Digitalradio

EU: Pflichtchip für Digitalradio kommt

Eine neue EU-Regelung sieht vor, dass nach einem bestimmten Zeitpunkt neue, höherwertige Radiogeräte zusätzlich zum UKW-Empfang auch den Empfang digitaler Radioprogramme ermöglichen müssen. Damit dürfte der umstrittene Pflichtchip für DAB+ bald kommen.
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Bald muss jedes in der EU verkaufte Radio DAB+ empfanfgen.Bald muss jedes in der EU verkaufte Radio DAB+ empfanfgen. Auch wenn es zunächst eine Absichtserklärung ist: Der umstrittene Pflichtchip für DAB+-Empfang in Radiomodellen könnte bald kommen. Mit der Beendigung seiner Beratungen auf Ausschussebene über einen europäischen Kodex für elektronische Kommunikationsnetze und -dienste hat sich das Europäische Parlament für eine europäische Norm zur Förderung von Digitalradio in der EU ausgesprochen, teilten die ARD und der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) heute mit.

Damit erkenne das Parlament an, dass das digital-tererestrische Radio DAB+ ohne diese Fördernorm hinter seinem Potenzial für die Entwicklung des europäischen Binnenmarkts, aber auch für die Bürgerinnen und Bürger der EU unter seinen Möglichkeiten als nach wie vor bedeutendes Tagesbegleitmedium zurückzubleiben drohe. Die geforderte Regelung sieht vor, dass nach einem bestimmten Zeitpunkt neue höherwertige Radiogeräte zusätzlich zum UKW-Empfang auch den Empfang digitaler Radioprogramme ermöglichen müssen.

Günstigere DAB+-Radios wegen fallender Chippreise

Umstritten ist die Regelung deswegen, weil viele nun steigende Preise bei Radiomodellen befürchten. Experten betonen jedoch, dass die Chippreise bei einem Massenabsatz fallen würden, so dass es bald kaum noch Preisunterschiede zwischen einem UKW-Radio mit RDS und einem Digitalradio mit DAB+ geben dürfte. Die DAB+-Pflicht besteht bei allen Radios, die mindestens UKW-Empfang mit Anzeige des Sendernamens (RDS) bieten. Einfache Radios im einstelligen Euro-Bereich und Smartphones sind von der Regelung ausgenommen, sie dürfen weiter nur analogen UKW-Empfang an Bord haben.

"Auch wenn mit dem Beschluss des Europäischen Parlaments der Gesetzgebungsprozess noch nicht abgeschlossen ist, wird damit doch ein wichtiges politisches Signal gegeben, nicht zuletzt an die EU-Mitgliedstaaten, wie in ihren jeweiligen nationalen Märkten auch auf europäischer Ebene nach einer einheitlichen Lösung zu streben und nicht weiter eine flickenteppichartige Entwicklung beim europäischen Radio zuzulassen”, sagt die Vorsitzende der ARD und MDR-Intendantin Karola Wille dazu.

Die Digitalisierung der Medien ist in vollem Gange, DAB+ ist europaweit auf dem Vormarsch. Einige Länder haben bereits Termine für die UKW-Abschaltung festgelegt, andere werden folgen. Dennoch: Obwohl bereits über 50 Millionen DAB+ Radios weltweit verkauft wurden, verfügen alleine in Deutschland immer noch 79 Prozent der jährlich verkauften Radios und fast vier von fünf Autos nur über UKW-Empfang. Gerade bei langlebigen Gütern laufen die Käufer so Gefahr, eines Tages keine oder nur noch sehr wenige UKW-Radiosender empfangen zu können. Gleichzeitig können sie keine digitalen Dienste nutzen.

"Die Consumer-Electronics-Industrie unterstützt die Digitalisierung des Hörfunks", betont Dr. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung. "Eine europäisch abgestimmte Digitalisierungsstrategie ist dabei unerlässlich. Industrie und Verbraucher profitieren gleichermaßen von einem europaweiten Standard. Die Regulierung muss dabei verhältnismäßig bleiben".

Weiter terrestrischer Radioempfang in der ganzen EU gewährleistet

ARD-Vorsitzende Wille ergänzte: "Wir dürfen uns nicht mehr in Radio-Kleinstaaterei ergehen. DAB+ ermöglicht einer zunehmend mobilen Gesellschaft grenzüberschreitende Verkehrsinformationen, neue Radioprogramme und neue Serviceangebote. Hinzu kommt: DAB+ ist eine europäische Entwicklung, die ihr Marktpotential mittlerweile auch außerhalb der EU, so etwa in Asien und Australien entfaltet. Auch das ist gut und sollte nach Kräften gefördert werden."

Für die deutschen und europäischen Autoindustrien hätte eine wie nun vom Europäischen Parlament geforderte Regelung den Vorteil verbesserter Ausrüstung und mehr inhaltlicher Serviceleistungen. Im Bereich der Verkehrsinformationen könnte DAB+, so die Befürworter, zu mehr Verkehrssicherheit und verbessertem Verkehrsfluss beitragen. Außerdem wäre mit einer DAB+-Pflicht gewährleistet, dass künftig terrestrischer Radioempfang auch in den Ländern möglich ist, die UKW bereits abgeschaltet haben oder dies vorhaben. Als erstes Land weltweit schaltet Norwegen aktuell seine UKW-Sendernetze ab, weitere Länder wie Dänemark und die Schweiz folgen.

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