Interview

Dommermuth: Preise werden bei 1&1-Drillisch nicht günstiger

Ralph Dommermuth geht davon aus, dass nach der Fusion von 1&1 und Drillisch die Preise für Tarife nicht sinken werden. Im Interview spricht er auch über die Zusammenarbeit mit Vodafone und die Verweigerung der LTE-Freischaltung.
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Vor wenigen Tagen hatte teltarif.de in einem Hintergrund-Artikel zur Fusion von 1&1 und Drillisch vermutet, dass durch den Zusammenschluss der beiden Tele­kommuni­kations­an­bieter die Preise für Endkunden-Tarife nicht unbedingt sinken, sondern sogar vielleicht noch weiter steigen könnten. Drillisch hat bereits für einige seiner Marken in den vergangenen Monaten die Preise erhöht. In einem Interview mit dem Handelsblatt bestätigt 1&1-Chef Ralph Dommermuth nun diese Vermutung.

In dem Interview geht der Manager aber auch darauf ein, welche Chancen das gemeinsame Unternehmen am Markt haben könnte und warum die Telekom und Vodafone sich immer noch zieren, ihren Resellern einen Vollzugriff auf das LTE-Netz zu erlauben.

Keine Preissenkung, aber besseres Preis-Leistungs-Verhältnis

Ralph Dommermuth zur Fusion von 1und1 und DrillischRalph Dommermuth zur Fusion von 1und1 und Drillisch Dommermuth stellte in dem Interview klar, dass die vereinigte 1&1-Drillisch-Gesellschaft auf dem Markt weiterhin ein Angreifer bleiben wird - es sei das erklärte Ziel, weiterhin Marktanteile zu gewinnen. Nach der Genehmigung durch die Kartellbehörden und Hauptversammlungen solle der Business-Plan umgesetzt werden. Dieser enthält laut Dommermuth allerdings offenbar keine unerreichbare "Mission", sondern ist auf das Hinzugewinnen von Marktanteilen ausgelegt.

Dommermuth wies darauf hin, dass 1&1 und Drillisch heute schon mit die günstigsten Preise am Markt bieten würden. Er glaube daher nicht, dass die Preise für Mobilfunktarife in der nächsten Zeit signifikant sinken würden. Der Bau und die Instandhaltung von Telekommunikations-Infrastruktur koste eben Geld, das bezahlt werden müsse. Dommermuth formulierte es allerdings als Ziel, dass die Kunden wie bisher zum selben Preis nach und nach mehr Leistung erhalten sollen, also eine höhere Bandbreite und ein größeres Datenvolumen.

Noch 2017: Start eines eigenen TV-Angebots

Im Handelsblatt-Artikel wird erneut herausgestellt, welche Vorteile für 1&1 die Übernahme von Versatel hatte. Dommermuth verriet, dass noch in diesem Jahr eine eigene IP-TV-Plattform unter der Marke 1&1 an den Start gehen soll. Aus technischen Gründen habe sich das bislang nicht gelohnt. Mit dem Glasfasernetz von Versatel sei dies nun allerdings in greifbare Nähe gerückt.

Trotzdem wird 1&1-Drillisch zunächst einen großen Teil des Angebots als Vorleistung von den Mobilfunk-Netzbetreibern beziehen müssen. Dommermuth hat offenbar kein Interesse daran, Druck auf die Netzbetreiber auszuüben, damit diese ihre Preise für Vorleistungen senken. Der bestehende Vertrag zur Netz-Mitnutzung zwischen Drillisch und Telefónica soll noch effizienter genutzt werden.

Wenig Verständnis zeigt Dommermuth allerdings dafür, dass andere Netzbetreiber sich weiterhin zieren, den Resellern einen Zugriff auf das LTE-Netz mit hoher Bandbreite zu geben. Er erwähnt die Telekom und Vodafone zwar nicht namentlich, aber es ist offensichtlich, dass diese beiden Netzbetreiber gemeint sind. Dommermuth sagt dazu, er können nur für sein Haus sprechen: 1&1 Versatel habe stets großes Interesse daran, das Glasfasernetz auch an andere Marktteilnehmer zu vermieten. Wer gute Produkte mit attraktivem Service anbiete, brauche sich vor Wettbewerb nicht zu fürchten.

Der starke Fokus der fusionierten Gesellschaft auf das Telefónica-Netz könnte laut Dommermuth dazu führen, dass die Angebote im Vodafone-Netz weniger werden. Die Telekom und Vodafone haben sich zu den Aussagen von Dommermuth bislang nicht geäußert.

teltarif.de-Podcast zur Drillisch-Fusion

In unserem Podcast "Strippenzieher und Tarifdschungel" besprechen wir in der aktuellen Folge die Übernahme von Drillisch durch United Internet. Hier können Sie direkt in die Folge reinhören oder diese als MP3 herunterladen:

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Wie der Zusammenschluss der beiden Unternehmen juristisch abgewickelt wird, haben wir hier erläutert: 1&1 und Drillisch: So soll die Fusion ablaufen.

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