Verplappert?

Disney+: Blockbuster Mulan ab Dezember kostenlos im Abo?

Nach einem Bericht der "Volks­stimme" gibt es bei Disney angeb­lich Planungen, den Block­buster "Mulan" ab Dezember kostenlos im Strea­ming anzu­bieten. Der Hinweis auf einer Website verschwand jedoch schnell.
Von Björn König

Wenn diese Nach­richt stimmt, wäre sie schon ein ziem­li­cher Knaller: Nach einem Bericht der "Volks­stimme" will Disney den Block­buster "Mulan" ab Dezember kostenlos im Strea­ming anbieten. Ursprüng­lich war eine Veröf­fent­li­chung zwar geplant, jedoch sollten Abon­nenten von Disney+ für das virtu­elle Kino­ti­cket rund 30 US-Dollar extra zahlen. Das löste dementspre­chend eine große Debatte aus. Was genau ist nun an dieser Info dran?

Bezug auf "Screen­rant"

Foto: Disney "Mulan" läuft exklusiv im Streaming
Foto: Disney
Die ursprüng­liche Quelle der Nach­richt ist "Screen­rant", eine Website für Enter­tain­ment-News. Man kann hier also durchaus von einer glaub­wür­digen Infor­ma­tion spre­chen, zumal es sogar einen original Screen­shot von Disney gibt. Dort wird darauf verwiesen, dass man den Film ab 4. September für 29,99 US-Dollar beziehen kann. Inter­es­sant ist aber der klein­ge­druckte Text darunter. Dort steht nämlich folgende Infor­ma­tion: "Watch before it's release to all Disney+ subscri­bers on December 4, 2020". Mit anderen Worten: Der Film soll ab 4. Dezember allen Abon­nenten von Disney+ zur Verfü­gung stehen. Und diese zahlen ja zum Beispiel in Deutsch­land nur 6,99 Euro im Monat. Aber wer würde bei diesem "unschlag­baren Angebot" schon zugreifen? Mehr als den vier­fa­chen Preis zahlen, damit man den Film drei Monate früher schauen kann?

Ist es nur ein Test?

Mögli­cher­weise will Disney nun austesten, wie das Angebot bei den Abon­nenten seines Strea­ming-Dienstes ankommt. Der Mickey-Mouse-Konzern möchte offenbar wissen, wie viele Abon­nenten tatsäch­lich bereit sind, einen hohen Extra­preis für Erst­ver­öf­fent­li­chungen von Block­bus­tern zu zahlen. Wenn genü­gend Zuschauer das Angebot annehmen, dürfte man die gleiche Methode künftig bei anderen Filmen anwenden. Offen­sicht­lich geht es darum, sich Einnahmen aus dem Kino­ge­schäft zurück­zu­holen, die vor allem durch die Corona-Krise verloren gingen.

Die Frage ist nun, ob die Disney-Fans dabei auch tatsäch­lich mitspielen. Rechnet man einen Kino­be­such mit zwei Erwach­senen und zwei Kindern hoch, könnte die Kalku­la­tion womög­lich stimmen. Gleich­wohl kann auch ein Block­buster auf dem größten Bild­schirm im Wohn­zimmer nicht das tradi­tio­nelle Kino­er­lebnis ersetzen. Und bei diesem Preis würden dann wohl viele Abon­nenten doch lieber ins Kino gehen.

NBCUniversal geht glei­chen Weg

Auch das Holly­wood-Studio NBCUniversal geht den glei­chen Weg und will seine Block­buster zuerst im Strea­ming veröf­fent­li­chen. Deshalb gab es bereits großen Streit mit den Kino­be­trei­bern, insbe­son­dere der welt­weit größten Kino­kette AMC Thea­tres, zu der in Deutsch­land auch die UCI-Multi­plex­kinos gehören. Die Kette steckt aufgrund der Corona-Krise in schwerer Bedrängnis und sogar ein Verkauf an Amazon stand zur Debatte.

Auch der HDF Kino als Inter­es­sen­ver­band der deut­schen Film­theater lehnt eine exklu­sive Auswer­tung von Kino-Block­bus­tern im Strea­ming kate­go­risch ab, wie dessen Vorsit­zende Chris­tine Berg noch im August in einem teltarif-Exklu­siv­in­ter­view nach­drück­lich unter­strich. Es wird nun also span­nend zu beob­achten, wie das aus Kunden­sicht nicht ganz so verlo­ckende Disney-Angebot bei den Zuschauern ankommt.

Hier lesen Sie unseren Test­be­richt zu Disney+.

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