UKW-Abschaltung

Norwegen: 98 Prozent hören trotz UKW-Abschaltung weiter Radio

Die UKW-Abschaltung und der Umstieg auf DAB+ sind in Norwegen geglückt: 98 Prozent der Bevölkerung hört weiter Radio. Vor allem neue Programme können profitieren, während die etablierten Sender Hörer verloren haben.
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Mit Spannung blickt die Medienwelt nach Norwegen. Welche Auswirkungen hat eine Abschaltung des alten UKW-Standards und der Wechsel auf DAB+ auf den Radiomarkt? Drei Monate nach der Abschaltung der meisten analogen Frequenzen steht nun fest, dass die Norweger den Umstieg mitgemacht haben: 98 Prozent der Hörer sind dem Radio treu geblieben, kauften sich DAB+-Empfänger oder hören jetzt Radio über IP, meldet der Branchenverband WorldDAB und bezieht sich dabei auf diese Umfrage.

Zwar wurde auch in Norwegen laute Kritik an der Abschaltung der UKW-Frequenzen geübt. Letztendlich haben die Hörer den Umstieg aber mitgemacht. Alleine im letzten Jahr wurden rekordverdächtige zwei Millionen DAB+-Geräte verkauft. Das sind dreimal so viele DAB+ Radios wie in den Jahren zuvor. Norwegen hat 5,2 Millionen Einwohner.

DAB+ für neue Sender ein Erfolg

Norweger bleiben dem Radio auch auf DAB+ treuNorweger bleiben dem Radio auch auf DAB+ treu Für die Radioveranstalter ist der Umstieg ein Erfolg oder ein Misserfolg, je nachdem, ob sie vorher bereits im analogen UKW-Geschäft aktiv waren oder nicht. Wer in Norwegen als neuer Akteur ins Radiogeschäft eingestiegen ist, konnte eindeutig von der Digitalisierung des Hörfunks profitieren. Drei Monate nach dem Ende von UKW entfallen bis zu einem Drittel der Radionutzung auf die neuen DAB+-Programmangebote. Mit dem Übergang vom analogen zum digitalen Rundfunk ist die Zahl der nationalen Radiostationen in Norwegen von fünf (2016) auf 31 (2017) gestiegen.

Gleichzeitig haben die früheren UKW-Programme aber durch die Bank Hörer verloren. Die großen Sendergruppen und der öffentlich-rechtliche Rundfunk NRK konnten diese Verluste jedoch mit neuen, zusätzlichen Angeboten im Digitalradio mehr als wettmachen.

"Die norwegischen Rundfunkanstalten haben die Umstellung von UKW auf DAB+ nicht durchgeführt, um Zuhörer kurzfristig zu gewinnen, sondern um sie auf lange Sicht zu halten und dem Radio eine digitale Zukunft zu ermöglichen", sagte Ole Jørgen Torvmark, CEO von Digital Norway.

Weitere UKW-Ausstiege folgen

Der UKW-Abschaltung in Norwegen werden weitere folgen: Inzwischen hat auch die Schweiz beschlossen, aus der analogen Radioverbreitung auszusteigen - spätestens 2022, möglicherweise auch schon früher. Seit Ende 2017 fährt die Rundfunk Anstalt Südtirol (RAS) ihr Engagement auf UKW sukzessive zurück, mittelfristig soll auch hier Schluss mit UKW sein. In Großbritannien berät die Regierung über einen Ausstieg, sobald mehr als 50 Prozent der Radionutzung auf digitalen Verbreitungswegen erfolgt. Das wird noch vor Sommer erwartet.

In Deutschland erfolgt ein UKW-Ausstieg bisher nur punktuell: So haben die bundesweit über DAB+ hörbaren Privatradios sunshine live und Klassik Radio Frequenzen abgeschaltet. Domradio hat sich von einer Frequenz in Fulda zurückgezogen, der Hessische Rundfunk (hr) hat ein paar Füllsender abgeschaltet. Die KEF zwingt die ARD indirekt zu einem Ausstieg aus der UKW-Verbreitung bis 2028.

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