Fernsehen

Disney steigt bei Super RTL aus

Bei Super RTL ist wohl Schluss mit Mickey, Donald & Co. Disney steigt aus dem Joint Venture mit RTL aus und verkauft seinen 50 Prozent-Anteil an die RTL Group. Dieser Schritt wurde von Markt­beob­ach­tern aller­dings erwartet.
Von Björn König

Bild: Super RTL Disney zieht sich aus Super RTL zurück
Bild: Super RTL
Seit einiger Zeit richtet sich Disney inter­national neu aus. Mit dem Start von Disney+ vermarktet der Mickey Mouse-Konzern seine Inhalte mitt­ler­weile im "Direct to Consumer"-Geschäft und zieht sich aus Part­ner­schaften zurück. In Deutsch­land betraf dies beispiels­weise schon Pay TV-Sender bei Sky, nun steigt der US-Medi­enkon­zern auch bei Super RTL aus. An dem Joint Venture mit RTL hielt Disney bislang eine 50-Prozent-Betei­ligung. Wie geht es nun für den Kinder­sender weiter?

Disney-Inhalte verschwinden

Bild: Super RTL Disney zieht sich aus Super RTL zurück
Bild: Super RTL
Nahezu sicher ist, dass Disney durch den Verkauf auch seine Inhalte bei Super RTL voll­ständig abzieht und wohl auch künftig nicht mehr lizen­ziert. Einer­seits betreibt Disney mit dem Disney Channel noch einen eigenen Free-TV-Sender in Deutsch­land, darüber hinaus liegt der Fokus ganz auf der Vermark­tung von Disney+. Wer also weiterhin alle Filme und Serien aus dem Mickey-Mouse-Universum sehen will, kommt wohl in Zukunft nicht mehr um ein kosten­pflich­tiges Strea­ming-Abo herum.

Erst kürz­lich wurde das Angebot noch mit Erwach­senen­inhalten von "Star" erwei­tert und liegt nun bei einem Monats­preis von 8,99 Euro. Bislang gilt Super RTL als erfolg­reichster Kinder­sender in Deutsch­land.

Ob man das aller­dings ohne die Part­ner­schaft mit Disney bleiben kann, erscheint zumin­dest frag­lich. Immerhin hat die Sender­gruppe mit dem KiKA nicht nur öffent­lich-recht­liche Konkur­renz, auch der ameri­kani­sche Medi­enkon­zern ViacomCBS ist mit seinem Kinder­kanal "Nick" hier­zulande stark vertreten. Dass dort Inhalte in großem Stil lizen­ziert werden, erscheint auch eher unwahr­schein­lich. Schließ­lich startet ViacomCBS mit Para­mount+ gerade eben­falls welt­weit einen eigenen Strea­ming-Dienst bei dem auch Nick-Content eine wich­tige Rolle spielen wird.

Umstruk­turie­rung bei Super RTL?

Derzeit struk­turiert sich RTL sowieso um. Die Marke soll stärker in den Mittel­punkt rücken, so bekommt unter anderem der eigene Strea­ming-Dienst "TVNOW" mit RTL+ einen neuen Namen. In diesem Zusam­men­hang erfolgt weiterhin ein Re-Bran­ding des Free-TV-Senders RTLplus. Auch für Super RTL wird nach dem Disney-Ausstieg mit einer Neuaus­rich­tung der Marke gerechnet. Weit­rei­chende Konse­quenzen könnte die Entwick­lung aber auch für das Abend­pro­gramm haben, das sich bislang vor allem mit ameri­kani­schen Krimi- und Drama­serien wie "Bones", "CSI" oder "Dr. House" an ein erwach­senes Publikum richtet.

Nicht zuletzt wird wohl auch der lang­jäh­rige Super-RTL-Geschäfts­führer Claude Schmit nach der voll­stän­digen Über­nahme seinen Posten räumen. Fakt ist: Bei der RTL Group in Luxem­burg war man bislang mit dem Joint Venture ohnehin nicht zufrieden und hätte sich gern die voll­stän­dige Kontrolle über den Sender gesi­chert, um im gesät­tigten deut­schen Free-TV-Markt noch weiter zu wachsen.

Spielen die Kartell­behörden mit?

Aller­dings ist der Deal noch nicht in trockenen Tüchern, denn die Geneh­migungen der Kartell­behörden stehen nach wie vor aus. Man darf nicht vergessen, dass die beiden großen Medi­engruppen ProSiebenSat.1 und RTL den deut­schen Free-TV-Markt nahezu voll­ständig kontrol­lieren. Von daher werden auch die Kartell­wächter den Unter­nehmen bei dieser Trans­aktion sicher­lich ganz genau auf die Finger schauen, um insbe­son­dere die Konkur­renz bei der Werbe­zeit­ver­mark­tung und natür­lich die Medi­enplu­ralität insge­samt weiterhin zu gewähr­leisten.

Dennoch, dass RTL als neuer Allein­gesell­schafter den Sender in großem Stil umbaut, ist aufgrund der bisher recht erfolg­rei­chen Stra­tegie eher unwahr­schein­lich. Vermut­lich wird man an der einen oder anderen Stell­schraube sowie dem Bran­ding drehen. Eine inhalt­liche Neuaus­rich­tung erscheint dann aber doch eher frag­lich, zumal RTL sich selbst gegen die großen ameri­kani­schen Streamer durch­setzen muss. Und gerade dort wird Disney mit seinem großen und beliebten Katalog für kleine Zuschauer ganz sicher nach wie vor ein wich­tiger Mitbe­werber.

In einem weiteren Artikel haben wir Disney+ bereits getestet.

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