Neues System

Fraunhofer will DRM+ als zweites Digitalradio-System etablieren

DRM+ soll als zweiter Digitalradiostandard neben DAB+ etabliert werden. Wir berichten darüber, für welche Programmanbieter das neue System nicht nur interessant, sondern auch kostensparend sein könnte.
Von der IBC in Amsterdam berichtet
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Hybridradio für UKW, DAB und DRMHybridradio für UKW, DAB und DRM DAB+ ist vor allem für überregionale Hörfunkprogramme einen zeitgemäße digitale Alternative zum analogen UKW-Rundfunk. Für lokale Radiostationen ist die Norm weniger gut geeignet. Diese müssten zusammen mit anderen Lokalsendern in einem Multiplex senden, dessen Verbreitungsgebiet deutlich größer ist als das angestrebte Sendegebiet. Die Alternative wäre ein eigener Multiplex, der dann vielleicht nur ein bis drei Programme umfasst.

Beide Lösungen sind für kleinere Veranstalter zu teuer. Sie zögern daher oft noch mit dem Umstieg auf das terrestrische Digitalradio. Fraunhofer zeigt auf der International Broadcasting Convention (IBC) mit DRM+ eine Alternative, die es auch kleineren Lokalsendern ermöglicht, ins digital-terrestrische Rundfunkveranstalter einzusteigen.

DRM sollte ursprünglich auf AM-Frequenzen genutzt werden

DRM (Digital Radio Mondiale) ist nicht neu. Der Standard sollte ursprünglich die analogen Radiosendungen auf Lang-, Mittel- und Kurzwelle ablösen. Während DRM in Indien sukzessive etabliert wird, hat sich das System in Europa nicht durchgesetzt. Nun könnte es mit DRM+ eine Renaissance geben. DRM+ basiert auf dem bekannten DRM-Standard. Dabei werden allerdings deutlich höhere Frequenzbereiche als Lang-, Mittel- und Kurzwelle genutzt.

Bisherige Versuche mit DRM+ fanden auf UKW-Frequenzen statt. Diese werden jedoch zumindest in Deutschland auf absehbare Zeit weiter für analoge Hörfunksendungen benötigt. Fraunhofer zeigt auf der IBC nun DRM+ im VHF-Band III. Das ist der Frequenzbereich, der für das terrestrische Fernsehen zugunsten von DAB+ aufgegeben wurde. Dabei geht es nicht etwa um die Ablösung des seit fünf Jahren etablieren DAB+-Systems, sondern um die Ergänzung durch DRM+ als Standard für lokale Anbieter.

Prototyp empfängt UKW, DAB(+) und DRM(+)

Auf der IBC wird auch ein Prototyp eines Hybrid-Radios gezeigt, das analoge Sendungen auf UKW genauso empfangen kann wie digitale Programme via DAB und DAB+, DRM30 (also Digital Radio Mondiale auf Frequenzen unterhalb von 30 MHz) und DRM+. Dabei blieb am Messestand die Frage offen, wann ein solcher Empfänger marktreif ist und wann das System eingeführt werden könnte.

Offen bleibt zudem, in welchem Zeitrahmen Frequenzen für DRM+ koordiniert und ausgeschrieben werden könnten. Denkbar sei neben der Nutzung des DAB+-Frequenzspektrums weiterhin aber auch der Einsatz im Band III, also dem klassischen UKW-Bereich. Nachbarkanalstörungen, wie sie etwa bei Feldversuchen mit dem in Nordamerika etablierten HD-Radio-Standard im Rhein-Necker-Raum aufgetreten sind, seien beim Einsatz von DRM+ nicht zu erwarten. Die Sender würden eine Bandbreite von 100 kHz belegen - ähnlich wie ein analoges UKW-Signal. Dabei sei es aber möglich, bis zu drei Programme parallel abzustrahlen.

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