euro (pro Monat) oder Angebote wie den Wechsel der Datenoption zu deutlich höheren Kosten anbietet. Manuelle Nachbuchungen, wie viele Provider sie ihren Kunden auf Abruf anbieten, gibt es bei Drillisch nicht. Unterm Strich muss man auch sagen, dass eine Geschwindigkeitsdrossel auf 16 kBit/s alles andere als praktikabel und kundenfreundlich ist. Ehrlicher wäre es, den Kunden zu sagen, dass sie nach dem Verbrauch ihres Datenvolumens offline sind. Immerhin wirbt die Drillisch-Gruppe nicht mit einer Daten-Flatrate, sondern spricht beispielsweise bei ihrer Online-Premiummarke smartmobil.de stets von Datenvolumen und den jeweiligen Kontingenten. Sinnvoll nutzen lässt sich der Datenkanal nach der Drossel jedenfalls nicht.

So kann die Drossel mit einer Zweit-Karte umgangen werden

Für Nutzer, die häufiger in eine Datendrossel geraten oder die preislich oder wegen eines anderen (besseren) Netzes eine Alternative suchen, bietet sich beispielsweise ein eigener Datentarif zusammen mit einem mobilen Hotspot an. Der kann dann auch mehrere Geräte ins Netz bringen. Entsprechende Datentarife finden Sie in unserem Tarifrechner. Dass es auch anders geht, zeigt übrigens ein Anbieter in den USA, der seine Kunden nach der Drossel noch mit 128 kBit/s surfen lässt.

Teilen (11)

Mehr zum Thema Themenspecial 'Unterwegs'