Lizenzprobleme

Aufatmen: Handball-WM-Livestream der DKB wird geduldet

Es drohte noch Ungemach: Die Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) wollte prüfen, ob die DKB die Handball-WM zeigen darf. Jetzt gibt es schon eine Entscheidung.
Von Thorsten Neuhetzki
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Wer in Deutschland TV- oder Radiosender betreibt und das Signal überträgt, benötigt eine Lizenz der Landesmedienanstalten. Auf YouTube und anderen Plattformen kann hingegen jeder seine eigenen Inhalte online stellen und übertragen - teils sogar live. Das wollte auch die Deutsche Kreditbank (DKB) mit einem Teil der Spiele der Handball-WM machen. Doch nun könnte ihr die Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) einen Strich durch die Rechnung machen. Sie prüft, ob die DKB eine Rundfunklizenz zur Übertragung benötigt. Sollte dem so sein, könnten die Bildschirme der Handball-Fans doch noch schwarz bleiben.

"Die Medienanstalten haben begonnen, den Fall zu prüfen", sagte Pressesprecherin Anneke Plaß von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg der Berliner Zeitung, die zuerst über das Thema berichtete. Ob die mabb auf eigene Veranlassung die Prüfung einleitete oder es eine Beschwerde eines Marktteilnehmers gibt, ist unklar. Eine Anfrage unserer Redaktion blieb bis zur Stunde unbeantwortet.

Die rechtliche Frage dreht sich dabei um das Stichwort "kuratierter Inhalt." Um diesen könnte es sich handeln, wenn die DKB ein vom Hostbroadcaster angeliefertes Signal mit einem eigenen Kommentator belegt. Dabei handelt es sich dann nämlich um Bewertungen auf journalistischer Basis, die der DKB als Bank nicht zustehen könnten. Würde die indes nur das Signal samt (englischem) Kommentar des Weltsignal-Lieferanten durchleiten, dürfte sich diese Problematik nicht stellen.

Telekom kennt das Problem von Liga total!

Die DKB will die Handball-WM per Livestream zeigen - aber darf sie es?Die DKB will die Handball-WM per Livestream zeigen - aber darf sie es? Das Problem der Sendelizenzen ist nicht neu. Einst hatte die Deutsche Telekom die IPTV-Rechte an der Fußball-Bundesliga erworben. Doch sie durfte auf ihrer Entertain-Plattform keine eigenen Sender veranstalten. Bei der Telekom wogen diese Probleme doppelt schwer, da der Staat zu einem nicht unwesentlichen Anteil an der Telekom beteiligt ist. Sie hätte also vermutlich auch keine Sendelizenz bekommen, hätte sie sich um eine bemüht, da man sonst schnell von einem Staatsfernsehen hätte sprechen können. Letztlich beauftragte die Telekom das Münchener Unternehmen Constantin, das auch Sport1 veranstaltet, mit der Realisierung von Liga total!

Einen bewährten TV-Sender zu beauftragen, als redaktioneller Partner für die Übertragung aufzutreten, könnte auch ein Plan B für die DKB sein. Einzig die Zeit dürfte der Bank hierfür zu knapp sein, sollte die mabb der DKB einen Strich durch die Rechnung machen. Denn die Handball-WM beginnt schon morgen. Auch die DKB reagierte bislang nicht auf eine Anfrage unserer Redaktion zur Prüfung durch die mabb.

Update 16 Uhr: Übertragung im Internet voraussichtlich zulassungspflichtig

Die Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) hat sich mit dem Fall der Handball-WM beschäftigt. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die geplante Übertragung der Handball-WM aller Voraussicht nach als zulassungspflichtiger Rundfunk einzustufen. "Aufgrund der besonderen und außergewöhnlichen Einzelfallsituation wird die Ausstrahlung der Handball-WM auf dem Internet-Portal der DKB geduldet", heißt es in der Pressemitteilung. Im Klartext: Die DKB kann die Spiele ab morgen erst einmal zeigen. Doch damit ist die Sache noch nicht final erledigt.

Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) hat die DKB für die Medienanstalten kurzfristig um Stellungnahme gebeten. Der Sachverhalt wird bis zur nächsten Sitzung der ZAK, die am 31. Januar in Stuttgart stattfindet, aufbereitet. Sollte die ZAK zu dem Ergebnis kommen, dass es sich bei der Übertragung der Handball-WM im Internet um Rundfunk gehandelt hat, muss die DKB mit einer Beanstandung rechnen.

Die DKB wird die Spiele technisch über YouTube übertragen. Sie können also auch auf normalen Fernsehern verfolgt werden.

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